DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Gysis Hass ist verweht

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 4. November 2012

„Der Hass ist weg“

Ende gut, alles gut? Hier ein Interview von Jakob Augstein mit Gregor Gysi. Die Aussage von Gregor Gysi ist dabei mehr als zweideutig zu werten wenn er sich wie folgt äußert: „Die Linkspartei hat in den Abgrund geblickt. Aber jetzt ist sie einen Schritt weiter.“ Hallo Gregor: Der nächste Schritt nach einen Blick in den Abgrund bedeutet den Absturz. Könnte aber stimmen.

Das andere , eine schöne, aber politische Erzählung ohne jeglichen Tiefgang.

„Der Hass ist weg“

Jakob Augstein: Ist die Zukunft links? Nach Ihrer Rede auf dem Göttinger Parteitag bin ich da nicht so sicher. Das klang sehr zornig und nicht optimistisch.

Gregor Gysi: Ja, ich war wütend. Aber die Rede hat die Partei mobilisiert. Das ist gut. Und das war nötig. Die Linke verträgt zwei Dinge nicht: Erfolge und Niederlagen. Bei Niederlagen beginnt eine ungeheure Schuldverteilung. Und Erfolge verleiten zu sinnlosem Streit. Wir hatten zwei Jahre eine elende Personaldebatte. Und auch zwischen Oskar Lafontaine und mir gab es damals keine Einigkeit mehr. Eigentlich bin ich ja harmoniesüchtig – bis das berühmte Ende der Fahnenstange erreicht ist. Dann bin ich allerdings kaum noch zu bremsen.

Sie haben gesagt, im Osten sei die Linke eine Volkspartei und im Westen eine Interessenpartei. Und Sie könnten nicht begreifen, warum das die Partei spaltet. Aber ist es nicht klar, dass diese beiden Seiten nicht zusammen funktionieren?

Wieso nicht?

Weil eine Volkspartei von ihrem Wesen und ihrer Aufgabe her das Gegenteil ist von einer Interessenpartei.

Ich glaube, unser Problem ist ein ganz anderes. Wir haben etwas gemacht, was in Deutschland einzigartig ist: Wir haben keinen Beitritt organisiert, sondern eine Vereinigung. Das ist schwierig. Und außerdem ist bei uns der Osten stärker als der Westen. Damit kommen nicht alle gut zurecht, zunächst auch die Ostdeutschen nicht.

Meinen Sie, dass die von Ihnen beschriebene westliche Arroganz damit zusammenhängt?

Es gibt Westler, welche meinen, dass sie doch klüger sind als die Ostdeutschen. Das sagen sie natürlich nicht, aber das bringen sie in ihrer Haltung zum Ausdruck. Zum anderen leiden sie darunter, dass sie weniger sind. Sie wollen das wettmachen, indem sie groß tun.

Haben sich die Ossis von den Wessis die Butter vom Brot nehmen lassen?

Ja, natürlich.

Aber wieso? In Ihrer Partei sind die Ostdeutschen doch die regierungserfahrenen Leute, im Westen war das eine sehr heterogene Gruppe.

Die Westdeutschen glauben, dass sie im Kern Recht haben. Die Grundhaltung vieler Ostdeutscher war, dass sie eine schwere Niederlage erlitten haben. Gerade die Linken mussten ja davon ausgehen, dass sie die Sache versemmelt haben. Das hat sich auch im Bewusstsein der PDS widergespiegelt. Sie dürfen das nicht unter-schätzen: Der Staatssozialismus ist gescheitert.

Aber die Linke wird in Ostdeutschland doch gewählt. Das sind doch Erfolge.

Aber wenn eine Gesellschaft sich gedemütigt fühlt, dann spielt das eine Rolle auch für die Partei. Und dann kommen lauter Oberschlaue und erklären dir, wie das alles richtig geht und dass du das ja nicht wissen kannst, weil du mit deiner komischen DDR gescheitert bist. Das war der Punkt in Göttingen: Ich wollte den einen sagen, dass sie nicht überziehen sollen mit dem Selbstbewusstsein, und den anderen, dass sie nicht so klein-laut auftreten müssen. Ich will doch nichts anderes als eine faire Vereinigung. Ich will ja gar nicht ausspielen, dass der Osten stärker ist, aber dass der Osten schwächer sein soll in dieser Partei, das geht mir dann doch zu weit. Was denken Sie, was wir für eine Debatte hatten darüber, ob es einen ostdeutschen Erfahrungsvorsprung gibt!

Erfahrungsvorsprung?

Ja, da können Sie sich nichts drunter vorstellen, haben wir aber.

Quelle: Freitag >>>>> weiterlesen

——————————————————————————————————————————-

Karikaturquelle : Karikatur von Gerhard Mester Weiter so (2016)

  • CC-BY-SA 4.0
  • File:20161221 xl 1515–Gehard-Mester Weiter so.jpg
  • Erstellt: 21. Dezember 2016

3 Kommentare zu “Gysis Hass ist verweht”

  1. Gilbert Kallenborn sagt:

    Gestern noch standen wir vor dem Abgrund jetzt haben wir einen riesen Schritt nach vorne getan !
    Plumps! Krach! Klar. Tote können nicht mehr hassen, zerschmettert am Boden. Und der Hass ging vorbei
    mit einer Bootsfahrt um die Lorelei…oder war es die Saarschleife bei Mettlach? Wenn Lafontaine dachte, er alleine sei ein Meistertaktiker dann hat er in Gysi seinen Meister gefunden
    Vom Winde verweht? Göttingen war echt, kein Hollywood.

  2. RosaLux sagt:

    Falls Gysis „Hass“ tatsächlich vorbei sein sollte, hielte ich das für ein Zeichen von Resignation – aus tiefer Einsicht, dass gegen Naturgewalten wie OLaf Überzeugungsarbeit nichts ausrichten kann. Da hülfe (uralter Konjunktiv!) einzig noch Gevatter Tod. Solange dieser aber – aus naheliegenden Gründen – nicht einfach so herbeigeführt werden kann, muss man OLaf wohl oder übel ertragen, wie das Wetter, – und sich auf Resignation beschränken. Wie hieß noch das Sprichwort? Gott gebe mir die Kraft, Dinge zu ändern, die änderbar sind, die Geduld, Dinge zu ertragen, die nicht änderbar sind, dazu den Verstand, beides voneinander unterscheiden zu können. – Zurück zur Sache: war es das also mit der LINKE? Ist diese Partei tot – lange vor der BTW 2013? Eine Art Selbsttötung, wie Skorpionen bei Lebensgefahr nachgesagt wird?

  3. Schichtwechsler sagt:

    Wir haben in den Abgrund geblickt … und sind nun einen Schritt weiter. Also im freien Fall, deshalb muß der Hass und alles andere „schön“ geschwallt werden.

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>