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RENTENANGST

Handgreiflichkeiten

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 27. März 2010

— gegen Blogger

Filmmaking of 'Black Thursday' on crossway of ulica Świętojańska and Aleja Józefa Piłsudskiego in Gdynia - 076.jpg

Erst wenn ich auf der Straße laut rufen kann:“Hier gibt es keine Meinungsfreiheit“, lebe ich in einem freien Land. So äußert sich Yoani Sánchez in ihrem Buch. Gleiches sage ich auch der  Partei „DIE LINKE. Erst wenn ein durchgeknallter Richter die Meinungsfreiheit in dieser Partei nicht mehr mit einem Ausschluss bestrafen kann, rede ich von einer demokratisch, pluralistischen Partei. IE

Die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez wurde 1975 in Havanna geboren, studierte dort Spanische Literatur. Seit 2007 betreibt sie den Blog „Generacion Y“. Yoani Sánchez ist Kubas prominenteste Bloggerin. Jetzt ist eine Auswahl ihrer Vignetten über Alltag und Politik des kubanischen Sozialismus als Buch auf Deutsch erschienen. Für die sonntaz schreibt sie Beiträge in der Kolumne „Politik von unten“. Von Bert Hoffmann.

Fernsehen, Radio, Zeitung sind prima Einrichtungen für einen Staat, der das Medienmonopol beansprucht. Sein sind die Sendeanlagen, die Chefredakteure, das Zentralorgan. Die Journalisten haben die Grenzen des Sagbaren verinnerlicht. Immer wieder versuchen Einzelne, Spielräume zu dehnen oder zwischen den Zeilen Mutiges unterzubringen. Aber auf die Hierarchien ist Verlass. So läuft im sozialistischen Kuba seit 50 Jahren nichts aus dem Ruder. Das staatliche Medienmonopol, Artikel 52 der Verfassung, ein Routinebetrieb.

Wenn da nicht das Internet wäre. Und mit ihm neue Medien, die sich nicht an die Grenzen des Nationalstaats halten und nicht an die Filterfunktion der etablierten Medien. In Kuba ist das Web kein Massenmedium, unkontrollierter Zugang ist rar. Trotzdem behandelt die Regierung nun nicht etwa einen Terroristen oder Menschenrechtsaktivisten als Staatsfeind Nummer eins, sondern eine schmächtige Philologin, die vor drei Jahren ein Internettagebuch begann, um ihre Dämonen – vorauseilendes Schweigen und Gleichgültigkeit – auszutreiben.

„So habe ich mit dem Bloggen begonnen, ohne mir darüber im Klaren zu sein, dass auch der harmloseste Mensch in manchen Situationen schon ein Seebeben auslösen kann, wenn er nur den Finger ins Wasser hält“, schreibt Yoani Sánchez in der Auswahl ihrer Blogeinträge, die nun auf Deutsch in Buchform erschienen sind.

Dieser ins Wasser gehaltene Finger hat Yoani Sánchez ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit gebracht. Ihr Blog „Generation Y“ erhielt für seine lakonischen Betrachtungen über das Leben im kubanischen Sozialismus ein halbes Dutzend Auszeichnungen, darunter den Ortega-y-Gasset-Preis, den Oscar der spanischsprachigen Medienwelt.

Das amerikanische Magazin Time sortierte sie gar zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Für das offizielle Kuba ist all dies Beleg dafür, dass die Bloggerin nur eine Erfindung der kapitalistischen Medien ist, eine Marionette des Imperialismus etc. Politik und Medien leben von Personalisierung, auch in Kuba. Was der einen Seite Lichtgestalt, ist der anderen Hassfigur: Fidel persönlich beschimpfte Yoani Sánchez als undankbar, schließlich hätte sie ihre Ausbildung dem Sozialismus zu verdanken.

Quelle : TAZ >>>>> Weiterlesen

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Fotoquelle : StarscreamEigenes Werk

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  • File:Filmmaking of ‚Black Thursday‘ on crossway of ulica Świętojańska and Aleja Józefa Piłsudskiego in Gdynia – 076.jpg
  • Erstellt: 6. März 2010

 

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