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Genozid an Herero + Nama

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 13. August 2020

Zeit für angemessene Reparationen

Namibia - Equestrian Statue 02.jpg

Deutscher Schutztruppenreiter in Uniform / Windhoek-Namibia

Von Dominic Johnson

Deutschland will die Opfer des kolonialen Völkermordes in Namibia mit 10 Millionen Euro entschädigen. „Nicht annehmbar“, findet Namibia.

Der 11. August 1904 nimmt in der deutschen Kolonialgeschichte einen besonderen Platz ein: Es ist das Datum der „Schlacht von Waterberg“, nach kaiserlich-deutscher Geschichtsschreibung die Entscheidungsschlacht der deutschen „Schutztruppen“ in „Deutsch-Südwestafrika“ gegen Aufständische des Herero-Volkes.

Neuerer Forschung zufolge hat es eine einzelne große Schlacht an dem markanten Tafelberg bei Namibias Hauptstadt Windhoek so nicht gegeben, aber das Datum markiert dennoch den Beginn des deutschen Völkermords an den Herero und Nama, die nach ihren militärischen Niederlagen weitgehend ausgerottet wurden. Um die Interpretation dieser Ereignisse, um ihre korrekte Bezeichnung und ihre Folgen wird bis heute gestritten. Seit fünf Jahren verhandeln deutsche und namibische Delegationen darüber.

Just am 11. August 2020 hat Namibias Präsident Hage Geingob nun eine Breitseite gegen die deutsche Haltung bei diesen Verhandlungen losgelassen. Der Titel seiner Stellungnahme – „Präsident Hage G. Geingob äußert Zufriedenheit über Fortschritte nach Unterrichtung über die Verhandlungen über Völkermord, Entschuldigung und Reparationen zwischen Namibia und Deutschland“ – verrät Sinn für Ironie, denn die Zufriedenheit beschränkt sich auf die Arbeit der eigenen Seite.

Was Deutschland angeht, habe dieses zwar eine „politische und moralische Verantwortung“ anerkannt und sich zu einer „bedingungslosen Entschuldigung“ bereit erklärt. Aber: „Deutschland weigert sich, den Begriff ‚Reparationen‘ zu akzeptieren“, es spreche nur von „Heilung der Wunden“. Und: „Das gegenwärtige Reparationsangebot der deutschen Regierung bleibt ein offenes Thema und ist für die namibische Regierung nicht annehmbar.“

Rhetorische Fortschritte

Worin das Angebot im Einzelnen besteht, ist unbekannt, doch Berichten zufolge hat die Bundesregierung Namibia 10 Millionen Euro angeboten. Das entspricht dem aktuellen Hauptgewinn im Lotto oder der Gage von Heidi Klum bei „Germany’s Next Topmodel“. 2004, als die einstige deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul beim 100-Jahres-Gedenken am Waterberg als erste deutsche Ministerin von „Völkermord“ sprach – was die damalige rot-grüne Bundesregierung aber nicht anerkannte – war noch von einem „Versöhnungsfonds“ in Höhe von 20 Millionen Euro die Rede gewesen.

Seitdem hat es zwar in der Rhetorik Fortschritte gegeben – das Wort Völkermord findet sich sogar auf der entsprechenden Seite des Auswärtigen Amtes. Eine daraus erwachsende Verpflichtung sieht Deutschland aber nach wie vor nicht und betrachtet seine Verantwortung nur „politisch und moralisch“, also folgenlos, keineswegs aber juristisch, also mit einklagbaren Konsequenzen.

Quelle      :     TAZ        >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben     —        Equestrian Statue

3 Kommentare zu “Genozid an Herero + Nama”

  1. Jimmy Bulanik sagt:

    Traurig über die Verbrechen hinaus ist, das die Kinder in den Schulen zu dem Sujet im Geschichte Unterricht nichts lernen. Das ist sicherlich politisch nicht opportun. Dabei gibt es an der Gesellschaft in Namibia viel an Verbrechen anzuerkennen. Das die Bundesrepublik Deutschland gegenüber Menschen aus Namibia welche für ihre Anerkennung streiten mit einer „Haltung“ der Abwehr reagiert ist beschämend. Ferner nicht zeitgemäß. In Lüderitz wird kein Mensch von deutscher Abstammung schlechter Leben durch das Praktizieren von Recht und Gerechtigkeit. Die Kinder Namibias sollen künftig in Harmonie aufwachsen. Davon haben alle etwas an Lebensqualität zu gewinnen. Bewahren wir uns als Menschen de goede hoop für die Zukunft.

  2. O. Liebknecht sagt:

    Ich frage mich immer nur eins: wenn die Deutschen während der Kolonialzeit so schrecklich blutrünstige Ungeheuer waren, wieso ist Deutsch heute eine der 3 Amtssprachen in Namibia? Zur Erinnerung: 1918 verlies der letzte deutsche Regierungsvertreter/Soldat das Land….

  3. Jimmy Bulanik sagt:

    In Namibia ist Englisch die einzig offizielle Amtssprache. Deutsch als auch Afrikaans sind in Namibia anerkannte Nationalsprachen. Das bedeutet juristisch, das dort wo viele Menschen in Gemeinschaft leben welche deutsch oder Afrikaans leben eine regionale Sprache ist.

    Namibia ist das Land welches am meisten Geld vom Bundesministerium für Entwicklung erhält. Damit subventioniert die Bundesregierung Menschen von deutscher Abstammung im Ausland. Politische Opportunität anstatt Entwicklungshilfe liegt dem zugrunde.

    So viel zur Aufklärung.

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