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Frohe Botschaft zu 2020

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 25. Dezember 2019

Welch unerwartet frohe Botschaft zum neuen Jahr!

Pape François Parlement européen Strasbourg 25 nov 2014 09.jpg

Frage von Schulz: “ Mit wem habe ich die Ehre?“

Quelle         :   Scharf  —  Links

Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München.

Kurz vor Jahresschluss hat der unfehlbare Vertreter des christlichen Gottes auf Erden mit einem einzigen Satz ein für alle Mal festgestellt: „Wir haben keine christliche Leitkultur, es gibt keine mehr!“. Damit stellt der unfehlbare Papst der Catholica endlich fest, was deutschen Politikern und Kulturschaffenden so schwerfällt, nämlich die Realität unserer Gesellschaft zu akzeptieren und zur Grundlage ihres Handelns zu machen.

Spätestens seit einhundert Jahren (1919) müssen wir damit leben, dass die Deutschen nicht mehr unter einer christlichen Herrschaft leben und die Kirchen sich nur noch im Rahmen der für alle geltenden Gesetze bewegen dürfen. Die Franzosen haben das schon 50 Jahre früher (1870) konsequent vollzogen. Gleichwohl lenken viele Politiker und Kulturschaffende bei uns von ihrer Verantwortung durch den impertinenten Verweis auf eine christliche Leitkultur mit einer himmlischen Errettung ab, die seit nunmehr 2000 Jahren zwar versprochen, aber bislang nicht eingelöst ist.

Nicht wunderlich also, dass mittlerweile viele andere Weltanschauungen das Denken bei uns prägen und der Glaube keine Bedingung mehr für unser Sozialwesen ist bzw. auch nicht sein darf. Glauben ist Privatsache und darf zu keinerlei Zwang oder Privileg in Sachen unserer res publca führen.

Bezeichnenderweise verbindet der Papst seine nüchterne Feststellung mit der Aufforderung an die Kurie, sich wieder mehr um die Verkündigung und alle damit zusammenhängenden Dienste zu kümmern und sich nicht „in die Vergangenheit zurückzuziehen“ und an den Selbsterhalt zu denken. Also heraus aus dem Kokon aus dicht gesponnenen Gedankensekreten zum eifersüchtigen Schutz eigener Sitten und Gebräuche, hinaus in die Welt zur Verkündigung einer frohen Botschaft und zum Dienst an Armen und Bedürftigen, inklusive unfreiwillige Flüchtlinge. Da muss so manches Kurienmitglied mit riesigem Appartement im Vatikan und eilfertiger Bedienung durch Nonnen und Diener ins Grübeln und arge Angst geraten, das „Sichere“ aufgeben zu müssen. Ein besonders makabres Beispiel ist da die seinerzeitige diebische Elster von der Lahn, die an ihrer Gier nach Prunk und Glanz fast erstickt ist, bevor sie ins schützende Nest der Kurie in Rom flüchten durfte und jetzt dort ihr nunmehr verborgenes Unwesen treibt.

Aber auch Politiker und Kulturschaffende in unserer Gesellschaft sind jetzt bar ihres Schutzschildes einer nicht mehr existierenden christlichen Leitkultur und müssen sich ihrer Verantwortung mit gesellschaftstauglichen, weltlich ausgerichteten Argumenten und Aktivitäten gerecht werden, oder abtreten. Denn keine Leitkultur hat über Jahrhunderte so viel Elend und Tod über die Welt gebracht wie eben die Christliche, während sie gleichzeitig ihre Rettungsversprechen schlicht vergisst.

Da muss unsere aufgeklärte Gesellschaft ja geradezu aufatmen und jubeln, dass ihre beharrlichen Bemühungen seit der Zeit der Aufklärung nun durch die unerwartet frohe Botschaft aus Rom bestätigt werden. Endlich frei Durchatmen, endlich autonome Verantwortung für sich und die Gesellschaft, endlich die Menschenrechte als Richtschnur für unser Leben auf der Welt. Es könnte ein Gutes Neues Jahr werden. Prosit!

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Grafikquelle       :      Papst Franziskus beim Besuch des Europaparlaments in Straßburg

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