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Islam in Deutschland

Erstellt von Gast-Autor am Montag 31. Januar 2011

Zentralrat der Muslime:
Islam in Deutschland bleibt unter seinen Möglichkeiten

„Floating“ mosque of Kuala Terengganu – Malaysia

Essen (ots) – Der Islam in Deutschland bleibt von seinem intellektuellen Anspruch und Potenzial her „weit unter seinen Möglichkeiten, sich zeitgemäß zu begreifen“. Das sagte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Montagausgaben) und dem Online-Portal „derwesten“.

Als Grund nennt der Vorsitzende des Zentralrats, der 300 Moscheegemeinden und 19 islamische Verbände vertritt, eine fehlende islamische Infrastruktur. „Wir haben anders als die großen Kirchen keine Akademien und kaum Bildungseinrichtungen, die Raum geben können, um kontroverse Debatten zu führen. Wir haben durchaus Nachholbedarf, etwa bei der Abgrenzung unserer Religion von Ideologien.“

Wenn reklamiert wird, dass der Islam „unter seinen Möglichkeiten bleibt“, sollte man das ändern, wenn man will. Aber diese Änderung muss von dem ausgehen, der diese Änderung als „Betroffener“ aufzeigt.

WIR können das nicht ändern! Und WIR können und wollen den Islam nicht ändern. Und wenn der Islam wirklich Nachholbedarf hat, dann soll er tun, ohne die Kreise anderer zu beschädigen. Niemand wird ihn wirklich hindern, wenn die Freiheit anderer nicht infrage gestellt wird.

Auf die öffentliche Kritik des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, wonach der Islam in Deutschland „von Aufklärung und Religionskritik kaum irritiert“ sei, entgegnete Mazyek: „Die Muslime können und müssen sich immer wieder aus sich selbst heraus erneuern. Unsere Religion bietet dafür ausreichende Grundlagen.“

Allerdings machten viele „Stellvertreter-Debatten und Schwarzer-Peter-Spiele“ den Muslimen Angst. Viele zögen sich ins Schneckenhaus zurück. „Gebildete gehen ins Ausland. Oder in ihre alte Heimat.“

Anstatt das Potenzial von 99 Prozent friedlichen Muslimen zu nutzen, würden Muslime in Deutschland einem „Generalverdacht“ ausgesetzt. Wörtlich sagte Mazyek: „Wir haben unsere Imame im Dezember aufgerufen, in den Freitagspredigten einen Kernsatz zu benutzen: „Die Verteidigung unserer freiheitlichen Grundordnung ist eine Bürger- und Islampflicht.“ Die Reaktion in den Moscheegemeinden war hervorragend. In der Öffentlichkeit wurde davon kaum Notiz genommen.“

Mazyek beklagt fehlende Unterstützung der Muslime, auch wenn sie angegriffen würden. „Ich hätte zum Beispiel von der Bundeskanzlerin erwartet, dass sie sich nach den gehäuften Attacken auf Moscheen deutlicher vor uns stellt. Es ist egal, ob ein muslimisches, jüdisches oder christliches Gotteshaus angegriffen wird. Wir alle sind damit angegriffen.“

Für den zehnten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 New York und Washington befürwortet der Zentralrats-Vorsitzende die Idee eines „großen interreligiösen Gebetes“.

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Anmerkung
Die Grundidee eines interreligiösen Gebetes ist sicherlich eine gute Sache. Wenn allerdings jemand diese Meinung vertritt, muss er sie auch weiter verfolgen und dafür werben und nicht darauf warten, dass die „Anderen“ auf einen zugehen, um sich anschliessend zu beschweren, dass der Islam nicht akzeptiert wird.

Der öffentlichen Kritik des Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, wonach der Islam in Deutschland „von Aufklärung und Religionskritik kaum irritiert“ sei, kann der Zentralrat nicht nur mit der o.a. Antwort begegnen, sondern es muss überlegt werden, warum eine derartige Erneuerung im Sinne einer Säkularisierung seit „300 Jahren“ überfällig ist.
Die vielfältigen Facetten des Islam spiegeln sich in den über 300 Moscheegemeinden wider, die teilweise in der gleichen Stadt konkurrierend auftreten, was nach aussen hin nicht unbedingt eine einheitliche religiöse Anschauungsweise verdeutlicht.

Die sogenannte Aufklärung im Islam kann eher als intelektuelle Leistung der Gebildeten angesehen werden, die nach dem Studium in Deutschland sich in der Regel wieder in ihre Heimat begeben.

Altbundeskanzler Schmid führte in einem seiner letzten Gespräche in der ARD aus, dass ‚wir‘ eher Probleme mit den Menschen aus Ost-Anatolien haben, weil die patriarchalischen Strukturen dort fest verwurzelt sind. Es werden dort Traditionen mit Zwangsverheiratungen und Familienehre gelebt, die die „Vorherrschaft“ der Männer und die Minderwertigkeit der Frauen dokumentiert, und die von auch einfachen Menschen im „Dunstkreis“ des Abendlandes abgelehnt werden.

Wenn heute der Zentralrat der Muslime von der Gleichheit der Geschlechter in Deutschland spricht, ist das reine Theorie; denn „importiert“ wird immer das geistige „unaufgeklärte“ Gegenteil, welches sich dadurch eindrucksvoll dokumentiert, dass die Ehefrau den Einkauf alleine trägt und sich die drei bis fünf Schritte hinter dem Ehemann bewegt.

Wenn der Sprecher des Zentralrates von durchaus Nachholbedarf hinsichtlich der Abgrenzung des Islam von Ideologien betont, sollte man das anpacken! Als Dachorganisation kann in diesem Zusammenhang nicht von fehlenden Infrastrukturen gesprochen werden, sonst führt sich dieser Vertretungsanspruch für 300 Moscheegemeinden und 19 islamischen Verbänden selber ad absurdum.

An der Uni Münster wurde bereits vor längerer Zeit der LEHRSTUHL FÜR RELIGION DES ISLAM eingerichtet. Teilweise wird dieser Lehrstuhl von einigen islamischen Verbänden grundlegend abgelehnt. Das ist sicher nicht der richtige Weg, den Islam als vollwertige Religion endlich zu etablieren. Daran ändert auch ein Bundespräsident nichts, der anbiedernd verlauten lässt, dass der Islam „angekommen“ sei.

Hier ist noch viel zu tun. Und das kann nur durch gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz aus allen Richtungen bewerkstelligt werden, was auch jungen Türken nachhaltig vermittelt werden sollte.

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Grafikquwelle  : The Floating Mosque.

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