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Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 8. Juli 2020

Corona-Informationspolitik für Ältere

Eine Kolumne von Margarete Stokowski

Angela Merkel hat sich bei älteren Menschen dafür bedankt, dass sie so viel Verständnis für die Corona-Maßnahmen haben. Tatsächlich sollte die Politik Senioren besser informieren.

Interessantes Phänomen dieser Zeit: Wenn sich die Politik besonders lieb bei einer Gruppe Menschen bedankt, dann steht es um diese Gruppe wahrscheinlich nicht besonders gut. Entweder hat sie mutmaßlich ein Problem mit Rassismus in den eigenen Reihen (Polizei) – oder ihre Bedürfnisse werden strukturell vernachlässigt: systemrelevante Berufsgruppen, Mütter, alte Menschen.

Um alle Genannten ging es in dieser Kolumne in den vergangenen Monaten schon öfter, nur um alte Menschen noch nicht. Nun hat Angela Merkel sich in ihrem Video-Podcast bei alten Menschen dafür bedankt, dass sie so viel Verständnis für die Maßnahmen in der Corona-Pandemie haben.

Meine Großeltern gucken recht selten Video-Podcasts. Ironischerweise war der Tag, an dem Merkels Podcast erschien, derselbe Tag, an dem meine Oma mir sagte, sie würde gern einen Themenvorschlag für meine Kolumne machen: „Der Ausschluss von alten Menschen vom öffentlichen Leben wegen Corona“.

Merkel sagte in ihrem Video, dass alle mithelfen könnten, „um den Älteren unseren Dank auszudrücken – nämlich, indem sie die grundlegenden Corona-Regeln befolgen: Abstand halten, Hygiene beachten, Atemmaske nutzen“. Das stimmt so weit. Aber es stimmt auch, dass die Politik ihren Umgang mit den Älteren optimieren könnte. Dieses „Danke“ wirkt sonst eher wie ein „Ja, schon klar, dass es euch auch noch gibt, aber wir haben gerade anderes zu tun (Konsum ankurbeln, aber nicht euren)“.

Seit die Corona-Pandemie in Deutschland angekommen ist, frage ich mich, wie ausgereift die Krisenkommunikation des Staates ist – und bisher muss man sagen: nicht so ausgereift. Warum ist es möglich, Wahlbenachrichtigungen an alle zu schicken, aber offenbar schwierig, (mehrsprachige) Infos zu verteilen, dass es eine Pandemie gibt und was nun zu tun ist?

Es ist vielleicht schräg in einem journalistischen Text zu erklären, dass man sich auf Journalismus allein nicht verlassen sollte, aber es ist eben leider auch wahr, dass nicht alle Menschen fähig sind, sich aus den Medien die für sie relevanten Informationen herauszusuchen (und dass alte Menschen mit Migrationshintergrund nicht unbedingt ständig deutsche Nachrichten gucken).

Selbst als man noch wenig über das Virus wusste, wären ein paar seriöse Infos von staatlicher Seite sinnvoll gewesen und besser als das, was stattdessen im Umlauf war: Besonders zu Beginn der Coronakrise gab es in der Ü60-WhatsApp-Welt eine Flut von Fehlinformationen, die durch Gruppennachrichten verbreitet wurden – angebliche Hausmittel gegen das Virus, vermeintlich bald geplante Lockdown-Maßnahmen („übermorgen schließen die Supermärkte“), Verschwörungstheorien – die sicherlich auf weniger fruchtbaren Boden gefallen wären, wenn die staatliche Informationspolitik besser gelaufen wäre.

In Berlin ging irgendwann, als die Pandemie schon eine Weile dauerte, ein Brief des Bürgermeisters „an alle Berliner Haushalte“ heraus, theoretisch. Zumindest in meinem Umfeld haben viele den Brief nicht bekommen, der vielleicht spät kam, aber immerhin ein paar Informationen enthielt, einen mehrsprachigen Verweis auf eine Website und ein paar relevante Telefonnummern.

Quelle         :         Spiegel-online          >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen       :

Obern      —           Satirische spanische Darstellung Ende September 1918: der Soldado de Nápoles liest in der Zeitung vom gutartigen Charakter der Krankheit und gleichzeitig, dass der Platz auf den Friedhöfen ausgeht

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