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Eine grüne Frage ?

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 15. Juni 2019

Der politische Jahrhundertwechsel

Von Peter Unfried

Was haben Rechtspopulismus und Fridays for Future gemeinsam? Sie greifen den Status quo der liberalen bürgerlichen Gesellschaft an. Also uns.

Die liberale bürgerliche Gesellschaft, wie wir sie kennen und zu der wir gehören, wird jetzt von zwei Seiten angegriffen. Auf der einen Seite greift eine rechtspopulistische Bewegung an, die ökonomische Globalisierung und emanzipatorische Liberalisierung rückgängig machen möchte. Auf der anderen Seite attackiert die Jugendbewegung Fridays for Future, die sozialökologische Zukunftspolitik fordert. Die einen wollen nach hinten, die anderen wollen nach vorn, aber beide protestieren gegen die eigene Zukunftslosigkeit.

Diese Zukunftslosigkeit wird für beide Seiten verkörpert von den Parteien, die die Bundesregierung bilden, Union und mehr noch die SPD. Die Hoffnungsfläche für Rückwärts ist die AfD, jene für Vorwärts (sic!) sind die Grünen. FDP und Linkspartei haben und finden in dieser Konstellation derzeit keine Rolle.

Wir haben es – um 20 Jahre verspätet – mit dem Versuch eines gesellschaftlichen Jahrhundertwechsels zu tun, der 1998 verpasst wurde. Umso bemerkenswerter ist es, dass beide Koalitionspartner in den letzten Wochen ihr Möglichstes tun, um den Leuten klarzumachen, dass sie den Schuss nicht hören können oder wollen. Das ist nicht lustig, sondern erschütternd, wenn die beiden Parteien, denen die Bundesrepublik Einigkeit, Recht, Freiheit und Wohlstand verdankt, dahinsiechen wie alzheimerkranke Eltern, die nur noch in lichten Momenten wirklich im Jetzt sind.

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Aber auch die Mediengesellschaft tut sich schwer, die Veränderung intellektuell zu ertasten. Einige beklagen, dass andere die Grünen ins Kanzleramt schreiben wollten. Als ob das das Problem des Planeten wäre. Quatsch: Teile der Gesellschaft möchten, dass die klimapolitische Ignoranz schleunigst ein Ende hat, darum geht es.

Das mit dem Vorwurf des weiblichen Habeck-Fantums abbügeln zu wollen, ist echt unterkomplex. Der grundlegende Irrtum besteht darin, dass die digitalisierte Mediengesellschaft sich noch an Leitartikeln, Titelstorys oder gar konzertierten Aktionen von Printmedien orientieren würde. Das ist wirklich passé. Die Jungen agieren sowieso in einem anderen Kommunikations- und auch Denksystem.

Quelle           :       TAZ             >>>>>             weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben        —       Wellington (Neuseeland), 15. März 2019

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Unten      —     Fridays for future, Berlin, 2019-03-29

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