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Dummheit und Stolz

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 27. Mai 2020

Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz

Archivo:Wm 2006 autokorso.jpg   

Quelle      :         Scharf  —   Links

Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

In einem am 20. Mai 2020 veröffentlichten Dokument mit dem Titel „United States Strategic Approach to The People’s Republic of China“ zeigt die US-Administration auf, wie sie sich ab sofort gegenüber der Volksrepublik China verhalten will, nämlich mit (1) Schutz des amerikanischen Volkes, der Heimat und des Lebensstils, (2) Förderung des amerikanischen Wohlstandes, (3) Bewahrung des Friedens durch Stärke und (4) Vorantreiben des amerikanischen Einflusses. Das stellt eine radikale Wende der amerikanischen Politik gegenüber China seit dem Beginn der diplomatischen Beziehungen 1979 dar.

Seinerzeit strömten US-Firmen in Scharen in das sich langsam öffnende China, um dort Produkte aller Art billig herstellen zu lassen, und sie dann weltweit teuer zu verkaufen. Geradezu blindwütig wurden alle möglichen Verträge geschlossen, nur um schnell große Profite zu erzielen. Die Chinesen freuten sich natürlich über diese in diesem Umfang nicht erwarteten Starthilfen für ihre Wirtschaft und sahen sich in ihrer Politik der Öffnung bestätigt. Langsam, aber sicher ging es allen Chinesen besser.

Die Amerikaner hatten dabei in ihrer Naivität und Arroganz ignoriert, dass sie mit ihrer Produktionsverlagerung nach China auch ihr technisches Know-How preisgeben würden. Auch hatten sie sich in keiner Weise mit der chinesischen Kultur beschäftigt, in der es als eine Tugend gilt, dem guten Beispiel nachzueifern, im normalen Leben ebenso wie bei der Herstellung von Werkzeugen und Maschinen. Das Schießpulver haben bekanntermaßen nicht die Amerikaner erfunden.

Die damit vorgegebene America-First-Politik trifft aber auch just in eine Zeit, in der global der Verlust der amerikanischen Führerschaft offensichtlich ist. Die Corona-Pandemie zeigt überdeutlich, dass Geld und Macht allein nichts bewirken können. Bei aller Unterschiedlichkeit der Systeme bedarf es der internationalen Verständigung zur Bewältigung grenzenlos virulenter Pandemien oder kultureller und wirtschaftlicher Probleme. Mit einer egozentrierten, nationalen oder gar nationalistischen Politik kann man kein Volk mehr schützen, keinen Wohlstand fördern, der heute mehr denn je von internationalen Beziehungen abhängt, keinen Frieden durch Macht bewahren, es sei den durch diktatorische Gehabe, und auch keinen langfristigen nationalen Einfluss anderswo fördern, wenn man dem Anderen nicht mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet.

Man mag mit der aktuellen chinesischen Politik nicht einverstanden sein, aber dann sollte man das konkret begründen und entsprechend handeln, also z.B. keine Produkte „Made in China“ mehr kaufen. Schnell würde man hinnehmen müssen, dass Wohlstand und Wohlbefinden in vielen Bereichen wegbrechen, so z.B. in der Telefonie, bei Computern und vielen noch nationalen Produkten, die aber von Zulieferteilen aus China abhängig sind, ganz zu schweigen von Medikamenten, die von stolzen und profitorientierten heimischen Unternehmen nicht mehr produziert werden. Jede auf Dummheit und Stolz basierte, nationale Politik muss insbesondere nach der Bewältigung der aktuellen Corona-Pandemie scheitern. Die Geschichte zeigt uns eindringlich, dass nationale Alleingänge letztendlich immer gescheitert sind.

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Grafikquelle   :          Autokorso in Moers, nach dem Erreichen des Viertelfinals der Fußballweltmeisterschaft 2006 der deutschen Mannschaft.

Autor Elke Wetzig (Elya)

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Ein Kommentar zu “Dummheit und Stolz”

  1. Bremer der Zweite sagt:

    Eine gute Betrachtung von Georg Korfmacher zum aktuellen Verhältnis USA und der VR China.
    Sowohl die Menschen in den einzelnen EU-Mitgliedsländern sind die mehr oder weniger Betroffenen des Ausgangs dieser ökonomisch / militärischen Auseinandersetzung.Deshalb betrifft uns Alle diese Entwicklung. Der letzte Satz von Herrn Korfmacher zeigt auf, wie ohnmächtig die Bürger Innen der National-Staaten zusehen und hoffen müssen, dass die „Machthaber“ der Staaten „das Ding“
    konkret – unser aller Leben – nicht an die Wand fahren.

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