DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Die Hetzjagd gegen …

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 15. Dezember 2010

…Alice Schwarzer

Datei:Kachelmann-Urteil-Alice-Schwarzer1.jpg

Alice Schwarzer hat vor kurzem die Mercator Gastprofessur an der Universität Duisburg-Essen als Auszeichnung ihres Wirkens erhalten, in deren Rahmen sie auch Vorlesungen abhält. Ihre Gegnerschaft, bestehend aus einer illustren Mischung von u.a. der Grüne Hochschulgruppe Duisburg,  dem Islamische Studierenden Verein (ISV) und dem evangelische Kirchenkreis Duisburg. Sie alle bezichtigen Frau Schwarzer nun in einer Art Hetzkampagne abwertender Äußerungen gegenüber Muslimen, ohne solche allerdings konkret nachweisen zu können, es sei denn, sie zitieren Sätze aus dem Sinnzusammenhang heraus gerissen.

So titelte die WAZ Online am 13.12.10: „Protest gegen Alice Schwarzers Mercator-Professur an der Uni Duisburg-Essen“ und schrieb u.a.:

„Ihre Kritiker werfen ihr vor, auf einer populistischen und anti-islamischen Welle zu reiten.“ und „„Frau Schwarzers Thesen über den Islam halten wir für kurzsichtig. Sie setzt sich weder sachkundig noch differenziert mit den muslimischen Identitäten in unserer Gesellschaft auseinander. Schwarzer tritt für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen ein. Indem sie das Kopftuch pauschal als Flagge des Islamismus bezeichnet, verweigert sie den Frauen, die es anlegen, eben dieses Recht“, erklärt das Bündnis. Damit widerspreche sie ihren eigenen Maximen als Frauenrechtlerin.“

Hätten diese „Kritiker“ doch einmal die Bücher von Alice Schwarzer gelesen. Alice Schwarzer hat nie eine Zeile gegen den Islam geschrieben, wohl aber gegen den ausufernden radikalen Islamismus. Die Kritiker können wohl zwischen Islamismus und Islam nicht unterscheiden.

Sicher, sie ist eine streitbare Frau, deren Ansichten auch ich nicht immer teile, aber es ist absurd, diese Frau auf einer solch platten Ebene anzugreifen.

Der Journalist Stefan Laurin, von den „Ruhrbarone“ schrieb am 14.12.10 unter dem Titel „Alice Schwarzer, der Protest und die Emanzipation“ u.a.:

„Alice Schwarzer setzt sich für die Emanzipation der Frau ein und genau in diesem Wort liegt der Schlüssel für ihr Denken: Emanzipation. Sie will mündigen, selbstbewusste Menschen die über sich selbst bestimmen. Sie ist gegen jede Art der Unterdrückung – der von Frauen sowieso. Wer ihre Bücher liest, weiß das. Und man sollte ihre Bücher lesen, denn es sind gute Bücher: Klug und brilliant geschrieben.“ und weiter: „Wer sich für die Emanzipation einsetzt, hat vom ersten Tag an mehrere Gegner: Die Religionen und autoritäre Ideologien.

Die Aussagen von Stefan Laurin teile ich, denn worum geht es bei der Hetze gegen die Gastprofessur von Alice Schwarzer wirklich?

Emanzipation und monotheistische, an männliche Götter glaubende Religionen passen nicht zusammen, wenn man die Zusammenhänge betrachtet.

Die Schriftstellerin Dona Leon bemerkte dazu treffend:

“Eine Frau, die Mitglied einer monotheistischen Religionsgemeinschaft ist, ist genauso dumm, wie ein Schwarzer in den USA, der Mitglied beim Ku-Klux-Klan ist.”

Genau darum geht es den religiösen Eiferern, die gegen die wirklich kluge und bewundernswerte Alice Schwarzer hetzen, die übrigens in meinem Nachbarort wohnt, nämlich um die Furcht, dass sie ihre Frauen nicht mehr mit Hilfe des Glaubens zusätzlich unterdrücken können, wenn diese den von Donna Leon so prägnant formulierten Gegensatz zwischen weiblicher Emanzipation und monotheistischen Religionen begriffen haben.

Für mich sind diese religiösen Eiferer armselige Trauergestalten, ohne jedes Selbstbewusstsein, die ihre, die Frauen unterdrücken wollenden, Ansichten unter dem Deckmäntelchen der “Religion” tarnen. Mittelalter pur!

Sigmund Freud sagte: “Religion ist eine Illusion”

Mir scheint, diese Welt, besonders an der Uni Duisburg-Essen, wimmelt von Illusionisten. Ich bin seit langem für die Säkularisation, die absolute Trennung von Kirche (Religion) und Staat, wie in unserem Nachbarstaat Frankreich erfolgreich praktiziert. Die Hetze gegen Frau Schwarzer belegt die Notwendigkeit der Umsetzung der Säkularisation auch in Deutschland einmal mehr.

Die Emanzipation und völlige Gleichberechtigung der Frau sind eine Notwendigkeit jeder aufgeklärten demokratischen Gesellschaft, oder wie es Rosa Luxemburg formulierte:

“Der Grad der gesellschaftlichen Emanzipation ist immer auch der Grad der weiblichen Emanzipation.”

Es geht also bei den Angriffen gegen Alice Schwarzer um einen tieferen gesellschaftspolitischen Konflikt, man könnte vereinfacht sagen, es stehen sich aud der einen Seite das patriarchalisch – konservativ – religiös – verbrämte Mittelalter und auf der anderen Seite eine aufgeklärte – emanzipatorisch – säkularisch – demokratische Gesellschaftsordnung der Neuzeit konträr gegenüber und an diesem Konflikt wird dies für mich besonders deutlich.

Und da ich für die letztere Form einer Gesellschaftsordnung eintrete, habe ich als Mann mir die Mühe gemacht und diesen Beitrag zur Verteidigung einer streitbaren, emanzipierten Frau geschrieben, die für die Rechte der Frauen in diesem Land viel erreicht hat. Und damit hat sie im Sinne von Rosa Luxemburgs Zitat auch viel für uns Männer im Sinne einer emanzipatorisch – demokratischen Gesellschaft erreicht.

Sicher, sie macht auch Fehler, wer nicht? Aber ihre Kritiker sollten sich folgendes Zitat zu eigen machen:

„Jeder der etwas unternimmt, wird kritisiert. Außer denjenigen, die gar nichts tun.“ – J.M. Cousteau

Ich persönlich fühle mich übrigens genauso unangenehm berührt, wenn mir jemand mit einem Kreuz um den Hals gehängt begegnet, wie vermummte Frauen mit Kopftüchern. Für mich steht hinter beiden Symbolen immer der unselige Anspruch der Religionen, andere Menschen bekehren und missionieren zu wollen.

Und das mag ich an allen Religionen nicht!

——————————————————————————————-

Grafikquelle  :

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.
Quelle Eigenes Werk
Urheber Itu

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>