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Leben mit Hartz IV.

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 31. Juli 2010

Leben mit Hartz4 – Ich will nicht länger so leben.

Datei:Infografik-hartz-iv-regelbedarf-hoehe.jpg

Dieser verzweifelte Bericht eines Hartz 4 Empfänger erreichte mich heute morgen. Ich kann mir vorstellen, dass er für viele interessant, lesens- und nachdenkenswert ist.
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Gehört ein Erfahrungsbericht hierhin ?

Doch wen interessiert es – wem kann ich erzählen, wie es mir damit geht und wo treffe ich auf wohlwollendes Verständnis, echte Anteilnahme und konstruktive zielführende Hinweise?

Leider kann ich meine 3-köpfige Bedarfsgmeinschaft noch nicht vollständig mit dem über Wasser halten, was ich als Freiberufler verdiene und bin auf ergänzende Leistungen aus Hartz4 angewiesen. Einen festen Job zu finden, mit inzwischen mehr als 50 Lebensjahren, der uns rausholt, ist nicht gerade einfach.

Ich kämpfe – aber die Situation wird immer unerträglicher und die Hoffung schwindet.

Zur Zeit stehe ich wie schon im vergangenen Jahr wegen dem Ablauf des Bewilligungszeitraums zum 30. Juni wieder mit dem Rücken zur Wand. Die letzte Zahlung habe ich Ende Mai erhalten – meinen Weiterbewilligungsantrag habe ich im Juni gestellt – immerhin habe ich heute einen Mitarbeiter beim Jobcenter telefonisch erreicht – der teilte mir freundlich mit, dass auch für Ende Juli keine Zahlung angewiesen sei – warum könne er aber aktuell nicht sehen.

Hätte ich nicht finanzielle Unterstützung – ein Darlehen zur Überbrückung – von einem guten Menschen erhalten – wäre mein kleines aufstrebendes Unternehmen, sowieso schon längst den Bach runter gegangen – entspannt und selbstbewusst Arbeiten kann ich in der gegenwärtigen Situation aber nicht – sondern bin blockiert inzwischen sogar körperlich und so nur noch eingeschränkt handlungsfähig.

Wahrscheinlich mache ich etwas falsch – bin ungeschickt beim Umgang mit den Ämtern – „angepasst“ gehört bisher nicht zu den von mir angestrebten Eigenschaften – aber lern -willig und -fähig bin ich und auch bereit mein Verhalten an Stellen zu ändern, wo es mehr  im Wege steht, als zu nutzen.

Wo gibt es Rat und sogar einen engagierten Anwalt für Arme und Entrechtete ohne Lobby?

Über eine Reaktion freue ich mich, vielleicht gibt es eine Stelle, die  Menschen in meiner Lage ansteuern können, um sich zumindest emotional  ein Stück weit entlasten zu können, ohne einen Aufenthalt in einer psychiatrischen  Anstalt zu riskieren?

Wenn mein Beitrag unpassend erscheint, so bitte ich einfach nur um eine entsprechende Meldung, die in der Formulierung offen und ehrlich ist, aber hoffentlich nicht gleich komplett nieder macht – dann kann er im Papierkorb verschwinden. Für eine Veröffentlichung in der Gruppe eignet er sich wohl eh nicht, aber zumindest wage ich zu hoffen, dass ich eine menschliche Reaktion erhalte.

„Sprich nur ein Wort – so wird  meine Seele gesund“ – bitte ich den heiligen Geist, in seiner Dreifaltigkeit auch als Gott bezeichnet – der Du bist im Himmel – unser tägliches Brot gib uns heute und vergib unsere Schuld – Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit – Amen!

Das sind noch ein paar Brocken von Gebeten, die mir als Kind im katholischen Haushalt geläufig waren.

Aus der Kirche bin ich schon lange ausgetreten – aber weiterhin fest im Glauben an eine höhere Gerechtigkeit und das Paradies im Himmel, Universum auf Erden oder im eigenen Innern zu finden.

Mit freundlichen Grüßen und Dank für die Aufmerksamkeit

M oraLabora

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Grafikquelle: Infografik zum Hartz 4 Regelsatz 2016

Diese Datei ist lizenziert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“.
Urheber Kevin Braatz / Eigenes Werk

2 Kommentare zu “Leben mit Hartz IV.”

  1. Penelo Ach sagt:

    ich kenn die situation, in der du dich befindest leider nur zu gut. ich selbst war hartz IV empfänger und kann nicht grad von begeisterung des arbeitsamtes reden… ich hab denen das leben schwer gemacht, blieb mir leider nichts anderes übrig… du musst die Bearbeiter/in nerven. hingehen und/oder anrufen und immer wieder fragen. gibt es bei euch nicht eine andere Anlaufstelle die helfen könnten? Ausser dem Arbeitsamt…

  2. M oraLabora sagt:

    ich bin tatsächlich zu Tränen gerührt, dass ich auf meine Zeilen, mit deren Veröffentlichung ich mich sehr schwer tat, eine so positive Resonanz erhalte. Ihre Zeilen bedeuten mir sehr viel – geben mir Trost und was noch viel wichtiger ist, ich schöpfe wieder Mut. Vor allem das Gefühl allein zu stehen und gegen Windmühlenflügel zu kämpfen, macht mich so fertig. Gleichzeitig gilt es beruflich gut drauf zu sein und Selbstvertrauen auszustrahlen – Kunden wollen bei Gewinnern kaufen, heißt es, da ist für Tragik kein Raum. In den letzten Wochen war ich kurz davor völlig zu resignieren – ich habe einfach schon zu oft quasi am Boden gelegen und bin wieder aufgestanden, irgendwann reicht die Kraft nicht mehr. Mitte des Monats konnte ich mich tatsächlich auch körperlich kaum noch rühren. Es wurde eine massive Blockade im Rücken festgestellt. Inzwischen wurde diese eingerenkt und seit gestern kann ich wieder einigermaßen schmerzfrei gehen, stehen und sitzen und auf die Einnahme von Schmerzmitteln verzichten.

    Also Nerven behalten, Kräfte sammeln und mit frischem Mut die Aufmerksamkeit nach vorn auf das Ziel richten – der Weg wird mir durch den Zuspruch ein Stück leichter fallen.
    DANKE!

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