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Falsche Feindbilder

Erstellt von DL-Redaktion am Freitag 5. März 2010

Falsche Feindbilder

von Dieter Carstensen, Waldbröl

Liebe Leserinnen und Leser,

in unsicheren Zeiten neigen, nach allen soziologischen Forschungsergebnissen, viele Menschen zu einfach gestrickten Feindbildern. Die jüngste Sozialneidsdebatte zum Thema „Hartz IV, Lohnabstand und Mindestlohn“ belegt das nur zu deutlich.

Die mittlerweile sehr rechten Einpeitscher und Volksverhetzer einer gewissen Partei, die sich „liberal“ nennt, aber, in Sachen billigen Populismus, schon woanders als Haiders deutscher Nachfolgeableger bezeichnet wird, beweisen dies mit dem teilweisen Erfolg ihrer Haßtiraden gegen sozial Schwächere, nur zu deutlich.

Allerdings kommt man bekanntlich in einer immer komplexer werdenden Welt mit einfach gestrickten „Schwarz-Weiss Denkmustern“ m.E. nicht sonderlich weit.

Hier der „böse“ Kapitalimus, dort die „guten“ Linken, hier die „bösen“ soziale Hängemattennutzer, dort die „guten“ arbeitsamen Deutschen, die zu blöd sind, wie in 20 von 27 EU Staaten längst Realität, einen gesetzlichen Mindestlohn durchzusetzen.

Wer so polemisch und platt argumentiert, wird irgendwann auf die Nase fallen, ob er nun Guido Westerwelle (FDP) oder Sarah Wagenknecht (Linke) heisst.

Beide haben gemeinsam, daß sie Einpeitscher extremer, absurder und überholter politischer Vorstellungen sind, die zwar das jeweilige Randgruppenpotential bedienen, aber auf keinen Fall mehrheitsfähig sind, geschweige denn werden.

Zu Guido Westerwelle, dem neuen deutschen  „Heilsverkünder“, ist nichts weiter zu sagen! Wer so Zahlen verfälscht, Unwahrheiten verbreitet und polemisiert, ist am äussersten rechten Rand angekommen.

Schlimm ist, daß die Linke ihre Chancen jetzt nicht nutzt! Die online Zeitung „linksnet.de“ zitierte am heutigen Tage zum Thema,  „Die Linkspartei: Blick in den Abgrund“,  Albert Scharenberg in Blätter für deutsche und internationale Politik mit den Worten:

„Was für ein fulminanter Erfolg für „Die Linke“ bei der Bundestagswahl – und was für verheerende Konflikte seitdem.

Hatte die Linkspartei im Wahlkampf noch den Eindruck einer geglückten Vereinigung von PDS und WASG vermittelt, hat sich die politische Einigkeit seit dem 27. September 2009 als Chimäre erwiesen. Im anhaltenden Streit zwischen den Flügeln werden die tiefen Gegensätze sichtbar, die die Partei bereits zuvor trennten, jetzt aber in aller Klarheit zutage treten – und die Linkspartei zu zerreißen drohen.“

Solange in der West-Linken Menschen wie z.B. Sarah Wagenknecht, und / oder die linksextreme „kommunistische Plattform“, und andere extreme Splittergruppen immer wieder eine sachorientierte linke Politik mit fast allen Mitteln zu torpedieren versuchen, wird es nichts, mit einer dauerhaft ernstzunehmenden linken Alternative im Westen.

Der Journalist Klaus Bednarz bezeichnete in einer Talkshow Sarah Wagenknecht als „Neo-Stalinistin“, was die Sache wohl auf den Punkt brachte. Frau Wagenknecht klagte gegen diese Bezeichnung und verlor nach einem Bericht der „Magdeburger Volkszeitung“, Internet Ausgabe, vom 4.3.2010, Zitat:

„Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht darf als Neo-Stalinistin bezeichnet werden. Sowohl das Landgericht Hamburg als auch das Oberlandesgericht wiesen den Antrag der Bundestagsabgeordneten auf eine einstweilige Verfügung zurück.“

Dass die Linke mit solchen Leuten und ihren extremistischen Positionen nicht dauerhaft punkten kann, liegt genauso auf der Hand, wie dass die FDP sehr schnell wieder auf das ihr zustehende Klientelparteimaß zurückgestutzt werden wird.

Wer auf falsche, überkommene und an den Haaren herbeigezogene Feindbilder setzt, egal ob er sich links, liberal, konservativ oder sonstwie nennt, wird vielleicht kurzfristige populistische Erfolge erzielen, wenn er die tumben Gefühle, dafür anfälliger Menschen, in BILD Zeitungsstil mobilisiert, aber letztendlich damit untergehen.

Wie wenig überkommene Feindbilder heute taugen, beschrieb Jens Berger, in seinem Blog der Spiegelfechter, in dem Artikel „Der Anachronist und die Talkshow“, vom 3.2.10 bestens:

„Auf der einen Seite stehen die Ideologen der alten Welt – Arbeitnehmer und Arbeitgeber Seit´ an Seit´, sie appellieren an die Verantwortung, die sich aus Eigentum ergibt, an Anstand und Moral. Auf der anderen Seite stehen die marktfundamentalistischen Ideologen, in deren Welt das Recht des Stärkeren zählt und Verantwortung eine Bürde ist, die anachronistisch wirkt.“

Platt jeden Kapitalisten zu verteufeln, wie manche „Linke“ das tun, ist wohl alles andere, als zeitgemäß.

Das würde zum Beispiel einem Heiner Geissler (CDU) nicht gerecht, über den das Inetforum „gegen-hartz.de“ am 4.3.10 schrieb:

„In die aktuelle Debatte um die Hartz IV Arbeitsmarktreform meldet sich nun auch der ehemalige CDU Generalsekretär Heiner Geißler zu Wort. Geißler stellte auf einer CDU Bundesveranstaltung zu seinem 80. Geburtstag klar, dass die meisten Hartz IV Betroffenen händerigend eine Arbeit suchen, jedoch keine Stelle bekommen würden. Hartz IV, so Geißler, sei nichts anderes als „die in Paragrafen gefasste staatliche Missachtung dieser Menschen“. Heutzutage würden die Menschen nur noch als Kostenfaktor angesehen. Der CDU Politiker stellte fest, „es gibt keine soziale Marktwirtschaft mehr“. Zudem mahnte Geißler eine „ethisch begründete Wirtschaftsordnung“ an“

Fazit: Althergebrachtes „Schubladendenken“ sowohl von rechts, wie von links, führt heutzutage im Sinne konstruktiver Politik keinen Schritt nach vorne, sondern verhärtet auf Kosten der vielen verarmenden Menschen im Staate „Absurdistan“ nur die Fronten hin zu einer auswegslosen Situation!

Da ist wohl bei Vielen politischer Nachhilfeunterricht in Richtung einer Neubesinnung der altbackenen Positionen gefordert. Aber leider: „Umlernen ist schwieriger, als Neulernen“ (Kurz)

Mit freundlicher und ausdrücklicher Genehmigung von Jens Berger dokumentiere ich seinen Beitrag „Der Anachronist und die Talkshow“, in „DerSpiegelfechter.de“, vom 3.2.10, auf meiner Homepage als „Gastkommentar“, da dieser Beitrag den Anlass für meine Überlegungen lieferte.

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Bildquelle : [ aktuelles.archiv-grundeinkommen.de ]

 

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