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Linke in der Existenz bedroht

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 22. September 2016

Ex-Parteichef:
Linke in der Existenz bedroht

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Der frühere Landesvorsitzende Steffen Bockhahn fordert nach der Schlappe bei der Landtagswahl Strukturwandel und Neuanfang in der Partei. Die aktuelle Chefin Heidrun Bluhm spricht von einer „schweren Krise“.

Der Streit um die Zukunft der Partei Die Linke im Land spitzt sich zu: Nach dem schlechten Ergebnis bei der Landtagswahl mischt sich nun auch der frühere Landesparteichef Steffen Bockhahn aus Rostock in die Diskussion ein. In einer Art Analyse gibt er tiefe Einblicke in den Zustand seiner Partei. Er fordert ein „wahrnehmbares Profil“ – ein Schlag ins Gesicht der aktuellen Parteiführung. Andere Mitglieder stimmen in die Kritik ein.Bockhahns „Überlegungen zum Wahlausgang“, wie er einen Text nennt, den er im Internet verbreitet, schlagen Wellen. Er wolle keine Schulddiskussion führen, keine über falsche Wahlplakate oder einzelne Veranstaltungen. „Denn unsere Probleme sind viel tiefgreifender.“ Er wolle ein „Diskussionsangebot“ liefern. Die Linke hatte am 4. September mit 13,2 Prozent das schlechteste Wahlergebnis bei Landtagswahlen erzielt. Landesvorsitzende Heidrun Bluhm deutete in dieser Woche bereits personelle Konsequenzen an. Wann dies erfolgen solle, „das sagte sie aber nicht“, erklärt Bockhahn. Er stellt dem Landesverband die Frage, „ob ein Neuanfang mit altem Personal möglich ist“. Entscheidungen müssten jetzt „zügig getroffen werden“. Die Linke müsse sich wieder eine offensivere und klarere Kommunikation zulegen, so Bockhahn, kompromisslose Oppositionspolitik gegenüber SPD und CDU machen. Er sei erschreckend, dass der Partei bei Umfragen nur geringe Werte in vielen Kompetenzfeldern zugebilligt werden. Sein Fazit: „Der Absturz der Linken in Mecklenburg-Vorpommern ist existenzbedrohend.“ Es sei nicht alles falsch gemacht worden. „Aber vieles war nicht richtig.“

Parteichefin Bluhm wollte gestern nicht auf die neuerliche Kritik reagieren. Auch Fraktionschef Helmut Holter schwieg. Peter Ritter, Mitglied der Fraktionsspitze im Landtag, bewertet Bockhahns Einwurf als „inhaltlich untersetzt“. Ritter: „Das sind gute Gedanken für eine Debatte.“ Diese werde die Partei am Sonnabend beim Sonderparteitag in Güstrow nach einem „desaströsen Wahlergebnis“ führen. Ritter kündigt aber auch an: Die Fraktionsspitze werde „nicht zurücktreten“.Bluhm wirbt via Facebook um rege Teilnahme der Parteimitglieder: „Bitte beteiligt euch bei der Überwindung unserer schweren Krise.“ Als Antwort folgt eine Rücktrittsforderung an Partei- und Fraktionsspitze. „Wer soll da allen Ernstes erwarten, dass die selben Leute jetzt eine Kehrtwende vollziehen?“, reagiert Mareike Renner.

Quelle: Ostsee-Zeitung >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Steffen Bockhahn schwingt den Wischmopp.

Fraktion DIE LINKE. im BundestagFlickr: steffen wiro

 

5 Kommentare zu “Linke in der Existenz bedroht”

  1. O. Liebknecht sagt:

    Solange das Parteiestablishment – in Zeiten des Kalten Krieges „Nomen klatura“ genannt – welches auch die lukrativen Mandate besetzt, einfache Genossen (Narrod) lediglich als Plakateaufhänger und Wahlkampfhelfer ansieht und behandelt, solange wird die Partei in der breiten Basis vor die Hunde gehen! Solange beim Parteiestablishment nur die Genossen gut angesehen sind, deren geistige Fähigkeiten nicht ausreichen um ein gelbes Loch in den Schnee zu machen, solange wird sich der Wähler fragen: „????“ und sein Kreuz sonstwo machen.
    Was war es 2005 für eine wunderbare Aufbruchstimmung! Was waren es Kreis- und neugegründete Ortsverbände die lebendig waren, die Initiativen vor Ort starteten, die sich einmischten und eingefahrenen Strukturen aufmischten, was für Chancen….
    Und heute? Fähige, kreative und querdenkende Genossen wurden entsorgt. Teils still und heimlich rausgemobbt, teils – wie öfter in Saarbrücken – lauthals und mit öffentlichkeitswirksamen Auftritten, auch hier auf dl.
    Und jetzt kommen diese Mandatsträger im Saarland – bei einigen fehlen im März 17 noch 6 Monate für die Pension als MdL, d. h. Verteidigung der Stellung um jeden Preis – und bejammern die Risse und Gräben in der Parteibasis. Übrigens: es ist die Basis die die Partei ausmacht – aber sowohl diese Weisheit als auch die Basis sind halt von so hoch oben kaum noch wahrzunehmen. So muß dann viel Geld in die Hand genommen werden um die Manpower für die anstehenden Wahlen noch irgendwie herzuzaubern. Hätte man jetzt noch die Genossen und den Auftrieb von 2005… lol!
    Mal sehen wer im April 17 an der Saar das gleiche von sich gibt wie jetzt Stefan Bockhahn.

  2. Albert S. sagt:

    #1 – Zitat „vor die Hunde gehen…“ Je schneller desto besser!

    Die Wähler machen ihr Kreuz bei der AfD, denn die Linke hat ihren Sinn für Protestwähler verloren.

    Die Gräben in der saarländischen Parteibasis haben O.L. und sein Ausputzer R.L. aufgerissen.

    Für einen normal denkenden Menschen ist es absolut hirnrissig, wenn die „Sektenanhänger“ vor „KleinNapoleon“ fast in die Knie gehen.

    Zitat: „Teils still und heimlich rausgemobbt…“ – das trifft den Nagel nur teilweise auf den Kopf.

    Man erinnere sich nur an das große Entsorgen der Anfechter der Landtagswahl 2009 und welche Zermürbungstaktik da ganz offen gefahren wurde.
    An dieser Zermürbungstaktik hat sich bis heute nichts geändert (s. Bayern und RLP).
    Das Parteiestablishment in Berlin nimmt das alles billigend in Kauf.

  3. Niewtor sagt:

    Man sollte diese „Jammer-Bagage“ auf den Mond schießen.

  4. AntiSpeichellecker sagt:

    #1

    Zitat: Und jetzt kommen diese Mandatsträger im Saarland – bei einigen fehlen im März 17 noch 6 Monate für die Pension als MdL, d. h. Verteidigung der Stellung um jeden Preis – und bejammern die Risse und Gräben in der Parteibasis.

    So ist es in vielen Teilen der Partei.
    Es wird aber zugelassen, weil die, die es ändern könnten auch nur an ihre eigenen Interessen denken.
    Es lebe das Motto in der Linken: Wenn jeder an sich selbst denkt, ist auch an alle gedacht.

  5. Exespenhainer sagt:

    #1 Schon im Vorfeld des 17.Juni 53 regte sich in der Arbeiterschaft der „Zone“ heftiger Protest gegen die hohen Gehälter der Partei-und Gewerkschaftsfunktionäre.

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