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Mein Nikolajewka

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 16. Mai 2015

Zwischen der Ukraine und Russland, zwischen Krieg und Frieden, zwischen ihrer Kindheit und dem Danach, versuchen Jugendliche im Osten Europas mit dem Leben dort fertig zu werden – indem sie es auf die Bühne bringen.

AUS NIKOLAJEWKA UND SLAWJANSK DANIEL SCHULZ

Während einer frostigen Woche im April, etwa hundert Kilometer hinter der Front, bastelt sich Viktoria Gorodynska den Mann, der ihr das Herz brechen wird. Sie schneidet seine Silhouette aus Pappe aus, sie wickelt mit Klebeband einen weißen Plastikstiel daran. Gorodynska, die 13 Jahre alt ist und deren rotes Haar hell leuchtet, sie wird die Geschichte erzählen, wie ihr Freund sie verlassen hat, weil er glaubt, sie stünde auf der falschen Seite.

Wie immer weckt sie an diesem Donnerstagmorgen das Vibrieren ihres Handys, sie liegt auf der roten Schlafcouch in ihrem Zimmer. Von der Wand grinst eine Stoffblume ein Smileylächeln. Heute wird sie wieder den Deutschen sehen, den Regisseur. Sie freut sich darauf.

In der Schule werden sie ein Theaterstück aufführen. Es soll davon handeln, wie Nikolajewka, ihre Stadt, erst von Separatisten besetzt, dann von der ukrainischen Armee zurückerobert wurde. Das Stück soll zeigen, wie sie alle damit fertig werden, was hier im Sommer 2014 geschah.

Eine Woche haben sie Zeit herauszufinden, was genau sie machen wollen. Von Donnerstag bis Donnerstag, bis zur Aufführung. Eine Woche, um sich ein Stück auszudenken und es einzuüben.
Viktoria Gorodynska wird eine Geschichte über ihre Liebe zu Russland erzählen und zu einem Jungen aus der 11. Klasse, der sagt, er sei für die Russen. Es ist die Geschichte eines Armbandes, das sie ihm genäht hat. Ein Armband in Weiß-Blau-Rot, den Farben der russischen Flagge.

Keine einfache Geschichte in dieser Stadt, die mehrere Monate von den Soldaten aus der Donezker Volksrepublik besetzt war. Russische Soldaten, wie viele in Nikolajewka sagen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber MOs810

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