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Smiley für den Amazonas

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 28. August 2019

Ein Smiley für den Amazonas

File:Fires in forest.jpg

Ein Schlagloch von Nora Bossong

Was kann die Weltgemeinschaft tun, wenn der Regenwald brennt? Lokal aufforsten in Hambach? Die private Empörung bei Facebook teilen?

Unter Aufgebot aller heroischen Widerstandskräfte hat der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro die angebotenen G7-Hilfsgelder gegen den Brand im Regenwald zurückgewiesen. Einmischung in innere Angelegenheiten, kolonialistische Haltung, das geht nicht im neurechten Jahrzehnt der Befreiung. Aber wie geht in diesem Jahrzehnt dann globaler Klimaschutz? Was kann die Weltgemeinschaft tun, wenn sie mitbekommt, dass an einem Ort der Welt etwas passiert, das zerstörerische Folgen für den ganzen Planeten hat ?

Global denken, lokal handeln, heißt eine Antwort von Greenpeace – was in Richtung des brasilianischen Vorschlags geht, mit den G7-Geldern lieber europäische Wälder aufzuforsten. Bäume für Hambach, und dann? Der Amazonasregenwald ist leider doch etwas größer. Nun ist es für zivilgesellschaftliches Engagement stets noch schwieriger als für Regierungen,  von Biarritz, Berlin oder Bullerbü aus den Regenwald zu löschen, und es ist fraglich, ob es reicht, in Kreuzberg einen Kasten Krombacher zu leeren, um damit das Brauerei-Regenwaldprojekt zu unterstützen oder vielleicht noch in Papageikostümen vor der brasilianischen Botschaft herumzuflattern.

Doch sind Aktivistinnen und Aktivisten auch hierzulande findig: Seit Tagen werden auf Facebook Hinweise darauf, dass im Amazonasgebiet der Regenwald brennt und dass das schrecklich ist, eifrig geteilt, gelikt oder mit wütenden Smileys versehen. Möglich, dass durch einen Facebook-Like ein südamerikanischer Busch gerettet wird, aber nicht alles, was möglich ist, ist auch wahrscheinlich. Immerhin: Man fühlt sich nicht untätig, nimmt Anteil, ist betroffen, – und schon sind wir mittendrin in der Mitmachpolitik der Gegenwart, die sich von der Idee der Deliberation emanzipiert hat. Nur aber leider nicht zugunsten all jener, die aufgrund mangelnder gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen waren, sondern lediglich durch die Verbequemlichung der bereits Involvierten.

Das waren noch G 7 Zeiten, hier wird Obama der Vorteil einer Banklänge erklärt !

Autoritäre Politiker wie Jair Bolsonaro mag das freuen. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Unterstützung der Rechten nicht nur von rechts kommt, sondern allzu oft eben auch von links, – etwa indem sie ihre MitstreiterInnen, wenn nicht gleich sich selbst, für einfältig bis zur Ermüdung halten oder in antiliberale Linksradikalität rutschen, weil das ja die knalligere Party ist. Womöglich retten wir zudem mit anteilnehmendem Facebook-Aktivismus nicht nur keinen Busch im Amazonasgebiet, sondern treiben das Weltklima noch weiter auf den Abgrund zu: Beim ersten Googletreffer zum Thema Internet und CO2 landet man beim SWR und erfährt, schon eine Googlesuchanfrage verbrauche „etwa 0,3 Watt-Stunden (Wh). Hochgerechnet bedeutet das bei 20 Anfragen bereits den Verbrauch einer Energiesparlampe in einer Stunde.“ Auch verschlänge das Frankfurter Rechenzentrum mehr Energie als der Flughafen der Stadt. Dann doch lieber offline mal wieder eine Avocado essen.

Quelle        :          TAZ        >>>>>           weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben         —           Image title: Fires in forest   –  Buschbrände

Source http://www.public-domain-image.com/public-domain-images-pictures-free-stock-photos/miscellaneous-public-domain-images-pictures/fire-flames-pictures/fires-in-forest.jpg
Author U.S. Fish and Wildlife Service
Permission
(Reusing this file)
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Unten       —           Merkel and Obama in nature of Krün (2015), An official White House Photo by Pete Souza

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