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Eine Talkshow im Zweiten !

Erstellt von DL-Redaktion am Freitag 6. Juli 2012

Politiker eben ! Idiotische Erklärungen für Idioten

File:Wagenknecht, Sahra, 2013.JPG

Da durften wir sie wieder einmal bewundern, die Ikone der LINKEN mit Namen Sahra Wagenknecht. Es war eine Runde wie immer, gestern Abend im ZDF, nichts Besonderes. Belegt wurden die üblichen Allgemeinplätze, wenn es um den Kapitalmarkt geht und die Fragestellung der Gastgeberin Maybrit Illner war sehr rücksichtsvoll und nur wenig kritisch. Es ist schon auffällig, dass in solchen Sendungen die den Zuschauer interessierenden Fragen nicht gestellt werden und dementsprechend nicht beantwortet werden können.

Überzeugend und klar waren wie immer, wenn es um das Kapital geht, auch die Aussagen zur Sache von Sahra Wagenknecht, welche sich schon ein großes Wissen über die Vorgänge auf den Kapitalmarkt erarbeitet hat. Eine gute Verkäuferin ihrer Themen zum Vorteil ihrer Partei stellt sie damit aber nicht da. Das Ganze hört sich, da zu wenig pointiert und nuanciert, eher wie ein stereotypes herunter Gerassel eines einstudierten Textes an. Da kommt keine Empathie auf, da schwingen keine Gefühle mit.

Wo bleibt der Humor oder auch Witz einer Vortragenden, die Herausforderung die Zuhörer mit Worten an sich fesseln zu wollen, so das der Bedarf nach Mehr geweckt wird? An und für sich ein Plus, eine Marke von Linken Intellektuellen. Je trockener der Stoff und schwieriger das Thema, um so wichtiger ist eine Auflockerung der oder des Vortragenden. Das schafft aber auch Lafontaine nicht und damit haben beide die große Gemeinsamkeit eines unterschwelligen Fanatismus. Als positives Beispiel sei hier einmal Gregor Gysi genannt.

Die Auflockerung gestern kam dagegen ausgerechnet von einen Konservativen in der Person von CDU-Mann Wolfgang Bosbach. Mitten in der Sendung erzählte dieser folgenden Witz: Der Junge erzählt darin seiner Mutter, er habe heute zwei Euro gespart, weil er dem Bus hinterhergelaufen sei. Die Mutter entgegnet: „Wärst du dem Taxi hinterhergelaufen, dann hättest du sogar zehn gespart.“

Dabei wird Bosbach mit Sicherheit nicht zum erzählen von Witzen eingeladen. Aber er schafft es in diesen Runden die so wichtige Lockerheit einzubringen. Er hat die Fähigkeit der launischen Zuspitzung, den Mut zum Jovialen welche heute für den Zuhörer so wichtig ist. Wird doch durch diese Art des Vortrages ein für viele Zuschauer sehr schwer verständliches Thema plötzlich  interessant und bekommt erst so die entsprechende Aufmerksamkeit.

Genau das ist der Punkt an welchen es den heutigen LINKEN an jeder Ecke und an jedem Ende  fehlt. Das Lachen über sich selbst, über die eigene Unvollkommenheit, dass Eingeständnis über die Unwichtigkeit des Einzelnen womit wir dann ja auch schon beim Sozialismus wären welchen diese verkaufen möchten. Ein jeder in der LINKEN hat die Weisheit mit dem Löffel gefressen, muss immer im Recht sein und und sieht nur seinen eigenen Weg als den alleinigen richtigen an. Fahrt in die Welt hinaus und seht euch die Vielzahl der zur Verfügung stehenden Wege an.

Wie heißt es heute in der Zeitung Welt online: „Denn das Zugeknöpfte, Steife, ja Humorlose, das bisweilen in den kühl formulierten, aber wie immer scharf zugespitzten Sätzen Wagenknechts durchscheint, kam angesichts von Bosbachs Bus-Witzen nur noch deutlicher zum Vorschein.“

Den Vogel des Abends schoss allerdings Michael Kemmer, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken ab. Dieser sah den  Anteil fehlerhafter Beratungen in den Filialen als sehr gering an, welche aber immer noch als Stoff für „Krawallsendungen wie Panorama oder Monitor“ ausreichend sei.

So schön kann Talk sein, wenn Lobbyisten mal die Maske fallen lassen und wenn das sorgsame Gegeneinandergerede mal einen kleinen, kurzen Blick in die Hinterzimmer der Macht erlaubt und in die Denkweisen, die man dort offensichtlich pflegt.

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Grafikquelle   :

Author Wolkenkratzer / Own Work

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3 Kommentare zu “Eine Talkshow im Zweiten !”

  1. OscarsLiebling sagt:

    Anfangs war ich ein Fan von Sahra; mittlerweile geht mir das Geleier der Schallplatte gehörig auf den Keks.

  2. Iwan sagt:

    Überzeugend und klar waren wie immer wenn es um das Kapital geht, auch die Aussagen zur Sache von Sahra Wagenknecht welche sich schon ein großes Wissen über die Vorgänge auf den Kapitalmarkt erarbeitet hat.
    Schön, dass Sahras Kompetenz unstrittig ist. 🙂
    Aber da man ja das Haar in der Suppe finden muss, war sie nicht „humorvoll“ genug. Mir ist Kompetenz wichtiger als platte Witze. Bei euch mag das ja anders sein.

  3. Diogenes sagt:

    #1: Wozu die Häme? –
    Ich bewundere Sahra Wagenknecht wegen ihres Wissens und Verstehens um das Kapital und inzwischen auch wegen ihrer Rhetorik. Die LINKE verfügt kaum über eine bessere Finanzpolitiker(in). Beschämend in der Sendung war, wie neoliberale Vertreter durch Dazwischenreden sie wiederholt mundtot machten – Methode wird wohl bei CDU-Seminaren gelehr -, ohne dass die Moderatorin eingegriffen hätte.
    Was ich jedoch nicht wünsche, ist, dass Sahra Wagenknecht Bundesvorsitzende oder GF der Fraktion wird, weil ich bezweifle, dass sie die zur Führung erforderlichen Eigenschaften besitzt, z.B. „führen“ zu können, klare – nicht-kommnunistische – Ziele zu setzen, die Gruppe durch Überzeugung „auf Linie“ zu bringen, Kompromisse schließen zu können, Ost-West auszusöhnen, Gegensätze auszugleichen etc..
    Der offenbar unüberbrückbare Gegensatz zu Gregor Gysi ist jedenfalls kein gutes Omen.

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