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Die Hubertus-Gabe:

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 10. Mai 2020

 Homeschooling auf Darlehnsbasis“

Bautzen Großwelka - Sauriergarten - Homo erectus 03 ies.jpg

Quelle       :         Scharf  —  Links

Von Karolin Korthals

Einem nackten Mann greift man nicht in die Tasche, besagt eine Redensart.

Der Brief des sozialdemokratischen Sozialministers vom 4. Mai 2020 offenbart die Ausnahme von der Regel:

[…] vielen Dank für Ihre Nachricht an den Bundesminister für Arbeit und Soziales, …. Momentan erreichen uns vermehrt Anfragen, ob die Ausstattung von Kindern aus einkommensschwachen Familien mit Computern wegen der Unterrichtung zu Hause geplant sei. […] Im Regelfall sind jedoch bereits die Bedarfe für Kommunikationsmittel berücksichtigt. In diesem Fall müssen die Leistungsempfänger die Mittel für die Anschaffung eines Computers ansparen. […] Bleiben Sie gesund und passen Sie in den kommenden Wochen gut aufeinander auf….

Was ist von einem Sozialminister zu halten, der den Bittbrief der Mönchengladbacher Familie so höhnisch beantwortet? Für die drei Schulkinder klingt das nicht nach dem alten Lied von der Solidarität und der Schutzmacht der kleinen Leute. Die Eltern halten die Idee des Ministers, sich das Geld für die Schulbildung vom Mund abzusparen, für einen schlechten Witz und das unmoralische Bildungsangebot: „Homeschooling auf Darlehnsbasis“ für skrupellos. Die Offenbarung des Ministers macht der Familie deutlich wie unwichtig Kinder sind, die es in der Schule ohnehin schwer haben.

Die Mönchengladbacher Familie hatte sich am 14. April 2020 an Hubertus Heil und Karl-Josef Laumann gewandt und schrieb: „Wir halten es für unglaublich und beunruhigend, dass es kaum Aufsehen erregt, wenn Kindern aus armen Familien das digitalen Homeschooling verwehrt wird, während Kinder aus wohlhabenden Familien die Hausaufgaben im eigenen Homeoffice bearbeiten.“

Im Interview mit den NachDenkSeiten kritisierte der Vater die Sozialblamage: „Homeschooling ist für meine Söhne zu einem Wettbewerb des Unmöglichen geworden“.

Auch der Erwerbslosen- und Sozialhilfeverein Tacheles aus Wuppertal macht auf die Lage von armen Familien während der Covid-19-Pandemie aufmerksam und schlägt in der Kampagne „Schulcomputer sofort“ vor, dass jeder Haushalt 350 Euro Zuschuss für einen Laptop und 100 Euro für Drucker und Papier erhält. Auf der Homepage des Vereins heißt es: In den Regelbedarfen für Kinder und Jugendliche sind 2020 für 0-6Jährige 76 Cent, für 6-14Jährige noch 55 Cent, für 14-18Jährige „stolze“ 23 Cent und für volljährige im Elternhaus lebende Erwachsene 88 Cent für Bildung enthalten.

Sie sahen auch schon besser aus – Herr Lehrer !

Die Linke Bundestagsfraktion fordert im Antrag vom 05.05.2020 / Drucksache 19/18945: „Damit alle Schulkinder, die gegenwärtig zuhause unterrichtet werden müssen, an den digitalen Lern-Angeboten von Schulen teilnehmen können, sind Computer notwendig. Das Recht auf Bildung muss für alle Kinder gewährleistet sein; dies erfordert einen Zuschuss für den Erwerb von technischer Ausrüstung.“

Der Schock sitzt tief bei der Mönchengladbacher Familie, da selbst die primitivsten Voraussetzungen für jede noch so kleine Verbesserung verweigert werden. Das Corona-Schuljahr ist sozusagen ein Kollateralschaden, den die Familie hinnehmen muss. Schon im Sommer gab es Hilferufe, die Familie musste das Düsseldorfer Sozialgericht um Beistand bitten, in einem Eilverfahren wurde das Jobcenter Mönchengladbach verpflichtet, die Kosten für die Beschaffung von Schulbüchern für das Schuljahr 2019/2020 zu erstatten (Beschluss v. 5.08.2019 – S 35 AS 3046/19 ER). Seit Jahren kämpft die Familie für die Erstattung der Schülerfahrtkosten, es scheint ein Bildungskampf gegen die Windmühlen zu sein.

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Grafikquellen     :

Oben    —       Jagdszene: Homo erectus im alten Teil („Sauriergarten Großwelka“) des Saurierparks in Bautzen-Kleinwelka

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Unten         —                Satirische spanische Darstellung Ende September 1918: der Soldado de Nápoles liest in der Zeitung vom gutartigen Charakter der Krankheit und gleichzeitig, dass der Platz auf den Friedhöfen ausgeht

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