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Die Schlecker – Saga

Erstellt von IE am Sonntag 25. März 2012

Hochzeit für die Demagogen der politischen Kaste.

Datei:Ehingen Schlecker-Zentrale.jpg

Jetzt geht es wieder los. Schlecker ist pleite und rund 11.200 Schlecker-Angestellten droht die Arbeitslosigkeit. Hochzeit für die Demagogen der politischen Kaste. Die einzige Forderung der Opposition sowie der Gewerkschaften äußern sich in einen einzigen Schrei, den Schrei nach einer Auffanggesellschaft.

Dieser Schrei ist aber gleichzeitig die einzige Antwort einer komplett versagenden Opposition, denn  die eigentliche Aufgabe wird hier wieder einmal glatt versäumt, was heißt, unter den Teppich gekehrt. Es werden keine Fragen an die Regierung gestellt.

So fällt es niemanden auf, dass der Name „Auffanggesellschaft“ besser klingt, als die Realität ist.  Denn praktisch wird hier die Arbeitslosigkeit für die meisten nur verschoben – um durchschnittlich sechs Monate. Das Ganze wäre eine Art symbolischer Akt, ein Blendwerk für die Öffentlichkeit, für die unbeteiligten Betrachter. Es soll sich das wohlige Gefühl ausbreiten, dass etwas getan wird. Irgendetwas. Eine Alibi Aktion zu Wahlkampfzeiten.

Haben wir alle schon vergessen das in diesem Land bereits eine riesige Auffanggesellschaft existiert, überwiegend von Geldern der Arbeitnehmer finanziert ? Sie nennt sich Arbeitsagentur oder auch ARGE, als wir diese Institution noch als Arbeitsämter kannten, kamen sie noch einigermaßen ihren eigentlichen Aufgaben, den Arbeitslosen Arbeitsstellen zu vermitteln, nach. Heute scheinen sie selbst unseren Politikern nur noch als das in Erinnerung zu sein als was wir sie heute wahrnehmen: Als eine Organisation welche einmal monatlich im Auftrag des zuständigen Ministeriums beliebig zusammengestellte Statistiken verbreitet. Auf Kosten der Arbeitnehmer!

Wofür brauchen wir Institutionen welche nicht in der Lage sind ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen? Wäre es nicht die dringlichste Aufgabe einer Opposition hier die Hebel anzusetzen? Ein jeder, welcher diese Behörde schon einmal als Begleitschutz eines Hartz 4 Empfängers aufgesucht hat, kann sich ein Bild machen über das Versagen dieser Institution. Aber das ist das Problem in unserer Gesellschaft: Es werden sich nur sehr wenige Mandatsträger in den Parteien finden lassen, welche die staatlichen Behörden auch diesseits der Schalter kennen. Diese Arbeiten werden überwiegend von ehrenamtlichen außerhalb der Parteien erledigt.

Unterhaltet euch einmal mit ehemaligen Angestellten dieser ARGEN welche sich heute bei den privaten Arbeitsvermittlern die Türklinken in die Hand geben, wenn sie ihre Provisionen abholen kommen. Wie kommt es das es im Bekanntenkreis sehr viele Arbeitslose gibt, wovon noch nie jemand eine Arbeitsstelle durch die Arbeitsagenturen vermittelt bekam? Alle bekannten Vermittlungen kamen über die „Privaten“ zustande welche sich dafür von den Ämtern fürstlich bezahlen lassen.

Die Schlecker-Saga

Am 30. Januar dieses Jahres sitzt eine schmale blasse Frau hinter einem Tisch mit einer knittrigen weißen Tischdecke, und die Millionen fehlen. Meike Schlecker, die Tochter des Drogeriemarktbetreibers Anton Schlecker, hängt eingeklemmt zwischen dem Insolvenzverwalter und dem Finanzvorstand des kaputten Unternehmens. Es ist das erste Mal seit zwanzig Jahren, dass einer aus der Familie Schlecker vor Publikum auftritt, und sie machen die Pressekonferenz in der Firmenzentrale im schwäbischen Ehingen auch nur, weil es nicht mehr anders geht:

Die Drogeriemarktkette ist pleite. Meike Schlecker, die Juniorchefin, muss es an diesem Tag hinter sich bringen, die Lage zu erklären, das Ende des Familienreichtums. Die anderen, der Vater, die Mutter und der Bruder, haben sie vorgeschickt.

Meike Schlecker ist 38 Jahre alt und Geschäftsführerin, aber sie kennt sich nicht aus mit solchen Situationen, sie schwitzt im Gesicht, guckt nervös auf die Tischdecke, sieht aus wie ein scheues Tier, ausgeliefert den Blitzlichtern der Fotografen, den Fragen der Journalisten, all dem, was die Familie Schlecker so lange ausgesperrt hat aus ihrer Welt.

Meike Schlecker ist die Gefangene der Umstände.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle   :    Schlecker-Zentrale

Quelle Eigenes Werk (own photograph)
Urheber Photo: Andreas Praefcke

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

3 Kommentare zu “Die Schlecker – Saga”

  1. Thomas A. Bolle sagt:

    Wir brauchen wirklich keine neue Auffanggesellschaft. Das benötigte Geld kann genau so gut der ARGE zur Verfügung gestellt werden um Weiterbildung oder Qualifizierung durch zu führen. Aber genau da liegt der Hase begraben. So eine Auffangstation ergibt nämlich Arbeitsplätze. Nur für eine ganz andere Klientel.
    Was die Gewerkschaften betrifft ist Schlecker doch ein gutes Beispiel. Erst jemanden mit Gier groß mächtig werden lassen. Gleichzeitig die Positionen und Möglichkeiten der Gewerkschaft durch die Politik zurückdrängen und beschneiden. Jetzt vehement nach Hilfe schreien. Wo waren die Mitarbeiterinnen als die Gewerkschaften versuchten sie von der Notwendigkeit starker Rechtevertretung zu überzeugen und gewinnen? Genau wie LIDL, ALDI und co. Jetzt kennen plötzlich alle ver.di. Wo waren die Parteien als Gewerkschafter versuchten Betriebsräte und verbesserungen der Arbeit zu schaffen?
    Das Gewerkschaften auch dabei nicht immer die beste Figur gemacht haben will ich nicht in Abrede stellen.
    Und wenn ich jetzt wie im Kreis WAF lese der Bund ist wieder mal in der Pflicht, ausserdem könnte man sich die Fortführung der Geschäfte in Genossenschaft vorstellen. Da stellt sich mir die Frage: Warum macht das denn keiner der Linken wenn das doch die Lösung ist?
    Aber es ist eben doch nicht so einfach. Denn der notwendige Umbau um konkurrenzfähig zu sein kostet viel Geld. Und wo das wegkommen soll sagt keiner.

  2. emschergenosse sagt:

    Eine sogenannte Auffanggesellschaft ist zunächst ein Politikum: Der Hartz IV-Kanzler und die Fa. Holzmann: „Ich bin ein Holzmann“; mutmasslich meinte er „Holzkopf“?
    Aber egal; die sogenannte Auffanggesellschaft macht Sinn, wenn im Falle von OPEL darüber diskutiert wird. Denn an den ‚Opelanern‘ hängen ein im Schnitt mit Faktor 4 (mindestens) zu multiplizierender Personenkreis in einem Einzugsgebiet von 35 km im Umkreis von Bochum oder Rüsselsheim.
    Da knallt es in einer ganzen Region!

    SCHLECKERS Konkurs kann damit überhaupt nicht verglichen werden, weil die Schlecker Betroffenen über ganz Deutschland verteilt sind, und das Fatalste an der Geschichte ist, dass 98 % sogenannte ‚geringfügig Beschäftigte‘ sind mit 400 Eurolein abzgl. 2 % Pauschalsteuer.

    Was unterscheidet also eine Schlecker-Arbeiterin in Flensburg oder Garmisch-Partenkirchen von einer gekündigten Fachwerkerin in Hamm oder Essen? Nichts! aber überhaupt nichts.
    Die gekündigte Fachwerkerin muss sich der knallharten irren Sozialgesetzgebung des GAZ-Prom-Beauftragten unterwerfen und steht ggf. nach eineinhalb Jahren im Hartz IV – Bezug. Sollen die in ganz Deutschland verteilten Schlecker/innen „gleicher“ sein als diese Fachwerkerin? Niemals.

    Sorry – aber eine Auffanggesellschaft für Schlecker wäre ein Schlag in Gesicht jedes normalen Arbeitslosen und eine Sauerei sondergleichen. Dann sollte man gleich die ALG I – Zeit wieder auf zweieinhalb Jahre setzen, was auch korrekt wäre.

  3. REWE sagt:

    Ich war selbst auch Mitarbeiter einer solchen Transfergesellschaft, 12 Monate lang.
    Die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes kostet den alten Arbeitgeber nichts, denn die Kündigungsfrist wird (in meinem Fall regulär 6 Monate zum Quartalsende) innerhalb von ca. einer Woche auf null reduziert.
    D.h., der alte Arbeitgeber stockt die 67% Kurzarbeitergeld auf 80% auf und trägt noch einen Teil der Sozialabgaben.
    In meinem Fall waren das wenn ich mich recht erinnere ca. €1.000,00 im Monat, also insgesamt €12.000,00 in einem Jahr.
    Dem sind die Ersparnisse gegenüber zu stellen: 6 Monate lang Gehalt (bei Freistellung von der Arbeit) in Höhe von €3.850,00 pro Monat, plus Arbeitgeberanteil zu den Sozialversicherungen i.H. von €770,00 pro Monat, ergibt insgesamt eine Ersparnis €27.720,00 in 6 Monaten, zuzüglich zeitanteilig Weihnachts- und Urlaubsgeld, was noch einmal €2.930,00 ausmacht. Insgesamt betrug der Aufwand des alten Arbeitgebers für meine Beschäftigung in der Transfergesellschaft rund €12.000,00, während die Ersparnisse durch Abkürzung der Kündigungsfrist €30.650,00 betrugen.
    Ein lohnendes Geschäft für den Arbeitgeber.
    Der alte Arbeitgeber musste natürlich noch seinen Obolus für die Betriebskosten der Transfergesellschaft aufbringen, der allerdings geringer war als seine v.g. Ersparnisse.
    Randbemerkung: Mir ist es durch geschicktes Taktieren gelungen, die Kündigungsfrist als freigestellter Angestellter des alten Arbeitgebers komplett zu absolvieren und erst anschließend in die Transfergesellschaft zu wechseln.

    Die Transfergesellschaft brachte mir nur einen Zeitgewinn, ansonsten passierte in dieser Zeit absolut nichts, nur ein einziges Beratungsgespräch mit dem Rat, ich solle mich am besten selbständig machen.

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