DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

DIE LINKEN in der Starre

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 22. September 2010

Nostalgikerinnen im Interview

Finden die sozialen Bewegungen ohne Die Linke statt fragt Dieter Carstensen aus Waldbbroel heute in seinem Gast Kommentar. Zugrunde liegt dieser Betrachtung ein Interview von Bodo Ramelow in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Es ist schon ein wenig überraschend das ein Politiker der LINKEN sich von einer neoliberalen Zeitung befragen läßt. Das könnte den Möchtegernpolitikern aus NRW zum Beispiel nicht passieren, diese stehen überwiegend nur den eigenen „Fachblättern“ zur Verfügung. Aber was schreibe ich hier eigentlich, die will doch sowieso niemand befragen, da sie gar nicht in der Lage sind eine Antwort zu geben. Siehe dazu noch einmal unsere NRW Nostalgikerinnen im Interview. Diese Redegewandtheit, der Elite ist immer wieder Sehenswert. Ein Highlight LINKER Politik. Ein Evergreen.

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Die Partei Die Linke findet in den sozialen Bewegungen de facto fast gar nicht statt. Dabei erhebt sie für sich gerne den Anspruch die Linke insgesamt zu vertreten. Auf diesen Widerspruch per se ging der Thüringer Die Linke Fraktionsvorsitzende Bodo Ramelow in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Online vom 20.9.10 ausführlich ein.

Hieraus eine Frage und Antwort als Beispiel. Ich zitiere:

Frage FAZ: „Auch Ihre Partei hatte mobilisiert, es kamen aber nur wenige.“

Antwort Bodo Ramelow: „Ich bin traurig zugeben zu müssen, dass nur wenige Händevoll Akteure erkennbar als Linke da waren. Es war beeindruckend, wie die SPD mobilisiert hat, das war generalstabsmäßig, die Grünen waren sehr breit aufgestellt und natürlich waren Attac und die Wendland-Bauern da und die ganze Breite der Bewegung. Unterdurchschnittlich war meine Partei vertreten. Ich glaube, dass die Parteiführung das falsch eingeschätzt hat. Hätte es eine große DGB-Manifestation gegeben, wären die Regionalkonferenzen zum Programm wohl verschoben worden. In Berlin gab es eine große Bürgerversammlung. Die Parteiführung muss schnellstens die Kurve kriegen und daran arbeiten, dass wir ein aktiver Bestandteil der neuen Bürgerbewegung werden.“

Seine Aussage zur Web 2.0 Präsenz der Die Linke, „Es fehlt das gesamte Thema Web 2.0, die Veränderungen durch Kommunikationstechnologie. Was bedeutet es, wenn Parteien nicht mehr über hierarchische Kontrollmechanismen verfügen, sondern Kommunikation im Internet geschieht?“ deckt sich in etwa mit meinen gestern in dem Blog Lafontaines Linke geschriebenen Ausführungen meines Kommentars „Das Internet und Die Linke: Zwei Welten begegnen sich“, den ich in erweiterter Form u.a. auch bei Demokratisch-Links veröffentlicht habe.

Wenn man die Internet Seiten der Die Linke, z.B. in NRW, durchsieht, könnte man aufgrund vieler Artikel, meist mit schönen Fotos demonstrierender Linker verziert, meinen, Die Linke sei die Speerspitze der sozialen Bewegungen.

Aber das ist pure Augenwischerei, ich erinnere mich z.B. an einen dicken Artikel der Linke NRW über eine Demo im Kreis Warendorf mit einem tollen Foto, aber wer dabei war weiß, unter hunderten Demonstranten tummelten sich gerade mal acht Linke.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen z.B. bei Hartz IV, Sozialabbau, Atomausstieg, Stuttgart21, was die tatsächliche Beteiligung der Die Linke daran, ihre eigene Berichterstattung darüber und der von den in den sozialen Bewegungen wirklich Aktiven Menschen erlebten Realität vor Ort mittlerweile dermaßen weit auseinander, dass sich in den Bewegungen mittlerweile Zorn und Ärger über Die Linke breit macht, die vielerorts nur noch als Trittbrettfahrer empfunden werden.

Es geht nicht um die 500 Leutchen allein, die während der Antiatomdemo auf Die Linke Regionalkonferenzen waren, sondern um die vielen Tausenden Linken die auch ohne Konferenzteilnahme schlicht und einfach unsichtbar blieben, weil sie nicht an der Demo teilnahmen.

Mal davon abgesehen, eine Partei, die im Moment darum zu kämpfen hat, bei den nächsten West-Landtagswahlen überhaupt die fünf Prozent Hürde zu überspringen, ist unfähig, ein paar Konferenzen zu verschieben und durch breite Teilnahme, auch ihrer Spitzenkräfte an den Demonstrationen, deutlich zu machen, dass sie die sozialen Bewegungen wirklich ernst nimmt?

So wird das nichts, mit dem Ernst nehmen und deshalb legt Bodo Ramelow zu Recht, wie ich finde, den Finger in die Wunde der Achillesferse der Die Linke, die, wenn sie so weitermacht im Westen, dereinst in den sozialen Bewegungen genauso isoliert dastehen wird, wie ehemals die taktisch genauso unklug agierende DKP.

Bleibt zu hoffen, dass mahnende Worte, wie die von Bodo Ramelow, Gehör finden, die Uhr steht für Die Linke in diesen Fragen auf kurz vor Zwölf.

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Grafikquelle : xtranews.deIMG_7202.jpg

Ein Kommentar zu “DIE LINKEN in der Starre”

  1. Gabi Köhler sagt:

    Moin, Moin,
    aus eigenen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass die Linke nur dann tätig wird, wenn es darum geht eigene Parteimitglieder zu diffamieren und das ist noch höflich ausgedrückt. Des weiteren ist Fakt, dass die Linke mehr durch nichts tun auffällt, als durch aktive Parteiarbeit. Da werden irgendwo von irgendwelchen Möchtegernpolitikern, wie H. Jürgensonn Artikel im Namen der Linken in die Zeitungen gesetzt, wo kein anderer außer Herrn Jürgensonn etwas von wußte, das sind Tatsachen!
    Im Grunde ist es doch so, dass die Linke auseinander bricht und nun nicht mehr weiß, wie sie aus diesem Dilemma heraus kommen soll. Alleine vor den Bundestagswahlen, waren damals zig Berichte über sämtliche Parteien in den Zeitungen zu finden, nur die Linke mal kurz vor Toresschluß einmal, tztz. Das ist in meinen Augen keine Parteiarbeit! Die restlichen Kräfte werden darauf verwendet, ehemalige Parteimitglieder fertig zu machen, obwohl dieses Kapitel meist schon längst abgeschlossen ist. Auch weiß ich, dass bei den damaligen Demos im Wendland, wie bereits im Artikel erwähnt, viele andere Parteimitglieder anderer Parteien anwesend waren, und die Linke, NADA!
    Also scheint es, als ob es das Ziel der Linken ist, auf Gott und die Welt zu schimpfen, Grundsätzlich gegen alles zu sein, aber nichts dagegen zu tun. Also nur hohle Phrasen und nichts dahinter und dafür bekommen einige sogar dann noch Geld???
    Die Linke ist doch damals auf die Schiene aufgesprungen, wie mache ich am besten Karriere, auf dem Rücken des Volkes? Naja, der Zug ist inzwischen auch abgefahren! Zumindest ist der Untergang der Linken durch die damalige Fusion schon in Vorfeld zum scheitern veruteilt gewesen, denn zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei!

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