DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

Diskurs nach Chemnitz

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 3. September 2018

Die Lüge von der Grenzöffnungskanzlerin

Eine Kolumne von

Dass links wie rechts in etwa das Gleiche sind, auf dieser falschen Geometrie beruht eine gefährliche Form des politischen Denkens in Deutschland. Um sie aufrechtzuerhalten, kommen Lügen und Fake News ins Spiel.

Die Probleme dieses Landes sind geometrisch, und das ist eine gute Nachricht. Denn dann gibt es ja keine Gefahr für die Demokratie, dann bleiben es doch alles besorgte Bürger, die sich eben gerade rechts aufstellen, während sich andere links aufstellen – so ist das Gleichgewicht des Erschreckens. Das sagen jedenfalls all die, die sich gerade wieder in dieser traditionellen deutschen Disziplin üben, dem symmetrischen Verdrängen.

Stichwortgeber für dieses Denken und damit Spindoktor für vieles, was zu Chemnitz gesagt wurde, von „Frankfurter Allgemeine“ und „Welt“ bis „Bild“, ist Ernst Nolte. Der Historiker baute seine Theorie des Faschismus darauf auf, dass der Faschismus vor allem ein Antimarxismus sei, also eine Reaktion auf eine linke Provokation, möglicherweise sogar eine nötige Reaktion. Anfang und Ursprung des deutschen Mordens zwischen 1933 und 1945 wurden damit gewissermaßen exportiert, in ein historisches Nirwana, und deutsche Schuld und Verantwortung muss man demnach überhaupt auch noch einmal anders diskutieren.

Dieses Muster durchzieht alle Entschuldungsdiskurse der vergangenen Jahrzehnte, wenn es etwa um Dresden geht, das 1945 von den Engländern zerstört wurde, während das englische Coventry schon 1940 von den Deutschen zerstört wurde. Immer ging es um die Frage, ob die Deutschen nicht doch Opfer waren. Immer ging es darum, geschichtliche Fakten zu verdrehen und Kausalitäten zu konstruieren, die ganz offensichtlich falsch waren. Immer ging es schließlich darum zu behaupten, dass links und rechts doch irgendwie das Gleiche seien und sich das eine als Reaktion auf das andere erklären ließe.

Und dass links und rechts in etwa das Gleiche sind, ist ja leicht zu verstehen, da muss man sich nur seine Hände anschauen, die meist auch gleich weit vom Körper entfernt sind und auch ähnlich, nur andersherum. Die Logik dieser Vergleiche, der Methode Nolte, ist, dass sie ohne lästige inhaltliche Fragen auskommen, dass man mit holzschnittartigen Schablonen statt mit Argumenten hantieren kann, dass man überhaupt erst einmal von den eigentlichen Ereignissen, von Schuld und Verantwortung ablenken kann.

Falsche Geometrie von links und rechts

Das war der Sinn vieler Leitartikel (oder besser: Nebelkerzen), die nach diesem Muster verfuhren. Da wurde in gleichem Atem über Linke und die Antifa geschrieben, mittlerweile der rechtsnationale Platzhalter schlechthin für alles, was von rechtsextremer Gewalt ablenken soll. Mein Kollege Sascha Lobo hat schon darauf hingewiesen, ich möchte es noch mal tun, weil die Heuchlerei allzu groß ist: Donald Trump – und damals war die Empörung zu recht vehement – hat nichts anderes getan, als er nach den rassistischen Ausschreitungen von Charlottesville vor einem Jahr frech meinte, es gebe „bad people on both sides“.

Nichts anderes hat nun etwa die FDP getan, die sich besonders stark machte für die Verschleierung von geschichtlichen Kategorien oder moralischen Prämissen. Antifaschisten sind für sie auch nur Faschisten, und überhaupt haben sie, wie so viele, die sich in den vergangenen drei Jahren dazu äußern, die Fake News übernommen, die sie zur Grundlage ihres Kampfschreis „Merkel muss weg, Merkel muss weg“ gemacht haben: Die Grenzöffnung vom Sommer 2015, genau vor drei Jahren, die keine Grenzöffnung war, weil die Grenzen offen waren, so wollte es das geltende europäische Recht.

Quelle     :         Spiegel-online         >>>>>        weiterlesen

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Grafikquelle      :

Grafikquelle  :   Tobias M. EckrichFlickr: http://www.flickr.com/photos/digitalcourage/9691359025/in/set-72157635372016963

  • CC BY 2.0
  • File:Freiheit statt Angst Berlin 07.09.2013.jpg

Ein Kommentar zu “Diskurs nach Chemnitz”

  1. Franz Petersmann sagt:

    Natürlich behaupten Linke, wie auch Jakob Augstein, daß Fakten von den anderen verdreht werden. Aber ich erlebe es immer wieder, wenn ich auf linken Seiten die Faktenlage richtig stellen will, daß meine Kommentare nicht freigegeben werden.
    Am 3. September erklärten Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg und einen Tag später ging es los mit den Bomben über Deutschland. Allerdings waren in Cuxhaven keine Schäden und in Wilhelmshaven nur geringfügige Schäden zu verzeichnen. Wenn ich aber an diese frühe Kriegserklärung der Engländer und Franzosen denke, fällt mir dazu auch das Life-Magazin vom 15. April 1940 ein, wo über ein Treffen des französischen Premiers mit dem stellvertretenden US-Außenminister berichtet wird. Auf der Seite 30 wurde unter der Überschrift Map Scare (Karte des Schreckens) im Hintergrund eine Landkarte gezeigt, welche die Kriegsergebnisse schon vorweg nimmt.
    https://books.google.de/books?id=uz8EAAAAMBAJ&lpg=PP1&hl=de&pg=PA30#v=onepage&q&f=false

    20.3.1940: Kiel und Hörnum auf Sylt werden mit 110 Spreng- und Brandbomben angegriffen. usw. usf.
    15. Juli 1940:
    https://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/bad_lippspringe/20514056_Erster-Luftangriff-auf-Bad-Lippspringe.html

    Dann kam es am 24.August 1940 zu einem folgenschweren Zwischenfall der deutschen Luftwaffe, wo durch ein Versehen die Londoner Innenstadt angegriffen wurde. Eigentlich hatten Flugzeugfabriken attackiert werden sollen:
    https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article145416934/Ein-Irrtum-loeste-den-Bombenkrieg-gegen-Staedte-aus.html

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