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Globalisierungsgeschichte

Erstellt von DL-Redaktion am Dienstag 6. März 2012

Von der ersten bis zur letzten Globalisierung

File:Im wilden Westen - eine Künstlerfahrt durch die Prairien und Felsengebirge der Union (1890) (14579340860).jpg

Unter welchen Bedingungen wurden die USA zur Supermacht? Wie haben es die ehemaligen britischen Kolonien in kaum anderthalb Jahrhunderten geschafft, Europa als führende Macht auf wirtschaftlicher, militärischer und kultureller Ebene abzulösen?

Über Jahrhunderte hatte das internationale System aus relativ autonomen Zentren (Osmanisches Reich, Westeuropa, China) mit vergleichbarem Entwicklungsniveau bestanden. Dieses dezentralisierte und nur schwach hierarchisierte System wurde durch die industrielle Revolution und die damit einhergehende Konzentration von Macht und Reichtum im „Westen“ entscheidend verändert. Die wirtschaftliche und koloniale Expansion ließe eine neue, höchst ungleiche internationale Ordnung entstehen, in der sich sowohl die politische Macht als auch der materielle Reichtum im „Westen“ konzentrierten.

Die wirtschaftliche und räumliche Expansion Westeuropas und die damit einhergehende Besiedlung europäischer Kolonien und Nordamerikas folgte derselben Dynamik. Als im Laufe des 19. Jahrhunderts diese beiden globalen Expansionsprozesse miteinander verschmolzen, entstand eine neue Hierarchie in den internationalen Beziehungen. Ihr Hauptmerkmal war eine ausgeprägte Polarität zwischen den dominierenden euro-atlantischen „Zentren“ und den dominierten oder abhängigen kolonialen „Peripherien“.

In einer hellsichtigen Darstellung der Globalisierung schrieben Karl Marx und Friedrich Engels bereits 1848: „Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat […] den nationalen Boden der Industrie unter den Füssen weggezogen. […] An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.“

Dieses neu entstehende globale System war allerdings asymmetrisch. Die neuen Industrieländer waren Ausgangs- und Zielpunkt langer Handelsrouten und profitabler Industrien. Bei ihnen konzentrierten sich Reichtum, Wissen und Know-how, während sie deren Entfaltung in anderen Gegenden hemmten. Der Historiker Fernand Braudel hat diese Asymmetrie so beschrieben: „Das Zentrum ist die Speerspitze, der kapitalistische Überbau der gesamten Konstruktion. Die Perspektiven ergänzen sich wechselseitig: Ebenso wie das Zentrum von den Lieferungen der Peripherie abhängt, hängt diese von den Bedürfnissen des Zentrums ab, welches den Ton angibt.“

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle   :  Category:    Im wilden Westen – eine Künstlerfahrt durch die Prairien und Felsengebirge der Union (1890)

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