DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Im Feld der Postpolitik

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 27. Juni 2015

Dieser Defätismus hat harte Folgen

yon Georg Seeßlen

Das Mantra lautet: „Da kann man nichts machen.“ Dieser Defätismus hat harte Folgen

Es gibt ein einfaches Bild für das merkwürdige Verhalten von Menschen, die Opfer einer Krise wurden, deren Verursacher nachher reicher und mächtiger sind und sie die Zeche bezahlen lassen. Sie scheinen geblendet von einem kapitalistischen Realismus, der aus drei Empfindungen besteht: Da kann man nichts machen. Alles andere ist noch schlimmer. Und, hey, es ist zwar der pure Wahnsinn, aber man kann sich trotzdem ziemlich grenzenlos amüsieren dabei.

Es gibt einen Begriff, der dieses Bild genauso einfach erfassen will: Entpolitisierung. Man versteht darunter, „dass Einzelne und Gruppen nicht mehr an der politischen Willensbildung teilnehmen oder dies ohne gründliche Informiertheit und ohne Abwägung ihrer Lebensinteressen tun“. So sieht es das „Wirtschaftslexikon“, Ausgabe 2015. Die Frage darf natürlich nicht gestellt werden, ob und wie das Problem der Teilnahme denn mit dieser politischen Willensbildung zusammenhängt.

Eine entscheidende Erfahrung, die hinter dem Prozess der Entpolitisierung steckt, ist der anwachsende Überhang der ökonomischen Erpressbarkeit gegenüber der demokratischen Freiheit. Jeder einzelne Mensch, jeder Politiker und jede Partei erweisen sich als ökonomisch erpressbar; ein Teil gibt dieser Erpressung mit begehrlicher Lust nach – man identifiziert sich lieber mit der mächtigen Ökonomie als mit der immer ohnmächtigeren Politik. Es erweisen sich freilich auch vor allem jene Institutionen als erpressbar, die eigentlich die Grundlagen einer politischen Willensbildung erst herstellen, nämlich die Medien und die Journalisten. Entpolitisierung, gewiss doch, entspricht einerseits einer „Stimmung“ im Volk (was immer das ist), und Entpolitisierung entspricht einer Transformation von Herrschafts- und Kontrolltechniken. Aber zugleich wird Entpolitisierung auch kulturell, manipulativ und medial erzeugt.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

——————————————————————————————————————————

Fotoquelle: Wikipedia – Autor – Jürgen Heegmann (juergen.heegmann@web.de)

Diese Datei ist unter den Creative-Commons-Lizenzen „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“, „2.5 generisch“, „2.0 generisch“ und „1.0 generisch“ lizenziert.

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>