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Das Kommando Umvolkung

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 19. Dezember 2018

Geostrategische Planspiele am grünen Tisch

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Von Mark-Stefan Tietze

Glassplitter, Gesprächsfetzen und geostrategische Planspiele am grünen Tisch – eine Stippvisite bei Angela Merkel im Kanzleramt.

Was macht eigentlich Angela Merkel gerade? Seit sie ihren Posten als CDU-Vorsitzende an den Nagel gehängt hat, ist es still geworden um die große alte Dame der deutschen Nachkriegspolitik – verdächtig still. Was die meisten nämlich vergessen: Merkel ist hinter den Kulissen immer noch Kanzlerin! Nach wie vor zieht sie verdeckt die Strippen, hat weiterhin alle Macht über das Land und missbraucht diese vermutlich mit größter Freude, um dem deutschen Volk zu schaden oder sogar den Todesdolchstoß zu versetzen.

Doch was macht Merkel augenblicklich konkret? Wir wollen es genau wissen. Unser Reportageteam packt blitzschnell alles Notwendige ein und braust zum Kanzleramt. Da einer der Kollegen eine Ausbildung beim Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr genossen hat, können wir uns eine Terminvereinbarung sparen. So gelangen wir eine Viertelstunde später über den schmalen Balkon im siebten Stock in Merkels geräumiges Büro, rollen die Strickleitern ein und schütteln die Glassplitter von unseren Schultern.

Was macht nun Merkel an ihrem kleinen Schreibtisch? In diesem Moment jedenfalls keinen Hehl aus ihrer Fassungslosigkeit. Anklagend deutet sie auf die geborstene Scheibe, hinter der sich das grandiose Panorama des Reichstagsgeländes entfaltet. Innerhalb von Sekunden fängt sie sich zwar wieder und greift zum Handy, das wir ihr jedoch sanft entwinden können, ehe sie damit die Sicherheitskräfte alarmiert. Allein ihr Vorsatz deutet für uns allerdings darauf hin, dass sie etwas zu verbergen hat.

Beklommene Gesprächsatmosphäre

„Keine Sorge, wir haben nur ein paar Fragen“, erklären wir, während wir unser Aufnahmegerät auspacken. „Wir sind Journalisten, und obwohl wir Sie und Ihr System hassen, garantieren wir für Ihre körperliche Unversehrtheit, jedenfalls heute. Aber bitte antworten Sie ehrlich.“ Im Nu entspannt sich die kleine Frau im Hosenanzug ein wenig. Sie scheint sogar zu ihrem berühmten trockenen Humor zurückzufinden, als sie aufsteht und ihrerseits erklärt, dass sie sich über diese Zusicherung sehr freue und im Übrigen eine ähnlich merkwürdige, ja geradezu beklommene Gesprächsatmosphäre nur allzu gut kenne, nämlich von Meetings mit Präsident Trump.

In solch einer kritischen Situation ist Offenheit oft das Beste, sodass wir unverzüglich unsere erste Frage stellen: „Frau Kanzlerin, was machen Sie gerade eigentlich?“ Statt einer aufrichtigen Auskunft, wie man sie von einer deutschen Regierungschefin erwarten könnte, deckt uns Merkel mit ihrem üblichen Redeschwall ein. Es geht um Verantwortung, ein Telefonat mit Macron, den Brexit, den Länderfinanzausgleich und dergleichen mehr – wir hören schon gar nicht mehr hin.

"Tempo machen beim Kohleausstieg!" Demonstration Berlin 01-12-2018 04.jpg

Dafür können wir allerdings um so besser beobachten, wie sich Merkel beinahe unmerklich bewegt. Wie sie sich Zentimeter für Zentimeter zwischen uns und etwas anderes zu schieben versucht. Es hat ganz den Anschein, als stelle sie sich schützend vor den großen Zweitschreibtisch, den sie bekanntlich nicht so gern nutzt: der vier Meter breite Trumm unter dem hässlichen Adenauer-Gemälde von Kokoschka. Sie möchte wohl nicht, dass wir die riesige Weltkarte sehen, die dort ausgebreitet liegt – mitsamt den vielen Dutzend verschiedenfarbigen Holzfigürchen, die darauf, nach Ländern und Kontinenten gruppiert, herumstehen!

Quelle    :    TAZ           >>>>>          weiterlesen

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