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Missbrauch und „Eliten“

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 11. März 2010

Parteienmissbrauch durch „Eliten“

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cc/Angela_Merkel_porte_de_Brandebourg.JPG

Von Dieter Carstensen, Waldbröl

Liebe Leserinnen und Leser,

lange habe ich überlegt, ob ich mich zum Thema „Missbrauch“ öffentlich äußere! Ich verstehe die Opfer, die jahrelang geschwiegen haben, weil das „Unvorstellbare“ ja nicht wahr sein konnte.
Die sogenannten „Eliten“ des Staates auch noch als perverse sadistische Straftäter, wo sie doch vorgeben, die moralische Instanz des Staates schlechthin zu sein, „im Namen des Glaubens“?
Was macht das mit mir, wenn ich Äusserungen eines Augsburger Bischofs namens Mixa lesen muss, der die Verfehlungen seiner „Kirchenbrüder“ nun den 68’ern zuschiebt?
Was macht dieser Artikel mit mir?

„Missbrauchsopfer “ Er hat sich bedient, ich habe geschwiegen“ Norbert Denef erstritt von der katholischen Kirche 25 000 Euro als Entschädigung für sexuellen Missbrauch. Im Interview erklärt er, warum Opfer oft jahrzehntelang schweigen.
Was macht es mit mir, wenn ich sowas lese?

„Bei den Ermittlungen gehe es um Misshandlung Schutzbefohlener, Freiheitsberaubung und Nötigung autistischer Kinder bei der Stiftungstochter Educon, die Schulen für behinderte und verhaltensauffällige Kinder betreibt.“?

Ich bin Jahrgang 1956,  Sozialarbeiter, durch die ganz harte Schule des Lebens gegangen. Ich kann als BETROFFENER mitreden zum Thema „Die heimliche Perversität unserer sogenannten Eliten“, sowohl aus meiner persönlichen, durchlittenen, eigenen Erfahrung, wie auch aus meinem beruflichen Leben.

Meine Mutter war alleinerziehend, arbeitete seit 1958 als Diätassistentin im Kreiskrankenhaus Waldbröl. Zum Krankenhaus gehörte damals auch ein von evangelischen „Diakonissinnen“ geführtes Kinderheim.

Tagsüber brachte meine Mutter mich dort unter, sie musste ja arbeiten und Kindertagesstätten etc. gab es damals noch nicht.

Über das, was ich als KIND in diesem Heim erlebte, konnte ich erst 2004 erstmals sprechen. All die Jahre davor habe ich geschwiegen, obwohl selber Sozialarbeiter, konnte ich diesen Teil meiner Kindheit nicht offen aussprechen. Ich verstehe (leider) verdammt gut, warum die Missbrauchsopfer so lange geschwiegen haben.

Wir wurden damals erzogen, in dem Sinne, dass die „moralischen Instanzen/Eliten“ wohl das Richtige tun würden. Es war der Geist der 60’er Jahre, der ja wesentlich noch von den Altnazis geprägt wurde, da Deutschland sich ja nie wirklich „entnazifiziert“ hatte, wie die Beispiele Lübke, Globke, Kiesinger, Filbinger und Konsorten bestens belegen!

Mich „kotzt“ es an, wenn kirchliche „Würdenträger“ heute von „Einzelfällen“ reden! Verlogenheit ist scheinbar unendlich steigerungsfähig!

Heiner Geissler hat Recht: „Der CDU-Politiker und  Ex-Jesuitenschüler Heiner Geißler warf der katholischen Kirche eine „verlogene Sexualmoral und Körperfeindlichkeit“ vor.“

In „unserem“ evangelisch geleiteten Kinderheim wurden Kinder bei den geringsten Vergehen mit Berkemann Sandalen von den „christlichen“ Diakonissinnen grün und blau geschlagen, ich hasse seitdem Berkemann Sandalen, im Winter (!) unter die eiskalte Dusche gestellt, bis die Kinder vor Schmerz schrien, wenn die Kinder vor Liebesentzug in’s Bett machten, wurden sie in ihren Exkrementen in das Bett gefesselt, weil sie ja „bockig“ waren.

An mich trauten sich die perversen Sadistinnen „im Namen des Glaubens“ nicht, weil ich ja „nur“ tagsüber im Heim war und meine Mutter, dienstrechtlich, Vorgesetzte dieser Typen war.

In dieser Zeit habe ich gelernt, was Solidarität unter Unterdrückten bedeutet. Wir Kinder MUSSTEN zusammenhalten, gegen diese fiesen, perversen Erwachsenen! Ich habe damals die Kirche und alle ihre Institutionen hassen gelernt und ich hasse diese Leute zeitlebens, da verzeihe ich gar nichts!

Die Kinder bekamen damals 20 Pfennig Taschengeld pro Woche. War viel Geld damals, es gab für 2 Pfennig am Kiosk z.B. eine Brausetüte. Sonntags mussten wir immer zu Vorträgen von evangelischen „Missionaren“ gehen.

10 Pfennig mussten dann von uns Kindern in eine Moorenfigur geworfen werden, die dann mechanisch das Geld einschnurrte. Nichts lag näher, als nur so zu tun, als wenn wir das Geld einschmeissen würden.

Mit der Perversität der erwachsenen Diakonissinnen konnten wir Kinder nicht rechnen! Ich habe es erst als ERWACHSENER begriffen, was da mit uns gemacht wurde, ich musste es all die Jahre verdrängen, um an der erlittenen Boshaftigkeit nicht zu verzweifeln, so sehe ich das heute.

Eine Diakonissin stand dann immer mit Blick auf diese Spendenfigur, notierte sich, wenn einer von uns mogelte, die zehn Pfennig für sich behielt und wenn wir dann in’s Kinderheim zurückkamen, sagten die Diakonissinnen „Der liebe Gott hat uns gesagt, DU hast ihn heute beklaut und die 10 Pfennig gestohlen“ – Und dann gab es Dresche mit den, mit Verlaub, Scheissberkemannsandalen, so schlimm, daß manche Kinder montags nicht mal mehr zur Schule laufen konnten. Sie wurden dann „krank“ gemeldet.

Wir Kinder waren diesen Sadistinnen, so bezeichne ich sie heute, als Erwachsener, hilflos gegenüber ausgeliefert. Meine Mutter bekam das ja mit, versuchte mich zu schützen und meldete mich dann im evangelischen Kindergarten Waldbröl an.

3 Tage war ich da! Dann merkte meine Mutter, daß ich immer verstörter wurde. Was war passiert? Im Kinderheim hatten wir andere Gebete gelernt, als die im Kindergarten gesprochenen.

Die evangelischen „Erzieherinnen“ kamen zu dem Ergebnis, daß ich bockig sei, weil ich „ihre“ Gebete nicht mitsprach und sperrten mich 3 Tage lang immer wieder in einem dunklen Kellerraum ein. Meine Mutter bekam das mit und holte mich ganz schnell aus dem „Kindergarten“ raus!

Damals, als Kind, glaubte ich noch an „den lieben Gott“! Heute bestimmt nicht mehr und ich glaube erst recht nicht mehr diesen selbsternannten „Eliten“ im Namen des Glaubens, die uns Kindern all diese sadistischen Boshaftigkeiten angetan haben!

NEIN, Herr Bischof Mixa aus Augsburg, es waren keine EINZELFÄLLE bei den Katholen und Evangolen! Es war System, ICH habe es erlebt! Als „moralische“ Instanz sind für mich die Kirchen, mit ihrer jahrtausendelangen Unterdrückungs- und Ermordungsgeschichte Andersdenkender, soviel wert wie ein Stück Scheisshauspapier!

„Inkompetente ziehen nicht nur irrige Schlüsse, ihre Unfähigkeit beraubt sie auch der Möglichkeit, dies überhaupt wahrzunehmen.“ – J. Kruger, D. Dunning (Sozialpsychologen)

Und wenn sich dieser Staat auf das „Christentum“ als Grundlage seines Seins beruft, beruft er sich, auf eine historisch nachweisbare Bande von Verbrechern, Mördern und Lügnern im Namen des Glaubens und hat damit selbst jede moralische Legitimität verloren. DARUM geht es in der Substanz bei der aktuellen Missbrauchsdebatte wirklich!

Ich halte es da mit Udo Lindenberg und seinem Titel „Interview mit Gott“: „Seid immer noch die alten Idioten, klebt an Kirche und Religion, mit Millionen und Millonen von Toten.“

Mit sehr unchristlichen Grüssen,

Dieter Carstensen

Chapeau ! Dieter

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Fotoquelle : OlevyEigenes Werk

Angela Merkel vor dem Brandenburger Tor

 

2 Kommentare zu “Missbrauch und „Eliten“”

  1. Erika Samson sagt:

    Hallo DL

    Diese Vorkommnisse lassen einige Schlussfolgerungen zu.
    Eine Kirche ( nicht zu verwechseln mit Religion ) die nicht die Schwächsten schützt hat ihre besondere Stellung verwirkt. Das heisst konsequent die Abschaffung des Kirchenrechts. Als Bürger und Institution in Deutschland haben sie sich wie alle Anderen der staatlichen Gesetzgebung zu unterwerfen. Aber auch aus der Sicht der Mitarbeiter/innen ist es an der Zeit das diese die gleiche Rechte (Bertriebsverfassungsgesetz ) wie alle Arbeitnehmer/innen zu gestanden bekommen.
    Dazu gehört meiner Meinung aber ebenso die gänzliche Abschaffung der Verjährungsfristen für Verbrechen ( und nicht anderes ist Missbrauch ) abgeschafft.
    Wir als Gesellschaft müssen den Opfern endlich die Sicherheit geben, dass sie sich öffnen und mitteilen können ohne Angst. Wer schon einmal Ereignisse wie z.b. Selbstmord, Alkoholmissbrauch oder HIV durchlitten hat weis was es bedeutet an die Öffentlichkeit zu gehen.
    Über die kirchliche Veränderung wie z.b Zöllibat will ich hier erst garnicht eingehen.

  2. Günter Obermeier sagt:

    Zitat:
    Spricht der König zum Bischof:
    „Halte du dumm, ich halte sie arm.“
    Angesichts der Vorkommnisse in der Kirche und dem Handeln des Staates kann man dieses leider nicht mehr als Witz verstehen.
    Denn wie ist die wahre Situation?
    Der Staat erklärt: Wir brauchen den mündigen Bürger. Aber bei allzu kritischen Nachfragen wird dann auf alle möglichen Gesetze verwiesen ( BGB, HGB, Aktien, u.GmbH-recht ) um sich um die Antworten zu drücken.
    Und die Kirche?
    Sie lässt die Messen in Latein lesen und verlangt den kritiklosen und hörigen Glaubensanhänger. Sie droht bei jeder Gelegenheit mit Ex- Kommunizierung und dem Ausschluss von Kirchenämtern oder Funktionen. Und sie hält dazu trotz Mitgliedschaft bei jeder Gelegenheit ( Hochzeiten, Beerdigungen, Taufen ) die Hand auf. Gleichzeitig kassiert sie vom Staat Beihilfen für Kindergärten, Kirchenrenovierungen.
    Der Staat schafft Steuergesetzgebung die selbst Steuerberater mitunter nicht verstehen, macht Gewinn durch den Kirchensteuereinzug und verschafft sich so finanzielle Vorteile gegenüber dem Bürger.
    Außerdem sorgt der Staat durch seine Gesetze für eine Zweiklassengesellschaft.
    Die „normalen Bürger“ dürfen sich im Schutze des Betriebsverfassungsgesetz relativ sicher fühlen.
    Der Kirche wird zugestanden selbst die Kriterien für die Einstellung und Beschäftigung von Mitarbeiten festzulegen. Gleichzeitig wird aber zur Finanzierung ihrer Arbeitsplätze wiederum die Hand beim Staat aufgehalten. Wie gesagt alles ganz legal.
    Bei sachlicher Betrachtung müsste man eigentlich zu dem Schluss gelangen das hier Schizophrenie im Spiel ist. Tatsache ist aber, das ist real.
    Leider wir das alles von viel zu wenigen so war genommen. Das andere Fatale daran ist: Diejenigen die solches Gehabe anprangern werden niedergemacht weil sie sich in der Minderheit befinden. Und obwohl sie durch Demokratie und Meinungsfreiheit geschützt, werden sie aus gegrenzt.
    Das wahrscheinlich blödsinnigste daran ist, die gleichen Bürger schimpfen über die nicht vorhandene Trennung von Staat und Kirche in der islamischen Welt.
    Wie gesagt: Irgendwie Schizophren.
    Das zeigt das in unserem Staat immer noch zu viel Staatshörigkeit verankert ist. Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das auch so gewollt ist.

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