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Gefilzte Post

Erstellt von DL-Redaktion am Freitag 5. Juli 2013

Der/die  BriefträgerIn kommt – oder auch nicht

Archivforschungen können sehr brisante Ergebnisse zu Tage fördern. Das belegt die jüngste, höchst materialreiche Studie des Freiburger Historikers Josef Foschepoth. Für all jene, die die Entwicklung der Bundesrepublik unhistorisch als reine Erfolgsgeschichte verklären, muss diese Studie höchst ernüchternd sein. Denn, so Foschepoths Befund, von den Anfängen bis zum Beginn der 70er Jahre wurde in der Bundesrepublik auf der Suche nach „staatgefährdenden Schriften“ der gesamte Postverkehr aus der damaligen DDR sowie den anderen Ostblockstaaten beschlagnahmt, geöffnet und zum großen Teil vernichtet – nachweislich über 140 Mio. Postsendungen.

Hinzu kam eine anhand der Archivfunde nicht näher quantifizierbare Zahl von Postsendungen, die in der Bundesrepublik aufgegeben und ebenfalls von westdeutschen Amtsträgern aus dem Verkehr gezogen wurden; Foschepoth schätzt ihre Zahl auf durchschnittlich etwa 100 000 Postsendungen im Jahr.

Bis 1968 verübten diese schweren Grundrechtseingriffe alliierte Dienststellen unter unmittelbarer Mitwirkung deutscher Staatsbediensteter. Dies geschah über zentrale Aussonderungsstellen mit Schwerpunkten in Hamburg, Hannover, Bad Hersfeld und Hof, die von der deutschen Post- und Zollverwaltung gemeinsam betrieben wurden. Einschreibe-, Wert- und Eilsendungen wurden dezentral über die sogenannten Bestimmungspostämter „gefilzt“. Bis 1955 stützten sich die alliierten Dienststellen dabei auf ihre besatzungsrechtlichen Befugnisse, danach bis zum Jahre 1968 auf ihre im Deutschlandvertrag verankerten sogenannten VorbehaltsrecGefilzte Posthte. Diese bezogen sich nicht nur auf „Deutschland als Ganzes und Berlin“ sowie auf die Truppenstationierung, sondern auch auf Notstandsbefugnisse und umfassten eine Geheimdienstklausel. 1959 vereinbarte die Bundesrepublik zudem in Art. 3 Abs. 2 des Zusatzabkommens zum Nato-Truppenstatut eine vertragliche Regelung, die den Drei Mächten nicht näher bestimmte Befugnisse zum „Schutz der Sicherheit ihrer Truppen“ einräumte. Diese Regelung gilt bis heute fort.

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia

Zustellerin der Deutschen Post AG mit Fahrrad (2007)

Ein Kommentar zu “Gefilzte Post”

  1. Ossitussi sagt:

    Das ist so bekannt, oh Gott, da kommen die Erinnerungen wieder hoch.
    Westpakete verschwanden, kamen nicht an, wurden geöffnet, Teile des Inhaltes waren herausgenommen. Die Verwandten aus dem Westen versteckten dann immer die „Bravo“ im doppelten Boden. Mit viel Phantasie gelang es auch und die Post kam an.
    In meiner Stasiakte waren alle meine, von der Stasi kopierten, Briefe an die Westverwandtschaft. „Ossitussi“ war aber stets so schlau und schrieb nur Bla Bla Bla oder versteckte Botschaften mit Worten.
    Im Telefon knackte es, wenn man sprach. Dies war ein besonderes Knacken und jeder wußte, halt da hören sie wieder mit. Wir begannen dann die Jungs zu grüßen oder erzählen Schweinerein so von Frau zu Frau. Ach, irgendwie fehlt dies einem, lach. Aber es war schon irre, das muß man nicht verharmlosen. Der „Kalte Krieg“ ist beendet und was ist das heute?

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