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Ein Blick ins Blocher Land

Erstellt von IE am Mittwoch 7. Dezember 2011

Unsere Nachbarn – die Schweizer

Ja, die Sprüche sind fast immer die gleichen und nur die narzisstischen Personen unterscheiden einander. Wir sind ja auch Nachbarn, die Schweizer und wir Deutschen. Was dem Einen also seinen Blocher ist des Anderen seine Merkel wobei die Zuträger aus dem Hinterhalt dabei auch nicht zu vergessen sind, da diese ebenfalls zu den schwer Verdaulichen Protagonisten gehören.

Bei uns im Lande Po-fallert ab und an ein wenig herunter, aber große Sorgen bereitet dieses an und für sich nicht, da aus einen bestehenden Leerraum heraus nicht allzu viel fallen kann. Und das die Wiederentdeckung des Sprachgebrauch Deutsch in Europa von manch einen in der Schweiz mit Kauder-Welsch verwechselt wird, ist so überraschend ja auch nicht.

Plakate auf denen Mosleme über Nationalflaggen trampeln mögen für Blocher noch ausreichend sein, hier im Lande sind diese Zeichen bei weitem nicht mehr nötig, da dergleichen Symbole bereits Teil mancher Gehirne geworden sind, wo dann nur noch die Marschmusik benötigt wird um dergleichen Standarten tragende Roboter nach Links oder Rechts in Bewegung zu setzen. Auch über Einkommensverluste machen sich die meisten Bürger hier, im Gegensatz zur Schweiz kaum noch Gedanken, der gesamte Staat kann ehe nur noch auf Pump existieren.

So konnte dann auch der Bodensee und der Rheinfall als Grenze die Schweizer Bürger nicht daran hindern zwei neue Parteien als die wahren Gewinner der Wahlen hervorzuheben. Das bei einer Wahlbeteiligung von 49,6 % gleich die Einstellung einer 36 Jahre alten Rekordmarke gefeiert werden kann, lässt uns die Schweizer gleich noch Sympathischer erscheinen. Laufen doch auch bei uns noch viel zu viele Wähler politischen Leer-Verkäufern  hinterher.

Ausgeblochert in der Schweiz?

Die Prognosen für die Schweizer Parlamentswahlen – Nationalrat (Volksvertretung) und Ständerat (Vertretung der Kantone) – waren eindeutig: Dem gesamteuropäischen Rechtstrend folgend, erwartete man einen weiteren Erfolg der Schweizerischen Volkspartei (SVP) Christoph Blochers, der mit seinen europa-, ausländer- und besonders islamfeindlichen Kampagnen in ganz Europa bekannt wurde und an der zügigen Zerstörung des Restansehens der Schweiz fast so effizient arbeitet wie das kriminelle Geschäftsmodell Steuerbetrug der Schweizer Banken und deren Bankgeheimnis. Blocher führte den Wahlkampf denn auch mit mehr Geld als alle anderen Parteien zusammen und mit publizistischer Unterstützung von Lokalblättern sowie der am rechten Rand des politischen Spektrums operierenden Zürcher „Weltwoche“ – und zwar mit einer scharfen Kampagne „gegen Masseneinwanderung“.

Diese unterbot, indem sie „die“ Migranten explizit als Zielscheibe benützte, sogar noch das Niveau der Initiative zum Verbot des Baus von Minaretten. Wer vor den Wahlen den Zürcher Hauptbahnhof betrat, sah Plakate, auf denen schwarz bekleidete Menschen, von denen man nur die Beine und die schweren schwarzen Stiefel erkennen konnte, über die rot-weiße Flagge mit dem Schweizerkreuz hinweg trampeln. Darunter der demagogische Slogan: „Jetzt ist genug! Masseneinwanderung stoppen. Damit wir weniger kriminelle und gewalttätige Ausländer in der Schweiz haben!“ Die SVP-Kampagne spielte mit den Ängsten der Bevölkerung vor Einkommensverlusten in der kapitalistischen Krise ebenso leichtfertig wie mit den angeblich schwindenden Bildungschancen der Kinder. Die Botschaft: Gegen Ausländer, „damit Ihre Kinder nicht die einzigen Schweizer in der Klasse sind!“ Und schließlich die verbale Ausbürgerung als Wahlversprechen: „Wer für die Schweiz ist, muss SVP wählen.“

Doch obwohl die Schweizerinnen und Schweizer den SVP-Parolen tausendfach auf den Plakatwänden begegneten, folgten sie den dumpfen Rattenfängersprüchen nicht. Im Gegenteil: Sie verpassten der Partei am 23. Oktober eine schallende Ohrfeige. Zwar titelten überraschte Kommentatoren am Montag noch etwas umtriebig-voreilig: „Klarer Sieg für Rechtspopulisten“,[1] aber ein Sieg sieht denn doch anders aus: Erstmals seit 1991 erlitt Blochers SVP einen herben Rückschlag. Sie verlor acht von 62 Sitzen im Nationalrat sowie 3,6 Prozent der Stimmen und verfehlte damit ihr erklärtes Wahlziel, in der kleinen Kammer (Ständerat) Sitze hinzuzugewinnen. Blocher selbst kandidierte in Zürich als Ständerat, wurde aber mit 26000 Stimmen Rückstand nur Dritter und muss in die Stichwahl, bei der er nach Lage der Dinge keine großen Chancen hat. Auch Parteipräsident Brunner muss in die Stichwahl. Der intellektuelle Urheber der Minarettinitiative – Ulrich Schlüer – wurde gar nicht mehr in den Nationalrat gewählt. Mehr als die Hälfte der 15 von den großen vier Parteien (Sozialdemokraten, Christdemokraten, Liberale und Volkspartei) verlorenen Sitze gingen zu Lasten der SVP. Ein ziemlich hoher Verlust in einem Land, in dem Sitzverschiebungen traditionell nur sehr gering ausfallen.

Quelle : Blätter >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :    Christoph Blocher am Eidgenössischen Trachtenfest 2010

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