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Die Wahlverweigerer

Erstellt von IE am Mittwoch 12. Juni 2013

Welzer und die Köchinnen

Da hat sich die Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Allensbacher Demoskopie Institut ja was tolles ausgedacht. Gut 100 Tage vor den Wahlen prognostizierte sie einen weiteren Rückgang der Wahlbeteiligung da die Wähler zu gleichgültig geworden seien.

Natürlich sei die Zufriedenheit der Deutschen mit der Demokratie gestiegen, und die BürgerInnen blieben den Wahlen auch nicht aus Frust oder Protest fern. Kurzum Die bildungsfernen (Doofen) blieben zu Hause da sie Demokratie nicht verstehen, und die Eliten, Dr. und Professoren, wählen CDU und FDP. Wer möchte denn da schon zu den Doofen gezählt werden.

Mensch ihr blöden Heinis, dafür braucht ihr kein Geld für teure Umfragen ausgeben,  dass hätte man auch vorher wissen und vor allendingen schreiben können und nicht dazu 1548 Menschen ab 16 Jahre befragen müssen. Auch ist seit langen bekannt das Frau Mohn, die Chefin von Bertelsmann mit Merkel freundschaftlich verbunden ist. Geradeso wie sie es mit jeder anderen Person der Macht auch wäre.

So lag die Beteiligung an Bundestagswahlen bis Mitte der 80er Jahre noch bei 90 Prozent um sich über die 70 Prozent im Jahre 2009 immer weiter nach unten zu bewegen. Die Zufriedenheit mit der Demokratie wachse, wobei wir dann einmal daran erinnern sollten, das sehr wohl dumme Fragen gestellt, aber kaum dummen Antworten gegeben werden können.

Ja, womit wohl sollen denn die Bürger zufrieden sein, wenn nicht mit der Demokratie? Wäre gefragt worden ob sie denn wohl mit den politischen Vertretern der Demokratie zufrieden wären, hätten die Antworten anders gelautet. Das Ganze gipfelt dann in der Aussage das nur 24 Prozent der BürgerInnen die Parteien für alle gleich halten. Das wären im Jahr 1990 noch 31 Prozent gewesen.

So manipuliert man Menschen, denn es wäre absolut daneben wenn ausgerechnet Bertelsmann sich etwas anderes als die zur Zeit Tätigen in der Regierung dieses Landes wünschen würden. Ich geselle mich also freiwillig zu den dummen, denn mit der politischen Situation in diesem Lande kann ich mich schon seit vielen Jahren nicht mehr anfreunden.

Zu diesen Thema ein Schlagloch von Mathias Greffrath.

Welzer und die Köchinnen

Der Staat stirbt ab, und das nun schon seit Jahren – aber ganz anders, als Marx und Lenin sich das vorgestellt haben. An die Stelle der direkten Herrschaft über Menschen ist nicht die Verwaltung von Sachen durch die sprichwörtliche Köchin getreten, sondern die Exekution der Profitmargen durch metanationale Sachzwangagenturen. Euro-Europa, so schreibt es Wolfgang Streeck in seinem Buch „Gekaufte Zeit“, nähere sich bedrohlich „dem Ideal einer politischen Ökonomie ohne Parlament und Regierung“. Und ohne Opposition: Grüne und SPD haben die Rettungspolitik für Großgläubiger abgesegnet; Bildung, Energie, Klima bleiben im Halbschatten der Rettungsspektakel.

Und wenn man heute – wie ich es kürzlich gemacht habe – ein paar Köchinnen fragt, was sie von Politik halten, dann sagen sie: „Als ehrlicher Mensch, der was in der Politik bewirken will, scheitern sie doch schon im Bezirk.“ Oder: „Die machen doch, was sie wollen.“ Oder gleich: „Ich wähle ungültig.“

 Die sind halt alle zufrieden!

Bei solcher Stimmung im Volk kann ich es fast verstehen, wenn Harald Welzer in einem Spiegel-Essay etwas schrill bekennt, er werde nicht mehr wählen. Angesichts der Einheitspartei „CDUFDPSPDGRÜNELINKE“ gebe es kein kleineres Übel mehr. Allein der Widerstandsakt des Nichtwählens könne die Parteien nötigen, „sich daran zu erinnern, wer in der Demokratie der Souverän ist“. Gut gebrüllt, aber ich erinnere mich noch gut an Angela Merkels Reaktion auf den 55-Prozent-Wahlenthaltungsrekord in Sachsen-Anhalt: Das könne doch auch heißen, die Menschen seien zufrieden.

Die einseitige Kündigung der Bürger wird die Eliten nicht davon abhalten, noch mehr Europa-Integration im Dienste der Renditen zu forcieren, noch mehr soziale Opfer für das Johannisfeuer des Wachstums zu fordern, noch mehr Austeritätskommisare à la Monti zu installieren. Und, demnächst vielleicht, von China zu lernen: In diesen Tagen stellte der Milliardär Nicolas Berggruen in Berlin sein Buch „Klug regieren“ vor, das schon mal andenkt, wie es wäre, wenn man relevante Entscheidungen nicht von Parlamenten, sondern von „meritokratischen Elitegruppen“ treffen lässt.

Schon deshalb geht es demnächst nicht länger nur um die Verteidigung des Sozialen, sondern auch der Demokratie. Vor 18 Monaten noch hatte Harald Welzer zehn intellektuelle Freunde zu einer Intervention gegen den neoliberalen „Angriff auf die Demokratie“ zusammengeführt. Die Redner forderten, endlich „Ernst zu machen“ und die geschwächten Institutionen der Demokratie instandzubesetzen. Ernst zu machen aber auch mit der Erkenntnis, dass eine nachhaltige und demokratische Zukunft nicht ohne Zumutungen zu haben ist: an die Steuermoral der oberen, den Lebensstil aller.

Faschismus mit Facebook

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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2 Kommentare zu “Die Wahlverweigerer”

  1. Thomas A. Bolle sagt:

    Zufriedenheit mit unserer Demokratie. Da könnte ich glatt vor Lachen von meinem Bürostuhl fallen. Wo haben die denn geschlafen oder was haben die eingenommen. Unsere Parteien haben diese Demokratie längst aufgeteilt. Das ganze mit Hilfe von Medien, Lobbyisten. Die Bürger sind es leid in der Zeit zwischen den ach so demokratisch anmutenden Wahlen nichts mehr tun zu können. Bertelsmann und Co würden sich wundern wieviele Bürger sich politisch Einbringen würden hätten sie die Möglichkeit durch Bürgerbegehren das ganz direkt zu tun.
    Aber genau das will die politische Klasse mit ihren Hintermännern nicht. Die würden nämlich erstaunt feststellen wieviel Ahnung das Volk wirklich hat. Und bei so vielen Prestigeobjekten oder Privatisierungen die rote Karte gezeigt bekommen.
    Wir sind nicht dumm, man hält uns nur so.
    Und weil Politiker immer so gern auf andere Länder verweisen damit sie bei uns wieder mal etwas kürzen wollen.
    Die Schweiz kann Bürgerbegehren und wir sind nicht schlechter.

  2. aldibe sagt:

    Ja klar, die Menschen sind ja so zufrieden mit den Parteien
    (jubeln täglich in einem Dauerglücksgefühl über die vielen toll bezahlten Jobs und die hohen Renten)und bleiben nur aus Gleichgültigkeit zuhause bzw. weil ihnen die Krampfadern am Wahltag schmerzen.
    Verar.. können wir (Ex)Wähler uns ganz alleine

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