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# MeToo – Bewegung

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 6. Oktober 2021

Es hat in Deutschland noch gar nicht geknallt

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Eine Kolumne von Margarete Stokowski

Mit Worten ist es im Feminismus nicht getan, es braucht Handlungen und Konsequenzen. Fälle wie der des Comedians Luke Mockridge zeigen: In Deutschland hat #MeToo faktisch nicht viel geändert.

Ist es nicht komisch? Es gibt lauter Dinge, die man angeblich »seit #MeToo« nicht mehr tun oder sagen darf, es gab Rückblicke mit Titeln wie »Ein Jahr / zwei Jahre / drei Jahre nach #MeToo«. Das Ding ist: In Deutschland hat sich seitdem faktisch nicht viel geändert. Außer dass immer wieder darauf verwiesen wird, dass seitdem ja alles irgendwie anders ist. Aber – was genau? Könnten Sie zehn berühmte Männer in Deutschland nennen, die wegen Fällen von Belästigung oder Vergewaltigung seitdem ihren Job verloren haben, öffentlich gecancelt wurden, richtig tief gefallen sind? Ich auch nicht. Ich würde aber gern.

Heute ist es genau vier Jahre her, dass in der »New York Times« ein Artikel erschien, in dem es um die Verbrechen von Harvey Weinstein ging. Zehn Tage später rief die Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter dazu auf, »me too« unter ihren Tweet zu schreiben, wenn man sexuelle Übergriffe erlebt hatte. Ohne Frage ist daraus eine Debatte, vielleicht eine Bewegung entstanden. Aber nur weil dieses »me too« seit 2017 in vielen Ländern Wellen geschlagen hat und immer noch eine Formulierung ist, die verwendet wird, sollte man sich nicht ablenken lassen: In Deutschland sind wir seitdem kaum einen Schritt weitergekommen.

Damit möchte ich nicht die Erfolge kleinreden, die es bisher gab, im Gegenteil: Es hat überhaupt noch nicht richtig geknallt. Alle wissen, was #MeToo ist, aber Tätern geht der Arsch noch nicht genug auf Grundeis. Täter fühlen sich immer noch zu sicher, und Opfer haben oft noch zu viel Angst zu sprechen. Weinstein wurde verurteilt, kürzlich auch R. Kelly – und in Deutschland? Wer im Moment besonders aufpassen muss, sind nicht mächtige Männer, die in der Vergangenheit gewalttätig waren, sondern diejenigen, die darüber sprechen.

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Grafikquelle :

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