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Gegen die Fifa protestieren

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 10. Juni 2018

Vergesst Putin! Wir schauen jetzt WM!

Von Peter Unfried

Sinkende Einschaltquoten könnten die Fifa davon überzeugen, eine Fußball-WM nicht an autoritäre Staaten zu geben, heißt es. Stimmt nicht ganz.

Der Schriftsteller Ilija Trojanow hat zum Fernsehboykott der Fußball-WM in Putins Russland aufgerufen. Er glaubt nicht an die Handlungskraft oder -bereitschaft der Politik, aber an die Kraft der sinkenden Einschaltquoten. Das Manifest, das er dazu mit Klaus Zeyringer veröffentlicht hat, kommt einem komplett unrealistisch vor. Aber er hält es für die einzige Möglichkeit der gesellschaftlichen Intervention.

Wenn wirklich viele mitmachten und die Fernsehzuschauerzahlen einbrächen, dann – und nur dann – würde die Fifa Konsequenzen ziehen, sagt er, und den Fußball nicht autoritären Regierungen und der totalen ökonomischen Ausbeutung übergeben. Insofern sei der Fernsehboykott der erfolgversprechendste überhaupt.

Und die Liebe zum Spiel? Genau die sei nicht der Grund, trotzdem zuzuschauen, denn man könne sie nur durch Ausschalten schützen und bewahren, sagt Trojanow. Seine Logik: Wo man partizipiert an einem korruptem und zynischen Projekt, nimmt die eigene Leidenschaft Schaden.

Das ist womöglich der individuell radikalste Ansatz, sich als politischer Mensch handelnd zu dieser WM zu verhalten. Aber handelt man damit wirklich? Für sich selbst schon. Aber: „Selbstkasteiung im Wohnzimmer hat noch nie eine kollektive Bewegung hervorgebracht“, schrieb der Fußballexperte und Feuilletonist Peter Körte in der FAS.

Meine unrepräsentativen Umfragen bei durchaus politischen Menschen haben ergeben, dass die Idee moralischen Respekt erntet. Ähnlich wie der CO2-arm lebende Mensch, der nie mehr fliegt und aus dem Penthouse in eine Höhle umzieht. Macht aber auch keiner nach. Jetzt mal im Ernst, sagen sie, alles ist so schlimm, und ich habe so viel um die Ohren, und jetzt soll ich auch noch auf die WM verzichten? Och, nö.

Schlimm. Aber, na ja.

Okay, einen Aufrechten habe ich gefunden. Aber der lebt in den Niederlanden.

Trojanow hat einen Punkt, wenn er sagt, dass man mit dieser Einstellung keinen der demokratischen und emanzipatorischen Fortschritte der Menschheit vorangebracht hätte. Aber um zu einer globalen Bewegung zu werden, fehlt der persönliche Gewinn und das Gefühl der Selbstwirksamkeit.

Das erwartbare Verhalten von unsereins droht sich also darin zu genügen, die unzumutbaren Zustände in der demokratisch unkontrollierten Geld- und Machtmaschine Fifa und in Putins Russland mit dem gleichen Durchblickertum zu beklagen wie die Personal- und Strategieentscheidungen des Bundestrainers und die Ranwanz-Show der Öffentlich-Rechtlichen, inklusive süffisantem Hinweis auf die Deckmäntelchenfunktion des kritischen Sportjournalisten Hajo Seppelt. Schlimm. Aber, na ja.

Wie verhält man sich aber als Verteidiger der demokratischen und offenen Gesellschaften richtig – wenn man Trojanow für weltfremd hält und nicht nur lamentieren will?

Bitte nicht neben Putin lächeln

Vielleicht kommt pragmatische Rettung aus einer völlig unerwarteten Richtung, nämlich von den Grünen. Genauer gesagt von der Europaparlamentarierin Rebecca Harms. Sie ist Russland- und Ukraine-Expertin und wird an diesem Montag in Berlin für einen „politischen Boykott“ plädieren.

Heißt: Lass die Spieler spielen, lass die Fußballfreunde zuschauen, aber sorg’ dafür, dass die Politiker der demokratischen und offenen Gesellschaften nicht Teil der Fifa- und Putin-Show werden, indem sie lächelnd auf den Stadiontribünen neben dem russischen Präsidenten sitzen.

Quelle    :     TAZ         >>>>>        weiterlesen

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Grafikquelle     :

Oben   —     Wolgograd Arena (Foto: © Alexxx1979 / CC BY-SA 4.0 / via Wikimedia Commons)

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Unten    —     Skizze eines FuBK-Fernsehtestbildes, dieses wurde vor allem in Deutschland verwendet

 

 

Ein Kommentar zu “Gegen die Fifa protestieren”

  1. Stefan Weinert sagt:

    SCHLECHTES KARMA FÜR DEUTSCHES FUSSBALLTEAM UND FÜR DIE GESAMTE WM

    Immer deutlicher wird, dass es bei der Zusammenstellung des deutschen Kaders für die Fussball – WM 2018 nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann und die Nerven blank liegen. Oliver Bierhoff rastet aus, wenn er auf Gündogan angesprochen wird; Jogi Löw redet den völlig unverdienten Sieg der Deutschen gegen die Saudis (2:1) skandalös schön. Die einzig Vernünftigen gestern waren der junge Joschua Kimmich und der Co-Moderator der ARD, Thomas Hitzlsperger. Alles andere war Augenwischerei und gelogen. Ich bin dafür, dass Bierhoff und Löw ab sofort vom DFB suspendiert werden und sich der DFB bei Leroy Sanè und Nils Petersen für ihren Rauswurf entschuldigen. Wären die beiden gestern aufgelaufen, wäre ein verdientes 4:1 für Deutschland fällig gewesen. Denn wir dürfen nicht vergessen: Das gestrige 2:0 schoss ein Saudi, über dass sich Müller dann gaudihaft wie ein C-Jugendspieler am Boden liegend wie eine umgekippte Schildkröte freute. Gegen Österreich verdient verloren und gegen Saudi Arabien unverdient gewonnen. Nein Herr Löw, nicht allein das Ergebnis zählt, sondern vor allem das WIE. Ach ja, hätte in Halbzeit eins ein Torwart namens Bernd Leno zwischen den Pfosten gestanden, wäre das Spiel nicht anders ausgegangen und er hätte ganz gewiss auf das arrogante und überhebliche Balllupfen mit anschließendem Abschlag aus der Luft verzichtet. Oder wollte Neuer einfach nur demonstrieren: Hier seht, mein Mittelfuß hält das aus? Dass Manuel Neuer die deutsche Nummer Eins ist, ist eigentlich nicht zu glauben; und ein erfolgreicher und vor allem eingespielter Startorwart wie Marc-Andre ter Stegen, der nur 29 Gegentore zuließ und mit Barcelona Spanischer Meister mit 14 Punkten Vorsprung vor dem Zweiten wurde, als Vize das Nachsehen hat. Hätte Neuer Charakter, hätte er ter Stegen von sich aus den Vortritt gelassen. Wer aufmerksam zugeschaut hat weiß, dass die Stimmung im deutschen Kader mies ist und mit Gündogan und Özil zwei weitere Stimmungskiller für das deutsche Publikum mitfahren. Mein Tipp: Deutschland übersteht die Vorrunde nicht.Wie der DFB dann reagiert, steht allerdings in den Sternen. Doch die stehen jetzt schon schlecht – für die Deutsche „A“-Team.

    Dass die Sterne für die gesamt Fußball-WM jedoch gut stehen, könnte man dem Obergrinsen des Herrn Infantino entnehmen. Eine unglaubliche Arroganz der weltweiten Fußballgemeinde und eine ebensolche Ignoranz des unfreien Russlands gegenüber ist Spiegelbild unserer westlichen Gesellschaft. Wir alle machen es mit, dulden es zumindest. Ein eventueller Fernsehboykott von einer „handvoll“ Deutscher und/oder Europäer wird nix verändern. Der DFB hätte seine Mannschaft erst gar nicht an den Qualifikationsspielen für die WM 2018 teilnehmen lassen dürfen, um hier ein wirklich fifaveränderndes und durchgreifendes Exempel zu statuieren. Und sollte die WM für 2026 an den amerikanischen Kontinent und nicht an Marokko vergeben werden, dann sollte der DFB da jedenfalls nicht „mitspielen“.

    … DENN ES GEHT DOCH NUR UM GELD, SEX UND MACHT – WOBEI DER FUSSBALL NUR NOCH DEN LOCKVOGEL SPIELT. Und das ist gemein und fies: Denn ich zum Beispiel liebe seit meiner Kindheit und dem Straßenfussball das Fussballspiel, müsste aber wegen meiner gesellschaftlichen und politischen Einstellungen heute den Fernseher in den nächsten vier Wochen bei Fussballübertragungen aus Moskau, Sotchti und Co. dunkel lassen. Müsste, werde, kann, soll … Ne fiese Nummer ist das.

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