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Die Suche nach Primitiven

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 17. Februar 2021

Suchen, bis der Hamster hoppelt

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Nach primitiven Leben suchen, so lautet die Auftrag der NASA? Sollten denn dort die verstorbenen Politiker dieser Erde ihren Platz gefunden haben? Das würde diesen steten Kampf um Posten auch in Schland erklären.

Von Ingo Arzt

Diese Woche landet der NASA-Rover „Perseveranz“ auf dem Mars und sucht nach dem ersten Nachweis zumindest primitiven außerirdischen Lebens. Generationen von For­sche­r*in­nen haben dafür bereits zahlreiche Indizien gefunden.

Die Wettervorhersage für den Jezero-Krater auf dem Mars? Gewinnt an Bedeutung. Denn da landet am 18. Februar um 21.50 Uhr deutscher Zeit die Nasa mit ihrem nächsten großen Ding, dem Rover „Perseverance“.

Das nächste Thermometer ist, via Google Mars grob geschätzt, 3.200 Kilometer entfernt, im Bauch der Mars-Veteranin „Curiosity“. Sie rollt seit über 3.000 Sol, also Mars-Tagen von je 24 Stunden und 39 Minuten, im Gale-Krater umher. Dort ist gerade angenehmer Spätsommer mit Temperaturen von nachts bis zu minus 73 Grad. Curiosity befindet sich leicht südlich des Äquators, Perseverance wird leicht nördlich des Äquators landen. Aber die Temperaturen dürften dort ähnlich sein, gleiche Klimazone, nur recht windig. Und in den Dünen dort liegen vermutlich die Trümmer der 2003 bei der Landung zerschellten britischen Sonde Beagle 2 rum.

Seit 1960 gab es 49 Mars-Missionen, inklusive der gescheiterten und der beiden Sonden der Vereinigten Arabischen Emirate und Chinas, die kürzlich in die Umlaufbahn eingeschwenkt sind. Politisch geht es dabei immer um die Eitelkeiten der Nationen, ihre Ingenieurskunst unter Beweis zu stellen, wissenschaftlich um die ewige Frage: Gibt es außerirdisches Leben? Noch ist nichts entdeckt, nicht die kleinste Mikrobe. Aber die Hinweise, dass auf dem Mars was war oder ist, verdichten sich, dank Generationen von Wissenschaftler*innen, deren Job eben diese Suche ist.

Genau vier Missionen haben und hatten die Möglichkeit an Bord, Leben nachzuweisen – oder dessen seit Milliarden Jahren im Boden schlummernde Überreste: Die beiden Viking-Sonden der Nasa in den 1970er Jahren; Curiosity, die seit 2012 kleine Löcher bohrt, Bodenproben nimmt und Daten funkt; und nach Perseverance soll 2023 noch „Rosalind Franklin“ kommen, der Rover der europäischen Raumfahrtagentur ESA und der russischen Roskosmos.

Perseverance hat die Maße eines Kleinwagens. Drei Meter lang, eine Tonne schwer, die Wetterstation an Bord ist ausgefeilt. Im Kopf einen Haufen Kameras, die 360-Grad-Fotos machen, 3D und in Farbe, mit Zoom, dazu Mikrofone, um den dumpfen Sound der dünnen Marsatmosphäre aufzuzeichnen. Ein brotkastengroßes Gerät mit Klappkorb-Design namens Moxie soll aus dem CO2 der Marsluft Sauerstoff gewinnen. Einfach nur, um zu zeigen, dass es geht. Schließlich versprach Barack Obama, bis Ende der 2030er Jahre Menschen zum Mars zu senden. Das Landesystem von Perseverance entscheidet spontan, wo es den Rover absetzt. An Bord ist auch der Helikopter Ingenuity, der weitestgehend autonom rumfliegen soll.

Der Rover ist vor allem eines: eine Demo-Mission für die neusten Space-Technologien, schreibt auch die Nasa. In Sachen Suche nach Leben könnte ein anderer Teil der Mission der Durchbruch sein: Perseverance soll Bodenproben entnehmen und versiegeln. Die soll dann irgendwann bis 2031 die europäische Raumfahrtagentur ESA mit einem Roboter aufsammeln und zur Erde bringen.

Daniel P. Glavin, Astrobiologe, ist bei der Nasa in dem Team, das die Bodenproben nehmen soll. Er ist Vizedirektor für Forschungsstrategie und im Curiosity-Team. Leben auf dem Mars? „Ich bin immer noch optimistisch. Für mich ist die Frage nicht, ob, sondern wo es Leben auf dem Mars gibt“, sagt er der taz. Curiosity habe „signifikante Entdeckungen“ geliefert. Es sei nun erwiesen: Der Gale-Krater war vor 3,5 Milliarden Jahren ein See. Und zwar einer mit perfekten Bedingungen für Leben. Nicht zu sauer, nicht zu salzig, mit allen wichtigen Elementen, sagt Glavin.

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Caroline Freissinet vom französischen Latmos-Forschungsinstitut ist eine der Wissenschaftler*innen, die sich seit Jahren über die Daten beugt, die Curiosity zur Erde funkt. „Wenn auf einem Planeten Leben entstanden ist, dann bekommen Sie das nie wieder los, das ist eine echte Plage“, sagt Freissinet im Videochat. Heute ist der Mars staubtrocken, wird von ultravioletter Strahlung gegrillt, Wasser auf der Oberfläche ist bisher nur am Nordpol nachgewiesen, gefroren. „Es kann gut sein, dass Leben auf dem Mars entstanden ist und, als sich die Bedingungen verschlechterten, hat es sich in den wärmeren Untergrund zurückgezogen und lebt in kleinen Wassereinschlüssen, wo es seine Energie aus Mineralien gewinnt“, sagt Freissinet.

Und dann gibt es da noch Gilbert Levin, der Freissinet und Glavin – sie sagen das so nicht direkt – wohl ein wenig auf die Nerven geht. Gil, wie sie ihn nennen, debattiert immer wieder mit Glavin und Freissinet. Der Mann ist ein Tausendsassa, der schon einen kalorienarmen Süßstoff und ein Mittel gegen Diabetes Typ 2 und vieles mehr patentiert hat. 1941 hat er angefangen, an der Johns-Hopkins-Universität Ingenieurwissenschaften zu studieren, und er ist immer noch im Space-Business.

Levin behauptet bis heute, gemeinsam mit seiner Kollegin Patricia Ann Straat 1976 Leben auf dem Mars nachgewiesen zu haben. Gemeinsam mit einer Handvoll anderer Wis­sen­schaft­le­r*in­nen publizierten die beiden immer wieder neue Auswertungen der alten Daten in seriösen Fachzeitschriften wie Astrobiology.

Damals, 1976, landeten die beiden Nasa-Sonden Viking 1 und 2 auf dem Mars. Levin war der Chefwissenschaftler eines Experiments, das nach Leben suchen sollte: Die Viking-Sonden nahmen Bodenproben, versahen sie mit einer Nährlösung, erwärmten sie behutsam und prüften, ob da etwas im Boden die Lösung konsumiert und Gase ausatmet. Und das passierte, immer wieder. Die restlichen Daten waren aber widersprüchlich. Der Nasa und einem Großteil der Wissenschaftsgemeinde war das viel zu dünn für die große Sensation.

Quelle           :          TAZ        >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben      —       Denna bild kommer från NASA, källa [1]

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