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Metaphern in der Pandemie

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 15. August 2020

Erste Welle, zweite Welle, Dauerwelle

Tsunami 26-12-2004 - Uppodai, Batticaloa.JPG

Tsunami 26-12-2004

So ist das mit unseren Politiker-Innen welche die harten Realitäten des Lebens nur aus der Sicherheit ihrer belegten Bunkerplätze beurteilen können. Sich selber in ein Risiko stürzen, nein – das würde ja eventuell die Rente kosten, welche sie sich durch die Leistungsbereitschaft ihrer naiven Wähler zu geschachert haben.

Von Julia Koch

Liebe Leserin, lieber Leser,

fürchten Sie auch die zweite Welle? Die Zahl der mit Sars-Cov2 infizierten Menschen in Deutschland steigt wieder, die mühsam erzielten Erfolge im Kampf gegen das Virus stehen auf dem Spiel. Doch sind es tatsächlich Wellen, die unaufhaltsam über uns hinweg schwappen? In der Bewertung der Lage zeigt sich immer wieder, das offenbar jeder etwas anderes unter diesem Bild versteht. Für die einen ist die zweite Welle längst da, für andere gab es niemals eine erste, manche sprechen von stetigem Wellengang mit Höhen und Tiefen. Die Linguistin Elena Semino von der britischen Universität Lancaster wirbt für eine andere Metapher.

Der Wald brennt, und wir alle sind die Bäume. Die ­Funken springen von Baum zu Baum. Und je stärker der Wind, desto schneller steht der Forst in Flammen. So beschreibt einer der Artikel, die die Linguistin Elena Semino für ihre Analyse ausgewertet hat, die Aus­breitung der Corona-Pandemie. Die Windstärke steht dabei für die Reproduktionszahl, die Funken sind die Viren, die von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Semino ist Expertin für Metaphern, sie hat deren Macht unter anderem in Bezug auf Krebserkrankungen analysiert. Mit Feuerbildern, so das Ergebnis ihrer neuen Untersuchung, lasse sich die Bedrohung durch die Pandemie am besten veranschaulichen – sie funktionieren in vielen Sprachen. Feuermetaphern gehören „zweifellos zu den nützlichsten sprachlichen Werkzeugen, die uns zur Verfügung stehen“, schreibt die Wissenschaftlerin. Unter einem Waldbrand könne sich jeder etwas vorstellen, auch ohne selbst schon einmal einen erlebt zu haben.

Die vielfach bemühte Meeresmetaphorik ist zwar ähnlich eingängig, stößt aber schnell an ihre Grenzen. Feuer ist vielseitiger: Wie ein Brand verläuft die Seuche in Phasen, mal flammt sie auf, mal lodert sie nur noch, mal taucht sie, schon besiegt geglaubt, in kleinen Glutnestern wieder auf. Abstand und Quarantäne wiederum entziehen dem Feuer die Nahrung, Masken bremsen die Viren, die von Menschen ausgeatmet werden und wie Funken neue Feuer entfachen. Und so wie eine Holzhütte schneller Opfer von Flammen werden kann als ein massiv gebautes Haus, so trifft auch die Pandemie die Armen härter als die Reichen.

Noch etwas, finde ich, macht die Feuer­bilder überlegen: Während Wellen immerfort an die Küsten schwappen, ist jeder Brand auch irgendwann gelöscht. Bis dahin gilt es, die vielen kleinen Feuer in Schach zu halten. Bleiben Sie gesund.

Herzlich

Ihre Julia Koch

Quelle        :          Spiegel-online          >>>>>        weiterlesen

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