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Neues aus der Schweiz

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 12. Juli 2020

Ueli Maurer stinkt‘s wieder mal

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Quelle       :        INFOsperber CH.

Monique Ryser / 10. Jul 2020 –

App nein, aber Cryptogeld ja. Oberster Personalchef, aber kein Verständnis für Homeoffice.

Häme und Unverständnis prasselten auf Ueli Maurer ein, weil er die Corona-App – «i chume da nid druus» – nicht installiert hat (Samstagsrundschau SRF). Dass er die Swisscovid-App nicht auf seinem Handy will, sei ihm unbenommen, es ist schliesslich freiwillig. Schlimmer, und das wurde in den aufgeregten Kommentaren und Posts nicht gesagt: Ueli Maurer war bis vor kurzem der Schweizer Digitalminister. Das Bundesamt für Informatik ist in seinem Finanzdepartement angesiedelt, Maurer leitet den Steuerungsausschuss zu E-Government, er will die Schweiz als «Zentrum für neue Technologien» positionieren, bei Fintech und Blockchain-Technologie solle die Schweiz immer «zwei Schritte Vorsprung haben» und die Zuger Venture Capital-Firma CV VC AG beschreibt ihn gar als «Blockchain-Enthusiasten» und als «good news für Switzerland … er hat das Charisma zu überzeugen.»

Vor Kurzem hat der Bundesrat nun aber beschlossen, dass sich neu ein Ausschuss von drei Bundesräten mit der «Informatiksteuerung» befassen soll – ist das Zitat «i chume da nid druus» also eine Retourkutsche an seine Regierungskolleginnen und – kollegen, die ihm den inoffiziellen Titel Digitalminister weggenommen haben?

Le conseiller fédéral Ueli Maurer à Nyon.JPG

Der SVP-Bundesrat ist auch oberster Personalchef des Bundes, ist doch das Eidgenössische Personalamt ebenfalls in seinem Departement angesiedelt. Nun sagte er in oben zitiertem Interview auch, er gehe morgens sehr früh ins Büro und abends sehr spät heim und mit Homeoffice könne er sich nicht anfreunden. Konsequenterweise hat er während des Corona-Lockdowns auf Sitzungen verzichtet, wenn man nicht gemeinsam am Tisch sitzen konnte. Und er hat sich laut gefragt, ob man Personen, die zu Hause arbeiten, überhaupt noch brauche. Mitten in der Krise entliess er dann seine vier Referenten, «weil sie keinen Mehrwert bringen», wie der Blick zitierte. Referentinnen und Referenten hat jeder Bundesrat und jede Bundesrätin. Sie bereiten die Bundesratsgeschäfte vor – das können über hundert pro Sitzung sein – sie holen Zusatzinformationen rein, fassen zusammen, schreiben Entscheidungsgrundlagen und sind auf Themen spezialisiert. Oder einfacher gesagt, sie helfen, wenn der Chef «nid druus chunnt». Dass sie keinen «Mehrwert» haben, stellte Ueli Maurer übrigens erst nach geschlagenen viereinhalb Jahren fest. Ob es gute Personalführung ist, vier Leute mit dieser Begründung zu entlassen, kann ihm die Chefin des Personalamtes sicher mal erklären – wenn es ihn denn interessiert. Denn das Problem von Ueli Maurer ist ja vielleicht nicht, dass er «nid druus chunnt», sondern dass er ganz einfach das Interesse am Job verloren hat. Das würde aber heissen, dass auch er keinen Mehrwert mehr bringt.

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Grafikquelle       :

Oben     —Ueli Maurer delivering the opening speech in May 2012 at the 42. St. Gallen Symposium at the University of St. Gallen.

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Unten         —         Ueli Maurer à Nyon, place du Château, le 24 avril 2013. Après une séance „extra muros“ au Musée national de Prangins, le Conseil fédéral au complet est allé saluer la population à Nyon, sur la place du Château.

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