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* Schuldfrage offen

Erstellt von Detlef Obens am Donnerstag 29. Juli 2010

Der OB der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland, gab gestern, u.a., der BILD ein Interview. In diesem bestritt er wieder einmal, von “Planungsfehlern” gewusst zu haben. Rücktritt schliesst er zum jetzigen Zeitpunkt aus.

In diesem Interview, in den Räumen seines Anwaltes, bestritt Sauerland erneut seine direkte Einflussnahme auf den Entscheidungsprozeß zur Durchführung der Loveparade. Niemand hätte ihn im Vorfeld über Sicherheitsbedenken gewarnt und das letzte Wort hätte sowieso das dafür zuständige Derzernat der Stadt gehabt. Auf die Frage, das es doch Dokumente gebe, die belegen, das er involviert gewesen sei, sagte Sauerland:„Es gibt in so einem Verfahren immer wieder Reibungspunkte. Dann werden Alternativen gesucht und es wird ein neuer Plan vorgelegt. Aber mit diesem operativen Handling habe ich nichts zu tun.“ Ausserdem wolle er solang im Amt bleiben, bis die Fragen geklärt wären. Von einer rechtzeitigen Information über die Katastrophe im Tunnel wolle er erst gegen 18 Uhr erfahren haben. Danach habe er alles erdenkliche in die Wege geleitet und sei bis Nachts im Krisenstab gewesen. Ein souveräner Bürgermeister redet anders. An der am Samstag stattfindenden zentralen Trauerfeier der Stadt Duisburg werde er aus Respekt vor den Angehörigen der verstorbenen Loveparade-Besucher nicht teilnehmen. Am Platz des Geschehens werde er aber ein stilles Gebet für die Toten sprechen. Sauerland steht mittlerweile nach massiven Bedrohungen unter Polizeischutz. In seinem weiteren Interview, welches er der WAZ gab, versuchte er ebenfalls die Verantwortlichkeiten aus seiner Sicht darzustellen. Auch hier lehnte er auf direkte Fragen der Journalisten, einen derzeitigen Rücktritt ab. “Aus Pflichtbewusstsein!“..wie er sagt.

Mittlerweile beschuldigt Innenminister Jäger (SPD) auf seiner gestrigen Pressekonferenz den Veranstalter LOPAVENT schwer. Er sprach davon, das es auf seiten dieses Veranstalters “Fehler über Fehler” gegeben hätte. Das Sicherheitskonzept des Veranstalters hätte nicht gegriffen, sei nicht ausreichend genug für so viele Menschen gewesen. Jäger verwies darauf, wie auch OB Sauerland, das das Unglück im Sicherheitsbereich des Veranstalters stattgefunden habe und die Polizei somit keine Schuld traf. Diese sei vom Veranstalter erst um Mithilfe gerufen worden, als es schon zu spät gewesen war. Immerhin habe die Polizei eine noch größere Katastrophe verhindern können.

Der von Innenminister Jäger scharf angegriffene Veranstalter Reiner Schaller antwortete daraufhin schriftlich:” Die auf der Pressekonferenz des Landesinnenministers Ralf Jäger vorgetragenen vorläufigen Ermittlungsergebnisse zu den Abläufen der Ereignisse werfen viele Fragen auf, die wir nicht kurzfristig mit Medienstatements beantworten wollen. Erstmals wurden heute auf der Pressekonferenz des Innenministeriums auch konkrete Vorwürfe erhoben, die ebenfalls sehr genau geprüft werden müssen. Wir haben der Staatsanwaltschaft nicht nur unsere Server, sondern auch das vollständige Videomaterial unserer sechs Kameras im Tunnel- und im Eingangsbereich übergeben. Wir hoffen, dass diese Bilder mit zur Aufklärung beitragen, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte. Sobald wir weitere Erkenntnisse gewinnen, übergeben wir diese umgehend an die Staatsanwaltschaft.“

Scheinbar ist sich jeder der Beteiligten sicher, alles erdenklich Mögliche für die Sicherheit der Loveparade-Besucher getan zu haben und schiebt sich den schwarzen Peter gegenseitig zu. Zu offensichtlich sind ihre jeweiligen Statements und Ausflüchte. Mit jedem Tag, den sie weiter ins Land ziehen lassen und an welchem sie derartige Schuldzuweisungen untereinander verteilen, wird der Zorn und die Wut der Menschen größer.

Das OB Sauerland mittlerweile Morddrohungen erhält ist auch ein schlimmes Signal dafür. Hier muss allerdings gesagt werden, das eine Hatz auf den Bürgermeister der falsche Weg ist. Er und seine Familie dürfen nicht Ziel von Gewalt jeglicher Form sein. Seine juristische Schuld wird durch den Rechtsstaat und seiner Organe ermittelt. Dies wird ein langer Weg. Politisch und moralisch muss er aber die Verantwortung übernehmen und sein Amt aufgeben. Als erster Mann einer Stadt, welche jetzt weltweit einen so traurigen Ruhm erfährt, muss er gehen. Da helfen ihm auch seine Erklärungsversuche nichts.  Welchen Grund er auch immer nennt für sein Kleben im Amt, er schadet damit nachhaltig auch dem Ansehen der Politik und der Politiker im Allgemeinen. Er sollte nun endlich ein Zeichen setzten, auch in Hinblick auf die vielen trauernden Angehörigen der Opfer, seinen Hut nehmen und damit den Weg für weitere Ermittlungen freimachen.

Nur zur Erinnerung für die Beteiligten: Es gab bisher 21 Tote und über 500 Verletzte, einige von ihnen schwer. Es war damit eine der schlimmsten Katastrophen, die das Bundesland NRW erfahren musste. Die Trauer und das Unverständnis der Menschen im Land ist groß. Wer am Ende dafür strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wird, —dies kann erfahrungsgemäß lange dauern und schwierig sein—, müssen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen.

Die Angehörigen der vielen toten Menschen werden ein Leben lang mit ihrem schmerzlichen Verlust leben müssen, deren Ursache sie vermutlich immer noch nicht begreifen können. Das unwürdige politische Hick-Hack um Verantwortlichkeiten muss für sie wie ein Schlag ins Gesicht sein.

An diesem Samstag – eine Woche nach der Katastrophe – sollen die Fahnen in Deutschland auf halbmast wehen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ordnete zur Gedenkfeier Trauerbeflaggung an.

Ein Kommentar zu “* Schuldfrage offen”

  1. UP. sagt:

    Heute war Sauerland - Tag

    UPDATE 22.34 h

    Sauerland mit Abwahl einverstanden

    Gestern meinte Sauerland noch, dass er nur als amtierender OB über Verantwortung reden könnte und er auch nur so zur Aufklärung der Sachlage beitragen könne. Ein Rücktritt käme nicht in Frage. Und noch heute nachmittag soll er mutmasslich gesagt haben, das mit dem Rücktritt könne man “in die Tonne kloppen.”
    Mir fällt zu diesem abgewichsten zynischen Geschwafel eines christlichen Politikers nix mehr ein.

    Reflektierend auf das Verhalten der Politclique klagte eine Mutter eines Toten im WDR2 heute an:
    Dass sie von der Trauerfeier durch die Medien erfahren habe; man hätte ihr nicht einmal eine Einladung geschickt; und sie wäre nicht die einzige, der es so geschehen sei!
    Aber die Politiker - die sitzen in der ersten Reihe ! ! !

    vox populi - vox Dei

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