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Vom Schatten einer Reise

Erstellt von IE am Freitag 6. September 2013

Ein Reisender und Redender Gauck

„Die Wissenden reden nichts, und die Redenden wissen nichts“. So lautet ein altes chinesisches Sprichwort, welches Gauck hätte bekannt sein können?

Und wenn ihr nicht alle werdet wie wir Deutschen, werdet ihr nicht in den Himmel einziehen. Gerade so hätte Gauck sich in Frankreich auf seinen Staatsbesuch äußern können. Den gleichen Wortlaut hat der pastorale Verkünder allerdings nicht gebraucht. Den Himmel hat er schlicht ausgelassen, vielleicht vergessen, oder lebt er bereits darin, geistig, in seinen eigenen?

Aber ansonsten ist es schon verwunderlich, was ein Pastor so alles wissen will. Nun betätigt er sich auch als Ökonom und versucht so Europa, den Deutschen und hier besonders Merkel zu folgen. Der gemeinsame Stallgeruch ist nicht zu verleugnen. „Ich repräsentiere ein anderes Deutschland“ wusste er in Oradour zu sagen, um im Anschluss Frankreich zu weiteren Reformschritten aufzufordern. An einer Gedenkstätte für vergangene Missetaten machte er die Franzosen darauf aufmerksam, dass Deutschland heute zwar anders, aber wieder einmal auf einem allein richtigen Weg ist! Gauck’sche Diplomatie!

Vom Schatten einer Reise

Bundespräsident Joachim Gauck gedenkt in Frankreich der Opfer eines SS-Massakers. Und preist bei der gleichen Reise Deutschland als großartiges Vorbild zur Bewältigung der Eurokrise

Was hatte Angela Merkel sich angestrengt, ihn nicht über sich zu haben – und nun ist Bundespräsident Joachim Gauck ihr bester Mann: Mit seiner Frankreichreise hat er erneut unter Beweis gestellt, wie gut er sich mit der Kanzlerin ergänzt. Die Bilder seines Gedenkbesuchs in Oradour – als erster deutscher Bundespräsident – zusammen mit Frankreichs Präsident François Hollande und mit Robert Hédras, dem 87-jährigen Überlebenden des SS-Massakers, sind um die Welt gegangen: weil die Welt nicht vergessen will; und weil sie vor allem nicht will, dass die Deutschen vergessen.

Wer als Deutscher die Stätten des Terrors besucht und kein ausgewiesener Neonazi ist, wird sich der Scham, der Beklemmung und auch des Zorns über seine Väter, Groß- und inzwischen auch Urgroßväter nicht entziehen können. Und es wäre abseitig zu behaupten, „Entsetzen, Erschütterung und Demut“, die Gauck in Oradour, die er bei seinen vorhergehenden Besuchen im tschechischen Lidice und im italienischen Sant’Anna di Stazzema empfand, seien der routinierten Gedenkrhetorik des Politprofis entsprungen: Es ist schwer an diese Orte zu gehen, das soll es ja auch sein; und es liegt, wie bei Merkels kürzlichem Besuch in Dachau – als erste amtierende Bundeskanzlerin- nicht im Ermessen der Täter und ihrer Nachkommen, ob sie hier herkommen dürfen, sondern in dem der Vertreter der Opfer.

Die obersten Repräsentanten der Deutschen machen also keine schlechte Figur, wenn sie zurückschauen. Aber wenn nun der Blick wieder nach vorne geht – was sehen sie dann? „Ich repräsentiere ein anderes Deutschland“, sagte Joachim Gauck, und trotz NSU, NPD und national befreiter Zonen wird da kaum einer widersprechen. Doch der Bundespräsident hatte noch mehr im Gepäck für die Franzosen: Sein Besuch solle eine Ermutigung zu weiteren Reformschritten sein, sagte er.

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