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Die Habgierigen

Erstellt von DL-Redaktion am Freitag 24. Juli 2020

Wenn Gier die Erde frisst

Quelle          :         Scharf  —  Links

Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Die aktuelle Pandemie zwingt uns alle, darüber nachzudenken, in welcher Welt wir leben wollen. Vielen Menschen fällt es wie Schuppen von den Augen, dass ein gelingendes Leben wichtiger ist als das Aufrechterhalten der profitorientierten Finanzmärkte und Wirtschaft. So ziemlich alles, was wir planen und über das wir bisher verfügen konnten, ist nicht mehr möglich oder stark eingeschränkt. Urlaub, Sport, Kultur, Biergarten, ja sogar Beruf sind nicht mehr so, wie es einmal unsere Gewohnheit war. Das fällt vielen schwer und sie reagieren mit Panik oder Aggression.

Zwei Instanzen reagieren überraschend gar nicht: die Wirtschaft und die Kirchen. Die Wirtschaft ist ratlos, weil sie plötzlich mit noch so viel Geld und Businessplänen nichts mehr im Sinne ihrer Profitziele erreichen kann, die Kirchen, weil sich all ihre Versprechen und Allweisheitsvorstellungen wie Schnee in der Sonne in Luft auflösen. Beide haben in der Pandemie weder Erklärungen noch überzeugende Rezepte für die Zukunft unserer Gesellschaft und das praktische Leben.

Natürlich ist die Pandemie für viele Menschen ein manchmal harter Lernprozess. Festzustellen, dass Konsum eher Zwang und Abhängigkeit bedeutet als ein erfülltes Leben, ist für viele eine neue Erkenntnis, und Ohnmacht ist für so manche Wohlhanden eine unerträgliche Qual. Wir alle müssen lernen, mit Verzicht umzugehen und mit mehr Demut und Achtsamkeit zu leben und zu handeln.

Während gesundheitspolitisch im Wesentlichen gut regiert wurde, sind die finanzpolitischen Maßnahmen eher saurer Wein aus alten Schläuchen. Wer in Pandemiezeiten üppige Dividenden und unanständig hohe Gehälter auszahlen kann, braucht wahrlich keinerlei Staatshilfe aus Steuergeldern. Den wirklich Bedürftigen in Grundsicherung wird hingegen arrogant nicht geholfen. Die kurze MWSt.-Senkung ist eine grandioser Flopp, und selbst die fetten Zuschüsse beim Autokauf sind laut Umfrage nicht entscheidend für einen Neukauf. Jetzt werden Versäumnisse und Fehler aller Art sichtbar, von der menschenunwürdigen Grundsicherung bis hin zur gerechten Besteuerung der Superreichen und in der Finanzwirtschaft generell. Hier sind neue Ideen und Initiativen gefragt, keine alten Rezepte und Machenschaften.

Täglich flimmern Katastrophenberichte über die Verschmutzung der Meere und Flüsse, die brutale Zerstörung und Ausplünderung der Natur, die Klimaerwärmung, vergiftete Narung, die krasse Not vieler Menschen auf der Welt in unser Wohnzimmer. Das alles ist menschengemacht. Hauptsache, der Gewinn stimmt. Wir müssen uns endlich und schnell entscheiden, wie wir unsere Leben zum Wohl der Menschen gestalten wollen. Es darf nicht sein, dass die oberen 10 Prozent 83 Prozent des Weltvermögens besitzen. Das ist kein Neid, das ist einfach ungerecht und ungesund, weil es im Wesentlichen durch Ausbeutung aller Art angehäuft worden ist. Wir dürfen nicht mehr zulassen, dass Gier unsere Erde frisst.

Vielleicht hilft da ein einfacher Vers, den ein weiser oder verzweifelter Mensch vor ca. 1000 Jahren in eine Kirchentüre in Burgund geritzt hat: Nicht alles haben wollen, was man sieht; nicht alles glauben, was man hört; nicht alles sagen, was man weiß; nicht alles tuen, was man kann.

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Grafikquelle          :              Abendmahl‘ von Arno Funke

Ein Kommentar zu “Die Habgierigen”

  1. Bremer der Zweite sagt:

    Gute Beschreibung der Problemlage. Aber, keine Lösungsmöglichkeit wegen der „parlamentarischen“ „Demokratie“.
    Die nach Veränderungen strebenden Bürger Innen haben,
    sowohl v o r der Wahl, als auch n a c h der Wahl keinen Einfluss auf die Politik.

    Bürger- und Volksentscheide werden, wenn es Kapitalismus-relevante Probleme betrifft, mit juristischer Hilfe ausgehebelt.
    Die oberen und höchsten Gerichte sind ja mit durch die herrschenden Parteien bestimmte Richter besetzt.

    Die Wahlenthaltung durch Nicht-Wähler beträgt ja regelmässig ca. 30% der Wahlberechtigten.
    Zusätzlich werden alle Wahl-Stimmen für Parteien die weniger als 5% derjenigen, die gewählt haben, nicht berücksichtigt.
    Dieser Faktor hat bei der BT-Wahl 2013 (FDP+AfD blieben knapp unter 5%) über 10% der Wähler ausgemacht, so dass
    über 40% der Wahlberechtigten ohne politische Vertretung im Bundestag blieben.

    Was immer Mensch von den durch Mandate/Fraktionen im Bundestag auch gewählt hat,
    entweder ist seine Partei in der faktisch politisch unwirksamen (oft auch „Schein“) Opposition,
    oder die politischen Ziele einer Regierungs-Fraktion werden durch Koalitionsverträge faktisch unkenntlich gemacht.

    Bleibt als politische General-Richtung für die jeweilige Bundesregierung, die Gesellschaft mittels Staatsapparates und Gesetzen im Sinn des (Gesamt) Kapitals zu verwalten.

    So z.B. gibt es keine Besteuerung der (Super-) Reichen durch eine Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer und entsprechender
    hohe Einkommenssteuer-Sätze. So gibt es keine „ausreichend“ hohe Mindest-Löhne, Mindest-Renten, Regelsätze für Hartz IV Empfänger, natürlich auch kein Wegfall der Sanktionen, u.s.w.

    So geht das weiter in allen Politik-Bereichen, Maßstab ist in erster Linie, wie können die durch die Parlamentarische Demokratie
    in die Regierung und das Parlament gekommenen Partei-Politiker, die Interessen aller (Groß) Kapitalisten gegenüber der Gesamt-Bevölkerung durchsetzen. Ob Klima, ob Gesundheit, ob Nahrungsmittel-Produktion und und und

    Um den ganzen Popanz zu kaschieren, finden die Fernseh-Talk-Shows von den Damen Will, Illner, Maischberger, Herrn Plasberg und u.s.w. statt. Hier wird Politik öffentlich dargestellt. Hier soll dem Bürger glaubhaft gemacht werden, dass „etwas geschieht“.
    Selbstverständlich ist das dort gesprochene, egal welches Thema, für die tatsächlichen Entscheidungen, „Null“ relevant.

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