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Nicht sehr nobel :

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 9. Oktober 2021

Friedensnobelpreis wieder nicht an Assange

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Quelle:    Scharf  —  Links

Von Hannes Sies

Stockholm. Das Komitee zur Verleihung des Friedensnobelpreises verpasst erneut die Chance, den bedeutendsten Enthüllungs-Journalisten des 21.Jahrhunderts zu ehren. Nominierung liegt seit Jahren vor, Gründe zur Verleihung ebenso -in diesem Jahr sogar besonders dringend: Der Wikileaks-Gründer Julian Assange ist immer noch in Folterhaft im „Britischen Guantanamo“ Belmarsh (London) eingekerkert. Die an ihm begangene feige und verbrecherische Folter eines wehrlosen Gefangenen wird zynisch fortgesetzt, trotz Rüge vom UNO-Folterbeauftragten Prof.Nils Melzer. Die philippinische Journalistin Maria Ressa und der russische Journalist Dmitri Muratow werden jetzt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet -das ist bequem: Vor allem Russland, aber auch die Philippinen sind unseren Machteliten Gegner. wenn nicht „Schurkenstaaten“. Dabei kann man in Stockholm in seltenen Einzelfällen auch anders, etwa als man Harold Pinter auszeichnete. Hat Pinters den Westen und die USA kritiserende Nobel-Lektion das Komitee bis heute verschreckt, mutige Entscheidungen zu treffen?

Schweden hätte Wiedergutmachen können

Wenig nobel geht das Nobel-Komitee vor, wenn es statt vor der eigenen Tür des „Freien Westens“ zu kehren, lieber dessen außenpolitische Gegner angreift -durch Verleihung des Preises an deren Dissidenten. Denen ist es sicherlich auch zu gönnen, aber die jubelnden Westmedien, die Julian Assange ein Jahrzehnt mit einer der dreckigsten Hetz- und Hass-Kampagnen in der Geschichte der modernen Propaganda überzogen, sollten jetzt nicht zu lautstark gegen andere bellen. Nach Ansicht von Nils Melzer waren die Westmedien selbst sogar als Täter im Sinne eines public mobbing an der psychischen Folterung des Dissidenten Assange beteiligt. Das schwedische Komitee hätte mit einer Würdigung von Assange auch endlich etwas zur Wiedergutmachung der von der schwedischen Justiz an Julian Assange begangenen Untaten leisten können: Schweden war williger Handlanger der Drahtzieher jener widerwärtigsten aller großen Justizintrigen der Rechtsgeschichte: Julian Assange mit manipulierten Beweisen einen -für neutrale Beobachter von Anfang an dubiosen- „Vergewaltigungsverdacht“ anzuhängen.

Nobelpreis ohne Rückgrat

Von der Mainstream-Medien-Hand, deren anklagender Finger jetzt auf „die anderen“ und ihre Verfehlungen gegen die Dissidenten zeigt, weisen drei Finger auf sie, die Westmedien, zurück. Auf Medien, die es nicht stört, wenn in eigenen Ländern Dissidenten gefoltert und ihre Unterstützer eigekerkert werden, wie der Assange-Unterstützer Craig Murray.

Ebenso auf das Nobel-Komitee, das wieder nicht das Rückgrat hatte, einen West-Dissidenten zu ehren, zumal einen, der aktuell in Not ist und der wirklich genug gelitten hat. Denn auch eine schlichte Aufnahme von Julian Assange in den Kreis der Bepreisten hätte genügt um ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen für die Freilassung des Mannes, der durch die Gründung von Wikileaks die Welt veränderte: Die großflächigen und schwerwiegenden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit der NATO-Staaten z.B.in Irak, Afghanistan, Guantanamo wurden maßgeblich durch Wikileaks enthüllt.

Auch die Enthüllungen Edward Snowdens wurden durch Wikileaks angestoßen und Snowden entkam den FBI- und CIA-Schergen nur mithilfe des Wikileaks-Teams ins rettende Asyl in Moskau. Wir wüssten wenig oder nichts über das Weltweite Netz der Überwachung durch NSA und CIA, hätte Snowden den beiden US-Geheimdiensten nicht aus ethischen Gründen den Rücken gekehrt und ausgepackt. Die Welt wäre eine andere, die Kriegstreiber und Folterknechte des „Freien Westens“ würden weltweit noch ungenierter und ungehemmter rauben, morden, foltern und plündern und ihre willigen Medienvollstrecker würden das als „Globalisierung“ feiern.

Medienschweigen als Propaganda-Methode

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Angst vor den Raubtieren des Staat ?

Unsere „Qualitätsmedien“ würden alles verschweigen, was sie heute nicht ganz verschweigen können, wenn sie sich auch anstrengen: Zuerst und verbissen verschweigen sie die Entlarvung ihrer gegen Julian Assange millionenfach verbreiteten Vergewaltigungslüge als pure Hasspropaganda. Was sie vorher triumphierend bei jeder Erwähnung des Namens von Assange heraus posaunten, „Vergewaltigung!“, mümmelten sie im letzten und diesem Jahr beim Widerruf wenn überhaupt nur vereinzelt (kaum ein Zuschauer hat es mitbekommen), ganz kurz, in kleinsten Lettern hervor. Um schnell zu neuer Propaganda, zu neuen Bezichtigungen und Verleumdungen zu greifen, die Washington und London gegen Assange aufbrachten -und die in zentralen Punkten auch schon wieder als falsch entlarvt wurden.

Der UNO-Jurist Nils Melzer hat es hieb- und stichfest bewiesen: An dem immer wieder behaupteten „Vergewaltigungsverdacht“ gegen den Wikileaksgründer war nichts dran. Es war von Anfang an eine Justizintrige, gesteuert von den Mächten, deren Kriegsverbrechen Assange aufdeckte. Aber bei so einer dreckigen Lüge bleibt immer etwas hängen, bis heute bleibt etwas hängen, wohl auch in den Köpfen des Nobel-Komitees.

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Grafikquellen      :

Oben          —    Buenos Aires, 15 de octubre de 2015 – En el marco de los Foros Cultura Digital, organizado por el Ministerio de Cultura de la Nación, en e Centro Cultural Kirchner, se realizó la Videoconferencia con Julián Assange. Fotos: Romina Santarelli

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