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Im Kopf nicht ganz dicht

Erstellt von Gast-Autor am Sonntag 15. Juni 2014

Im Kopf nicht ganz dicht

Wer für alles offen ist, ist im Kopf nicht ganz dicht. Es ist zwar lobenswert, weltoffen zu sein, aber ist äußerst töricht, wenn diese Weltoffenheit nicht mit einem fundierten kritischem Hintergrund bewaffnet ist, töricht ist solche Weltoffenheit, wenn ihr die vernunftdurchwirkte Urteilskraft fehlt. Der Mangel an Urteilskraft aber, und das wusste schon Immanuel Kant, ist Dummheit.

Bei wem die Vernunft jedoch nicht zur vollen  Reife gekommen ist, und das ist der Fall im großen Ganzen, der sieht sich nach Ausflüchten um, zum Beispiel nach dem sogenannten Zeitgeist oder danach, was gerade Mode ist. Mit Erich Kästner (1928) könnte man lästern:

Wenn es Mode wird, die Brust zu färben
oder, wenn man die nicht hat, den Bauch…
Wenn es Mode wird, als Kind zu sterben
oder sich die Hände gelbzugerben,
bis sie Handschuh’n ähneln, tun sie’s auch.

Wenn es gälte Volapük zu lernen
und die Nasenlöcher zuzunäh’n
und die Schädeldecke zu entfernen
und das Bein zu heben an Laternen –
morgen können wir’s bei ihnen sehn.

Denn sie fliegen wie mit Engelsflügeln
immer auf den ersten besten Mist.
Selbst das Schienbein würden sie sich bügeln!
Und sie sind auf keine Art zu zügeln,
wenn sie hören, dass was Mode ist.

Wer die Gesetzgebungen der vergangenen zwanzig Jahre an sich vorbeiziehen lässt, der erkennt darin den Atem der vorgenannten Verse wieder. Seien es die Gesetze in der Gesundheitspolitik, in der Pflege, in der Arbeitsmarktpolitik, in der Innenpolitik, in der Außenpolitik, in der Wirtschaftspolitik oder in der Finanzpolitik, immer ging es dabei um Zeitgeist, immer um Mode, nie um Vernunft. Was durch die Gesetzgebung, d.h. durch die Regierungen der letzten zwanzig Jahre gegen die Menschen unseres Landes gesündigt wurde, ist nicht wieder zu heilen. Daher müssen alle Gesetze, sofern sie ungerecht sind, abgeschafft werden.

All jenen,  bei denen die Vernunft nicht zur vollen Reife gekommen ist, und die sich folglich nicht auf ihre Urteilskraft verlassen können, ist eine großartige Bedienungsanleitung, ein hervorragender Leitfaden gegeben: Die ersten zwanzig Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Vor allem den Medien und den Politikern sei an dieser Stelle verpflichtend aufgegeben, die Grundrechte nicht nur zu studieren, sondern sich anzueignen bis sie „Fleisch geworden sind“.

Der Artikel 1 GG gibt den Takt unseres Gemeinwesens ehern und unumstößlich vor. „1. Die Würde des Menschen ist unantastbar.  Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. 2. Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. 3. Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“

Der Erste Artikel des GG ist ein eherner Grundsatz. Unter seinem Dach entfaltet sich das Leben innerhalb unserer Gemeinschaft. Es lässt keine Abweichungen zu. Jede Religion in diesem Land hat sich dem unterzuordnen! Jede gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Tätigkeit. Kulturen, die diese Prämissen nicht akzeptieren, ist innerhalb unserer freiheitlichen Demokratie jeder Schutz zu entziehen. Mitglieder von Einwanderergruppen und ihre Nachkommen verdienen es, ebenso wie jeder andere, nicht als Mitglieder von kulturellen Gemeinschaften behandelt zu werden. So gibt es beispielsweise keinen Grund, ein muslimisches Mädchen nach dem Gesetz anders zu behandeln als ein christliches oder jüdisches – was auch immer die Angehörigen darüber denken mögen. Private Neigungen, Strebungen und Vorstellungen vom eigenen Wohl auch nicht die von sexuellen Verirrungen dürfen Einfluss auf die Wahl der Grundsätze haben.

Jedermann hat gleiches Recht auf das umfangreichste System gleicher Grundfreiheiten, das mit dem gleichen System für alle anderen verträglich ist. Nach John Rawls „Theorie der Gerechtigkeit“ sind  „Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten so zu gestalten, dass (a) vernünftigerweise zu erwarten ist, dass sie zu jedermanns Vorteil dienen, und (b) sie mit den Positionen und Ämtern verbunden sind, die jedem offen stehen.“

Ohne Gerechtigkeit gibt es kein Menschenrecht. Gerechtigkeit besteht nur, wenn gesellschaftliche Entwicklungen jeder Art, zu jedermanns Vorteil gereichen.

Alle folgenden Artikel der Grundrechte des Grundgesetzes unterliegen diesen Maßstäben. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit ebenso wie die Freiheit der Person, die Gleichberechtigung von Mann und Frau ebenso wie die Gleichheit vor dem Gesetz, die Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit ebenso wie die Meinungs- und Pressefreiheit oder die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, die Jungen nicht anders als die Alten.

Alle Mitglieder unserer Gesellschaft haben verdient, was im „Lied der Deutschen“ in Versen geschmiedet ist, nämlich ein Leben in Einigkeit und Recht und Freiheit.

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!

Gerd Heming(Vors.)

Pfingsten 2014

Bund der Pflegeversicherten e.V.

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Fotoquelle: Wikipedia
Source     It’s all about love
Author     Candida Performa

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