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RENTENANGST

Ein Nein zur Ehrenlegion

Erstellt von DL-Redaktion am 3. Januar 2015

EINE ABSAGE AN DIE ROSETTE IM KNOPFLOCH. AUS HONORIGEN MOTIVEN

Endlich einmal ein energisches „NEIN“ zur Verleihung eines „Ehrenordens“. Der Ökonom Thomas Piketty sagt Danke und lehnt die Annahme des Verdienstorden der Ehrenlegion ab. Eine Ausnahme, tingeln doch für gewöhnlich besonders Politiker in schöner Regelmäßigkeit um den Erdball um sich in trauter Einigkeit gegenseitig zu Kränzen.  Man hat ja sonst nichts und schließlich wird dieser Irrsinn ja vom Steuerzahler bezahlt.

Aber, ist es in einer offenen Gesellschaft nicht eher ein Zeichen für das „Angepasst“ sein, ein Zeichen der Unterwürfigkeit. Eine Geste für Menschen welche sich von der Strömung treiben lassen und nicht Willens oder in der Lage sind eigene Eckpunkte zu setzen? Auf alle Fälle aber erhebt er den Verleiher solcher Orden auf einen Podest welcher diesem als allerletzten zusteht. Kommt doch letztendlich der Ordensempfänger für die anfallenden Kosten noch selber auf.

Ein Nein zur Ehrenlegion

DAS EREIGNIS ZUM JAHRESBEGINN:

EINE ABSAGE AN DIE ROSETTE IM KNOPFLOCH. AUS HONORIGEN MOTIVEN

Der Ökonom Thomas Piketty möchte nicht neben Hunderten anderen „ehrenvollen“ Bürgern mit dem Verdienstorden der Ehrenlegion ausgezeichnet werden. Andere träumen davon und suchen fieberhaft nach ihren Namen auf der zu Jahresbeginn publizierten Liste der Auserwählten. Wer nicht als Versager gelten will, strebt darum danach, den Orden der Ehrenlegion zu erhalten und eines Tages die rote Rosette im Knopfloch an der Weste zu tragen.

Fast 700 Bürger und Bürgerinnen sind auch Anfang 2015 zu Rittern, Offizieren oder Kommandanten dieses weltlichen Verdienstordens der Französischen Republik designiert worden. Wie üblich befinden sich unter ihnen vor allem im Volk beliebte Sportler und Leute aus Film, Musik und Fernsehen, aber auch aus Wirtschaft und Wissenschaft, die im Verlauf des letzten Jahres besonders im Rampenlicht gestanden waren. Und dann auch immer ein paar Betagte, die ein wenig nachträglich und mit dem schlechtem Gewissen der Nation für ihr schon fast in Vergessenheit geratenes Lebenswerk geehrt werden.

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Das Ende des Kapitalismus

Erstellt von DL-Redaktion am 29. Dezember 2014

Das Ende des Kapitalismus im 21. Jahrhundert?

von Thomas Piketty

Sehr verehrte Damen und Herren, ich fühle mich geehrt, hier heute die erste „Democracy Lecture“ halten zu können. Natürlich habe ich mich sehr über den großen Erfolg meines Buches in den Vereinigten Staaten gefreut. Doch ich bin zutiefst Europäer und interessiere mich im Grunde mehr für die europäische als für die amerikanische Diskussion. Und Deutschland ist natürlich ein bedeutender Teil Europas. Ich bin also wirklich sehr glücklich, dass soeben die deutsche Fassung meines Buches erschienen ist und ich heute Abend hier sein kann.

Umso mehr, als man hier in Deutschland, und speziell hier in Berlin, in wenigen Tagen diesen sehr wichtigen Jahrestag begeht. Ich bin 1971 geboren, gehöre also zu der betroffenen Generation. 1989 war ich 18 Jahre alt und so bin ich quasi erwachsen geworden mit der Radiomeldung vom Fall der Mauer, vom Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Osteuropa. Wie viele Studenten bin ich damals durch Osteuropa gereist, also wirklich erwachsen geworden mit dieser neuen Welt, die da aufgebaut wurde. Es ist daher sehr bewegend für mich, heute Abend hier zu sein und über mein Buch sprechen zu können.

„Das Kapital im 21. Jahrhundert“ hat primär die Untersuchung des Kapitals in historischer Perspektive zum Gegenstand. Es unternimmt den Versuch herauszufinden, wie man die Entwicklung von Ungleichheiten, von Herrschaftsverhältnissen historisch analysieren kann, die mit der Geschichte des Kapitals und unterschiedlichen Eigentumsformen seit der industriellen Revolution einhergehen.

Der erste Satz des ersten Kapitels meines Buches ist Artikel 1 der Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen von 1789 entnommen, der besagt: Die sozialen Unterschiede können nur im allgemeinen Nutzen gründen. Anders ausgedrückt besteht das demokratische Ursprungsversprechen genau darin: Soziale Ungleichheiten und Unterschiede können akzeptiert werden, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie im allgemeinen Interesse liegen. Man kann diesen Artikel durchaus mit einem sehr viel späteren aus dem deutschen Grundgesetz von 1949 vergleichen, dem Artikel 14, der das Recht auf Eigentum anerkennt und garantiert und zugleich versichert, dass das Eigentum so genutzt werden müsse, dass es gleichzeitig zum Wohl der Allgemeinheit beitrage. All diese Ausdrücke – wie allgemeiner Nutzen oder Allgemeinwohl – bleiben offensichtlich sehr vage. Aber das demokratische Versprechen ist immer dasselbe. Es geht im Prinzip darum, demokratische Institutionen zu befähigen, das Kapital, den Kapitalismus, das Eigentumsrecht, in den Dienst des öffentlichen Interesses zu stellen. Und die zentrale Frage lautet, ob dieses Versprechen heute gehalten wird.

In meinem Buch gehe ich zurück in die Geschichte des Kapitalismus – der Metamorphosen des Kapitals und der unterschiedlichen Eigentumsformen seit der industriellen Revolution –, um herauszufinden, was dabei letztendlich nicht funktioniert hat, und zu versuchen, die Frage des Kapitals und seiner Entwicklung so grundlegend wie möglich zu reflektieren.

Die Französische Revolution und das gebrochene Versprechen der Gleichheit

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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