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MARIENBORN – Die Mauer

Erstellt von UP. am Sonntag 30. Oktober 2011

Ein Besuch in der DDR zu Zeiten der Mauer

SowjetischerCheckpoint Marienborn 1 (G. Mach).jpg

Ein Jahr vor der sogenannten Wende reiste ich mit meiner Familie in die DDR ein. Anlass war die „Jugenweihe“ der Tochter von der Cousine meiner Frau. Eingereist sind wir über den Grenzkontrollpunkt Marienborn (GÜST Marienborn [3] ).

1987 – beklemmend klaustrophobisch war der Weg zum ersten Grenzenhäuschen in einer durch hohe Mauern links und rechts begrenzte Zufahrtsstrasse, die mit zwei Türmen – wie aus einem Schachspiel – ihren Anfang nahm.
Geld – das berühmte „Eintrittsgeld“ in den „Arbeiter- und Bauernstaat“ – und Pässe wurden uns abgenommen, die auf einem langen Transportband weiter nach vorn tranportiert wurden, um Zeit zu gewinnen, die Einreisenden zu observieren und mit „Fandungslisten“ zu vergleichen.
Nie werde ich die Angehörige der STASI [1] vergessen, die, aufgemotzt wie ein Pfau und mit einem Dekollté bis zum Bauchnabel, von diesem ersten Häuschen Richtung Kontrollpunkt entlang flanierte, in der rechten Hand eine DM-Geldscheinrolle, mit Werten quer durch den Garten, die ca. einen Durchmesser von 10 cm aufwies.

Gestern habe ich zum zweiten Mal dieser Gedenkstätte einen kurzen Besuch abgestattet. Immer noch bedrückend war für mich der Moment dieses Besuches im Zusammenhang mit der Erinnerung an den damaligen Grenzübertritt. Leider ist durch sogenannten „Vandalismus“ einiges zerstört worden, als ‚Marienborn‘ sich noch nicht als Gedenkstätte in den Köpfen der Menschen etabliert hatte, und die Zerstörung aus der Ablehnung des Systems „DDR“ resultierte. Wesentliche Teile wie die Zufahrt mit diesen zwei Türmen wurden bereits zu früherer Zeit abgebrochen. Allerdings hatten die wenigsten DDR-Bürger mit Marienborn etwas zu tun; denn dieser Kontrollpunkt nervte mehr die Menschen, die in die DDR ein- und ausreisten, also bundesdeutsche Deutsche.

Unter anderem besuchte ich bei diesem zweiten Besuch nach 1990 die Dauerausstellung, die durch Hinweistafeln und Fotografien Aufschluss über die Verfahrensweise der Kontrolle gibt. Weiter Inhalt der Ausstellung sind konfizierte „Schmuggelwaren“, Gebrauchsgegenstände, Kleidung, Uniformen und als besonderes Kleinod ein gut gepflegtes MZ-Motorrad.

In den Büros der Personen-Sonderkontrollen findet man noch Utensilien des dienstlichen Betriebes und natürlich das obligatorische Bild von Erich. Ein paar wenige Foto [2] habe ich gemacht. Sie geben allerdings nur den heutigen tristen Eindruck der verlassenen Grenzanlage wider. Allerdings manifestieren sie erneut auch den Perfektionismus, in dem die Deutschen Meister zu sein scheinen.

Wenn die JUNGE WELT dann Dankesschreiben für 28 Jahre Mauer verfasst, kann ich das beim besten Willen nicht nachvollziehen. Und einigen Mitgliedern der Partei Die Linke sollte man zu Pflicht machen, diese Anlage monatlich zu besuchen, bis sie verifiziert haben, wie das menschenverachtende System „DDR“ an dieser Stelle funktioniert hat.

Mir reichten die Erlebnisse bei der Einreise als Bundesbürger in 1987, die gestern erneut auflebten. Ich kann daher nicht nachvollziehen, dass Teile der Partei im Westen sich durch schändliches Verhalten dem berechtigten Vorwurf des „Neo-Stalinismus“ aussetzen oder dass bei Sitzungen von Westdeutschen die „DDR-Hymne“ abgespielt wird.
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[1] Übrigens wurden in den letzten Jahren die Kontrollen vom MfS – also der STASI – direkt durchgeführt. Damit das nicht zu sehr auffiel, trugen sie die Uniformen der normalen DDR-Grenzer. Die Personendaten wurden direkt mit einem Rechner in Berlin abgeglichen – höchstwahrscheinlich mit einem C64 als Eingabegerät .

[2] paar Bilder… – als Powerpoint PPS; auch OO öffnet die Datei.

[3] Marienborn aus der Luft vor der Wende

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Grafikquelle    :   Sowjetischer Autobahnkontrollpunkt Marienborn im Mai 1990

5 Kommentare zu “MARIENBORN – Die Mauer”

  1. Thomas A. Bolle sagt:

    Ich habe die ehemalige DDR nie besucht. Es war immer schon in frühster Kindheit mein Traum, von beiden Seiten durch das Brandenburger Tor zu gehen, ohne Eintritt bezahlen zu müssen.
    Die funktionierende Grenze habe ich 1977 bei Hof im bayrischen Wald gesehen.
    Als ich meinen Traum verwirklichen konnte, war ich auch bei Marienborn. Es war eine beklemmende Atmosphäre.

    Die Mauer:
    Sie war zur Abzocke, um an Devisen zu kommen.
    Sie war die Grenze zu einem Gefängnis.
    Sie war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
    Sie war das Alibi, um möglichst viele Bürger (Kampfgruppen) unter Waffen halten zu können.

    Für dieses „Bauwerk“ gab es nie und wird es nie eine Rechtfertigung geben!

  2. Analytiker sagt:

    …zu dem letzten Absatz passt der Artikel von Horst Blume; denn die ‚junge Welt‘ war (ist noch?) die Hauspostille der Linken.

    Absurd: 22 Jahre nach dem Fall der Mauer wird unter Linken diskutiert, ob sie legitim war.

    Mit ihrer „Danke“-Titelseite zum 50. Jahrestag des Mauerbaus hat die marxistische Tageszeitung „junge Welt“ (jW) deutlich das Gesicht gezeigt, das sie schon immer hatte.
    Unter dem Foto bewaffneter DDR-Kampfgruppenangehöriger vor dem Brandenburger Tor druckte das Blatt sein ganz spezielles Dankeschön unter anderem für „28 Jahre Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe“. (1) Hohenschönhausen ist nicht nur irgendein beliebiger Stadtbezirk von Berlin, sondern war von 1951 bis 1989 das zentrale Gefängnis der Stasi, in dem auch physisch gefoltert und die Häftlinge psychologisch zermürbt wurden.

    Den Artikel von Horst Blume lesen? Hier gehts weiter!

    Horst Blume (geb. 1954) ist seit 1976 in einer Bürgerinitiative gegen den THTR *) aktiv und gibt seit 20 Jahren den THTR-Rundbrief (http://www.thtr-a.de) heraus.

    *)THTR >>> http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_THTR-300

  3. Kamenzer sagt:

    Kann mir die Gefühle gut vorstellen, die man durchlebt, wenn man solch eine Grenze überschreiten musste.
    Wir kamen ja gar nicht erst raus. Später durften einige wenige treue DDR Bürger in den Westen zu Verwandten auf Einladung fahren. In das Sperrgebiet zur Westgrenze durfte man nur mit Sondergenehmigung. Die da wohnten und arbeiteten waren schön abgeschnitten vom übrigen Teil der DDR.
    Schlimme Sache für alle.

    Was mich nur stört an der gesamte Diskussion über die Mauer ist fogendes: Man muss heute nach 22 Jahren beide Seiten betrachten. Meine Generation wurde nach dem Mauerbau gross. Geschichtlich hätten wir in dieser Zeit nichts tun können. Die Mauer wurde dem deutschen Volke aufgezwungen durch die Geschichte.
    Walther Ulbricht: „Wir haben nicht vor, eine Mauer zu bauen.“

    Heute wird ja die Mauer in den Köpfen noch grösser gebaut. Das ist das Problem. Anstelle die absolute Realität aufzuarbeiten, werden immer wieder nur Bruchstücke aufgegriffen, die man dann ausschlachten kann – siehe Medien.
    Die DDR war ein gescheiterter Versuch, wie man den Sozialismus nicht leben sollte, aber von einigen Dingen sollte man lernen, oder sie gar übernehmen.

    Meine Freunde und ich, wir haben es satt, nach so langer Zeit immer wieder und wieder als „Ossis“ (meine das negativ) abgestempelt zu werden, die nichts können, nichts bringen, nichts sind, nichts waren..usw.

    Wenn eine Linke Partei von Sozialismus döst, die Mauer rechtfertigt, dem Fidel juchheit, dann hat sie nichts gelernt. Dann ist der Beton immer noch in einigen Köpfen.

    Wenn die Menschheit in Deutschland endlich beginnt, Fakten zu bearbeiten und die Demokratie zum Wohle des Volkes und nicht des Kapitals in einig Vaterland weiter zu entwickeln, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

    Die „Junge Welt“ ist für mich nicht lesbar. Da ist mir jeder Cent und meine Zeit zu schade. Sie war eines der Sprachrohre der SED und das war einmal.

    Lieber Thomas A.Bolle,

    sprich mit den Bürgern aus dem Ostdeutschland. Fahr rüber und schau die alles an.

    Ich kann über ein Abspielen der DDR- Natonalhymne nur lachen, denn die alten „Stalinisten“ sind out ,outer gehts nicht mehr.
    Die kennen wir von früher. Seid froh, dass ihr sie nicht in verschärfter Form life erlebt habt, wenn sie drohten, wenn sie erpressten, wenn sie logen, wenn sie Rufmord trieben, Falschinformationen streuten über dich.
    Wenn dieser Haß in einem immer wieder an die Oberfläche käme, dann würde man krank.

    Zum „krank werden“ ist aber auch, dass die gleichen Dinge in der Linken geschehen. Das sind aber nicht nur die alten Stalinisten, aber darüber hat DL ja berichtet.

    Was nun, drüber diskutieren prima. Nie wieder eine solche Grenze durch unser Land. Und weg mit der Mauer in den Köpfen.
    Dies kann man nur durch Wissen erreichen!

  4. Thomas A. Bolle sagt:

    Lieber Kamenzer
    Mein früherer Schwiegervater ist vor dem Mauerbau geflohen.
    Meine frühere Schwiegermutter ist Kind von Vertriebenen.
    Meine eigenen Großeltern mütterlicherseits stammen aus dem Erzgebirge.
    Die Nachbarn meiner Eltern haben Verwandschaft
    im „Osten“.
    Die Nachbarn meiner ehemaligen Schwiegereltern haben Verwandschaft im „Osten“.
    Ich war 1974 in Rumänien am schwarzen Meer. Und ich bin nicht nur am Strand spazieren gegangen.
    Ich war nach dem Mauerfall in Wernigerrode und Berlin ( West und Ost )
    Ich habe jahrelang mit verschiedenen Nationalitäten auf einer Schachtanlage zusammen gearbeitet.
    Meine jetzige Frau hat Vorfahren von Sizilien über die Schweiz bis Polen.
    Meine Tochter hat einen Mann mit polnischer Abstammung.
    Mein Name stammt aus dem französischen, habe ein bischen Familiengeschichte betrieben.
    Du siehst, meine eigene Lebensgeschichtegeschichte ist nicht unwesentlich mit Erfahrungen gespickt.
    Mir braucht niemand etwas über zusammenleben, arbeiten oder respektieren anderer Menschen und Kulturen erzählen.
    Ich hoffe ich habe niemanden auf den Schlips getreten.

  5. Kamenzer sagt:

    @ Thomas A. Bolle

    Dann bin ich froh, dass es Menschen gibt, die es für normal und richtig finden, dass viele Kulturen zusammenleben.

    Ich habe in meinem Schreiben auch nur mal die Gefühle zum Ausdruck gebracht, die in einem Ostdeutschen schlummern, wenn es um das Thema Mauer geht. Vieles rührt vom Erleben und ist noch nie so ausgesprochen worden.
    Da immer einseitig berichtet wird, muß man ja mal auf den Putz hauen :-).

    Mir hast Du nicht auf den Schlips getreten, keinesfalls.

    Es ist mir nur immer so enorm wichtig, dass man sich in Ost und West austauscht über das, was wirklich passiert ist. Nur so kann man den Weg für eine gesunde Gesellschaft finden. Jeder Einzelne hat auf seine Weise viel erlebt und es gibt so interessante Geschichten. Was ich an Deiner wieder sehe.
    Da ja in der heutigen Gesellschaft das Zuhören abgeschafft wird, dann brauchen wir uns nicht wundern, dass selbst in einer linken Partei solche Auswüchse, die wir kennen, entstehen.
    Der Respekt von Süd nach Nord, von Ost nach West ist der Motor einer Gesellschaft. Wenn man den Ölwechsel vergisst, dann kracht es gewaltig.
    Unsere Lebensgeschichten, unsere Erfahrungen können wir nur weiter geben, wie unsere Eltern es hielten.

    Wie war das: „Es wächst zusammen, was zusammengehört.“ Wann nur? Das kann keiner beantworten. Aber wir können einen kleinen, klitzekleinen Beitrag leisten.

    Dies sind nur meine Gedanken. Denke mal, dass es da zwischen Ost und West keinen Unterschied gibt.
    Entweder ich bin Raffke und will Knete um jeden Preis, oder ich bin das Volk und will eine funktionierende demokratische Gesellschaft, auf alle Fälle keine Mauer aus Beton durch das Land und irgendwelche Schergen, die sich pudelwichtig machen und nichts aber auch gar nichts begreifen. (Die gab es schon immer).

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