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Ich sage, wer Antisemit ist

Erstellt von DL-Redaktion am Freitag 13. April 2012

Wer Antisemit ist, bestimme ich!

Kaum ein Begriff wird in Deutschland derart inflationär und verantwortungslos verwendet wie der des Antisemitismus. Das aber schadet dessen Bekämpfung. Von Moshe Zuckermann / Tel Aviv

Über den Inhalt von Günter Grass’ Gedicht „Was gesagt werden muss“ ist inzwischen genug gesagt worden. Es lohnt sich nicht, dem Gesagten etwas hinzuzufügen. Das Gesagte hat die Divergenzen in Gesinnung und Ideologie deutlich genug aufgefächert; Bahnbrechendes ist nicht mehr zu erwarten. Umso mehr gilt es, den öffentlichen Sturm, den das Poem entfacht hat, anzuvisieren und zu reflektieren.  Solche Eklats sind in Deutschland nicht neu; sie gehören zur deutschen Streitkultur und spielen sich zumeist in den Sphären des Feuilletons, zuweilen im Akademischen, aber immer in einer Mischung aus bemerkenswerter polemischer Verve und nicht minder auffälligem Hang zur Hysterie ab.

Die Skandaldebatte wird stets mit besonderer Vehemenz ausgetragen, wenn es um Juden, Deutsche, Israel und Deutschland geht: Zu horrend war die deutsch-jüdische Geschichte im 20. Jahrhundert, als dass ihr Neuralgisches heute schon abschwellen könnte.

Und doch ist das, was die Idiosynkrasie zwischen Juden und Deutschen in der Nachkriegszeit ausmachte, mittlerweile so stark verdinglicht worden, derart zum Fetisch geronnen, dass die Beziehung zwischen ihnen nur noch wenig mit der eigentlichen Schreckensvergangenheit, auch kaum etwas mit realen jüdischen Lebenswelten im heutigen Deutschland zu tun hat; bestimmt wird sie vielmehr vorwiegend von ideologiegestählten Befindlichkeiten und fremdbestimmten Interessen.

Antisemitismusbegriff als polemische Schmähpraxis

Und so ist Günter Grass infolge der Publikation seines Gedichtes zum Antisemiten erklärt worden. Von wem? Vom israelischen Premierminister, vom Zentralrat der Juden in Deutschland, von führenden Personen der in Deutschland lebenden „jüdischen Intelligenz“ und von vielen Nichtjuden, die sich mit „Juden“ und „Israel“ panisch zu „solidarisieren“ pflegen.

Es wäre müßig, hier nochmals darzulegen, warum die Kategorien Juden, Zionisten und Israelis und – davon sich ableitend – Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik auseinanderzuhalten sind.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :   Moshe Zuckermann (2009)

4 Kommentare zu “Ich sage, wer Antisemit ist”

  1. Margret Lorenz sagt:

    Hallo an alle LeserInnen,
    der Kommentar spricht nicht für sich und kann widerlegt werden. Es gibt einen Antisemitismus, der sich als Israelfeindlichkeit tarnt.
    Allerdings geschieht das oft unterbewußt und nicht mit Absicht. Es ist der Fluch der Vergangenheit, die unterschwellig vermittelten Vorurteile über Generationen und die nicht verarbeitete Schuld.
    Grass wird zwar von vielen Medien angegriffen, aber des Volkes Stimme gibt ihm Recht. Er ist beileibe nicht allein und kein Opfer.
    Es wäre besser, er hätte geschwiegen und vor allen Dingen die Friedensbewegung sollte da nicht aufspringen, sondern sich neutral verhalten.
    Aber jetzt mag ich nicht mehr.
    Grüße Margret Lorenz

  2. Thomas A. Bolle sagt:

    @ 1
    Das ist doch wohl die Höhe. Zitat: „Es wäre besser, er hätte geschwiegen“.
    Unabhängig von Wortwahl… – wer hat denn bisher den Mut gehabt, das zu sagen, was wahr ist. Alle, die hier zulande „etwas“ darstellen, haben Angst. Nämlich aus genau den Gründen, die jetzt eingetreten sind. Entweder sind sie blind bis zum Kadavergehorsam,oder sie werden sofort mit der Antisemitismuskeule totgeschlagen oder es wir bis zum Umfallen die Geschichte bemüht.

    Vielleicht sollte wir Frankreich verklagen, weil Napoleon hier war oder die Italienener, weil die Römer Germanien besetzt hatten.

    Israel selbst hat einen eigenen Bürger verurteilt, weil er der Welt mitgeteilt hat, dass sie Atomwaffen besitzen. Und die Aufforderung, „die Friedensbewegung solle sich neutral verhalten“, ist genauso falsch. Frieden ist eine Forderung, die an jede Seite zu stellen ist. Jeder, der sich neutral zu Seite wegduckt, sorgt mit dafür, dass möglicherweise die Falschen recht bekommen.
    Gestern abend auf WDR 2 (Sendung Arena) war das Thema. Unter anderem war als Diskussionsteilnehmer Ruprecht Polenz (CDU) zugeschaltet. Er hat so deutlich vermieden, Israel zu kritisieren, dass es schon peinlich war. Aber das Schlimmste: die Argumente, die er benutzt und genannt hat, waren richtig, wenn es Israel betraf. Die gleichen Argumente waren falsch, wenn es den Iran betraf.

    Beispiele:
    Israel lässt keine Kontrolleure der IAEO ins Land. Argument der Israelis, zu einseitigige Besetzung des Gremiums. Das ist dann richtig.
    Iran hat mit den gleichen Argumenten die Kontrolleure nicht reingelassen. Das war dann falsch.
    Dass der souveräne Staat Israel nicht bestätigt hat Atomwaffen zu besitzen, sichert den Frieden in der Region.
    Dass der souveräne Staat Iran (das heisst nicht, das Regime gut zu finden) Forschungen betreibt, sorgt für Kriegsgefahr.

    Selbst die Geheimdienste der USA und Israels haben keinerlei Beweise.

    Das ganze erinnert fatal an die Argumentation vor dem Irak-Krieg. Wir haben zwar nichts gefunden, suchen, bis was gefunden werden könnte, erfinden, dass etwas da sein könnte, um auf Vermutung und Verdacht einen Krieg zu beginnen.
    Zusätzlich wird dann immer wieder darauf verwiesen, dass das Regime im Irak diktatorisch seine eigenen Bürger unterdrückt.

    Wo war denn Israel, als der Schah das gemacht hat?

    Dieser Tage habe ich noch einen Kommentar zum Gedicht von Grass gehört:
    Zitat: „Wer beginnt, das Wort zu verbieten, wird mit der Bücherverbrennung enden.“

    Mir kommt das sehr bekannt vor.

    Eine letzte Anmerkung: Glaubt denn wirklich jemand, dass eine Atombombe – auf Jerusalem, Tel-Aviv, Jericho abgeworfen – begrenzten Schaden anrichtet? Wenn das so möglich wäre, hätten die USA, Russland, China es lüängst woanders schon probiert.

    Israel hat Angst nicht mehr die einzige regionale Grossmacht zu sein. Denn das wollen die Saudis und Türken auch.

  3. Walter sagt:

    Öhm… warum hätte Grass schweigen sollen? Und vor allem: wie kann sich die Friedensbewegung neutral verhalten, wenn es um Krieg und Frieden geht und die deutsche Beteiligung daran?

    Liebe Margret,
    erst gratulierst du Pia Döring zum erfolgreichen Betrugsmanöver. Und jetzt dieser Kommentar. Vielleicht möchtest du in Zukunft erst mal nachdenken, bevor du schreibst?

  4. Gabriel van Helsing sagt:

    Ich finde Grass sein Gedicht mutig.

    Es wagt sich keiner, den Staat Israel zu kritisieren.
    Ob es seine „Siedlungspolitik“ ist, mit 5 Meter hohen Mauern, Vertreibung der Bewohner von anektierten Gebiete und Aneignung
    von Ländereien.

    Es wird auch geschwiegen, über die Aufrüstung seiner mit Hilfe der Deutscher Waffenindustrie hochaufgerüstete Armee.

    Gerade hat Israel mal wieder 2 U-Boote aus Deutscher Fertigung geschenkt bekommen. Die Notleidende Deutsche Werftindustrie hat sich darüber sehr gefreut. Als kleines Sahnehäubchen können diese U-Boote mit Atomraketenköpfe ausgestattet werden. Die Reichweite, weit ins Feindesland haben diese Marschflugkörperraketen allemal.
    Israel war und ist über dieses Geschenk des Deutschen Steuerzahlers so erfreut, dass es angefragt hat, ob es noch mehr solcher Geschenke bekommen kann.

    Wie heuchlerisch unsere Politik ist, ersieht man daran,
    unsere Politiker faseln etwas von Iran sein zukünftiges Atomwaffenprogramm.

    Israel ist aber schon viel weiter, nur keiner regt sich darüber auf. Das Israel auch ohne westliche Hilfe weiter seine Armee aufrüsten kann, ist auch klar. Viele Waffenschmieden aus Deutschland, lassen in Lizens dort produzieren.

    Spätestens im Frühjahr 2013 muss sich der Westen im Iran ein neues Feindbild suchen. Der Iranische Präsident kann lt. dortiger Verfassung, nicht 3X wiedergewählt werden.

    Bei der Religion des Judentum halte ich es wie der Olle Fritz.
    Jeder soll nach seiner Fasson, ….

    Bei dem Staate Israel bin ich mit vielen nicht einverstanden.

    Bin ich jetzt ein Antisemit?

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