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Die Covid-19-Task Force

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 29. Juli 2020

übertrieb den Nutzen der Masken massiv

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Quelle        :    INFOspreber CH.

Von Urs P. Gasche / – Das wissenschaftliche Beratungsgremium des Bundesrats wollte ein Masken-Obligatorium. Übertreibung sollte wohl Druck erzeugen.

Die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr gilt in der Schweiz seit dem 6. Juli. Einen Nutzen solcher Hygienemasken hatte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) wiederholt abgestritten. Ganz anders die «Swiss National COVID-19 Science Task Force». Dieses Beratungsgremium des Bundesrats mit Experten aus der Wissenschaft, darunter Epidemiologen, Virologen und Infektiologen, drängte den Bundesrat, eine Maskenpflicht einzuführen.

«Bis zu 80 Prozent weniger Ansteckungen»

In einer Stellungnahme vom 1. Juli, an der sämtliche Expertengruppen der Task Force mitgearbeitet hatten, behauptete die Task Force, eine «systematische Auswertung» wissenschaftlicher Daten habe gezeigt, dass das Tragen von Hygienemasken das Infektionsrisiko um bis zu 80 Prozent verringere. Wörtlich auf Seite 9:

Man schütze mit Masken nicht nur andere, sondern auch sich selber, betonte die Task Force.

Medien verbreiten gedankenlos die Schlagzeile

Irgendjemand sorgte dafür, dass dieser Satz mit den «80 Prozent» umgehend den Weg in Medien fand. Zeitungen der Tamedia-Gruppe, vom «Tages-Anzeiger» bis zum «Zürcher Oberländer», dem Berner «Bund» und dem «Thuner Tagblatt» verbreiteten in einem identischen Artikel:

«Die Science Task Force des Bundes verweist in einem neuen Bericht … die Masken könnten die Übertragungsraten insgesamt um bis zu 80 Prozent senken»

Auch «Watson» bezog sich auf die Task Force, um für die bevorstehende Maskenpflicht zu motivieren:

Sie können die Übertragungsraten in der Öffentlichkeit um bis zu 80 Prozent senken.

Die Task Force stützte sich bei ihrer Aussage auf eine Meta-Studie in der Fachzeitschrift «Lancet». Der «Beobachter» zitierte Professor Holger Schünemann, Co-Autor der «Lancet»-Studie, wie folgt:

Die 80 Prozent Risikoreduktion haben wir in verschiedenartig angelegten Studien … gefunden.»
[Es sind die Studien gemeint, welche Schünemann et al. in einer Meta-Studie ausgewertet haben.]

Aus zwei Gründen war dieses unbedarfte Zitieren der Task Force und von Professor Schünemann gedankenlos:

  1. Die Task-Force-Formulierung «bis zu» 80 Prozent hätte hellhörig machen müssen. Denn in der Wissenschaft gibt es Maximal-, Minimal- und Durchschnittswerte, jedoch keine «bis zu». Ein Beispiel zur Erläuterung: Würden zehn Versuchsreihen eine Risiko-Reduktion um 10 Prozent ergeben und nur ein einziger Versuch eine Reduktion um 80 Prozent, wäre die Aussage «bis zu 80 Prozent» immer noch korrekt.
  2. Nachdem unsere Behörden das Tragen von Schutzmasken monatelang als praktisch nutzlos bezeichneten, sollen diese Gesichtsmasken das Risiko einer Ansteckung jetzt plötzlich um sagenhafte 80 Prozent verringern. Diese unglaubwürdige Aussage hätte die Medien dazu veranlassen müssen, die von der Task Force zitierte Studie im Internet selber zu konsultieren.

Von «bis zu 80 Prozent» keine Rede

Bei ihrer eingangs zitierten Aussage stützte sich die Task Force auf eine Meta-Studie, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Auftrag gegeben hatte und im Juni in «The Lancet» publiziert worden war.

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Ein Blick in diese Studie zeigt schnell, dass nirgendwo von «bis zu 80 Prozent» die Rede ist. Die Autoren Derek K. Chu, Holger Schünemann und andere haben Studien ausgewertet, die Maskentragende mit vergleichbaren Personen ohne Masken verglichen. Beide Gruppen waren infizierten Personen ausgesetzt. Sie kamen zu folgendem, mit grösserer Unsicherheit («low certainty») behafteten Ergebnis:

  • Mit Masken steckten sich beim Kontakt mit einem Infizierten 3,1 Prozent der Testpersonen an;
  • Ohne Masken steckten sich beim Kontakt mit einem Infizierten 17,4 Prozent der Testpersonen an.

Über dieses Resultat der Studie hätte die Task Force wie folgt informieren können, um den Nutzen des Maskentragens für alle verständlich zu machen:

  • Von 1000 Personen mit Maske, die einer infizierten Person nahe kommen, stecken sich durchschnittlich etwa 31 Personen an.
  • Von 1000 Personen ohne Maske, die einer infizierten Person nahe kommen, stecken sich durchschnittlich etwa 174 Personen an.
  • Für das Ansteckungsrisiko bleibt auch mit Maske entscheidend, wie nahe sich und wie lange sich eine infizierte Person in unmittelbarer Nähe aufgehalten hat.

Anstatt jedoch über diesen absoluten Nutzen von Masken, den alle sofort verstehen, verständlich zu informieren, griff die Task Force zum Trick des relativen Nutzens und des relativen Risikos. Von «relativem Risiko» spricht man, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung der Gruppe mit Masken (3,1 Prozent) mit der Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung der Gruppe ohne Maske (17,4 Prozent) zueinander ins Verhältnis gebracht werden. Daraus folgerte die Task Force eine Risikoreduktion um «bis zu 80 Prozent» – ohne allerdings das Wort «relativ» zu erwähnen. Die relative Risikoreduktion läge sogar bei leicht über 80 Prozent. Aber das scheint der Task Force dann doch zu viel des Guten gewesen zu sein.

Den Unterschied zwischen dem relativen Nutzen und dem absoluten Nutzen kennen die Epidemiologen der Task Force natürlich genau. Doch die Aussage, das Infektionsrisiko sei dank Maske «um 80 Prozent geringer», wirkt sensationeller, als die Aussage, dass sich von 1000 Personen beim Kontakt mit Infizierten dank einer Maske durchschnittlich nur 31 statt sonst 174 anstecken.

Was eine solche relative Risikoreduktion tatsächlich bedeutet, versteht sogar ein grosser Teil der Ärzte nicht. Das haben die Professoren Gerd Gigerenzer und J.A. Muir Grayn in ihrem Buch «Bessere Ärzte, bessere Patienten, bessere Medizin» belegt. Wie soll denn die Öffentlichkeit verstehen, was mit den «80 Prozent» gemeint ist? Vor allem, wenn nicht einmal gesagt wird, dass es sich um eine «relative Risikoreduktion» handelt?

Wertlose Information

Die alleinige Angabe des relativen Nutzens («80 Prozent Risikoreduktion») ist unseriös. Das illustriert das folgende Beispiel:

  • Eine relative 80-prozentige Risikoreduktion kann heissen, dass sich beispielsweise von 5000 Personen beim Kontakt mit Infizierten dank der Maske 310 statt sonst 1740 anstecken (kann zum Beispiel in einem geschlossenen Club zutreffen, in dem sich ein stark Ansteckender aufhält).
  • Es kann jedoch genauso gut heissen, dass sich von den 5000 Personen nur 3 statt 17 Personen anstecken (kann zum Beispiel im Freien zutreffen, wo man einem stark Ansteckenden ganz nah begegnet).

In beiden Fälle besteht die gleiche relative Risikoreduktion von über 80 Prozent (310/1740 und 3/17). Im ersten Fall (im Club) ist der Nutzen von Masken gross, im zweiten Fall (im Freien, wo die allgemeine Ansteckungsrisiko sehr klein ist) – zu vernachlässigen. Die «80-prozentige Risikoreduktion» bringt dann keinen Nutzen.

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Daraus folgt: Ohne die gleichzeitige Angabe von absoluten Zahlen ist die Angabe eines relativen Nutzens, wie es die Task Force und einige Medien taten, eine wertlose Information.

Auf die wertlose und irreführende Information der Task Force angesprochen, erklärt der Erstautor des Strategiepapiers und künftige Chef der Task Force Professor Martin Ackermann:

«Ich sehe, dass diese Formulierung in unserem Dokument in der Tat wenig Information vermittelt darüber, wie genau die Reduktion der Ansteckungswahrscheinlichkeit interpretiert werden soll. Unsere Absicht war, eine anschauliche Interpretation der Risikoreduktion zu offerieren (in diesem Fall der relativen Risikoreduktion). Aber ohne weitere Angaben ist unsere Interpretation in der Tat wohl eine zu starke Vereinfachung. Wir werden uns darauf achten, dies in zukünftigen Dokumenten klarer darzustellen! Vielen Dank also für Ihren Hinweis.»

Infosperber fragte auch Professor Holger Schünemann, Co-Autor der «Lancet»-Studie, ob die Darstellung im «Beobachter» («Die 80 Prozent Risikoreduktion haben wir in verschiedenartig angelegten Studien … gefunden.») nicht missverständlich sei. Seine Antwort:

Sie haben völlig Recht. Ich habe den Unterschied zwischen relativer und absoluter Risikoreduktion in allen Interviews immer wieder anhand von Beispielen versucht darzustellen … Wenn das Ansteckungsrisiko klein ist, müssen sehr viele Menschen eine Maske tragen, um eine einzelne Infektion zu verhindern

Nochmals das mit grösserer Unsicherheit behaftete, aber verständlich dargestellte Resultat der Meta-Studie im «Lancet»:

  • Von 1000 Personen mit Maske, die einer infizierten Person nahe kommen, stecken sich durchschnittlich etwa 31 Personen an.
  • Von 1000 Personen ohne Maske, die einer infizierten Person nahe kommen, stecken sich durchschnittlich etwa 174 Personen an.
  • Für das Ansteckungsrisiko bleibt auch mit Maske entscheidend, wie nahe sich und wie lange sich eine infizierte Person in unmittelbarer Nähe aufgehalten hat.

Schutzmasken vor allem in geschlossenen Räumen mit vielen Personen sehr empfohlen

Die Übertreibung des Nutzens von Masken ist das eine, der wirkliche Nutzen das andere. Den grössten Nutzen bringt das Tragen von Schutzmasken in geschlossenen Räumen mit vielen Personen. Maskenpflicht auf offenen Decks von Schiffen und an anderen Orten im Freien dagegen erscheinen angesichts des minimen Risikos als übertrieben. Masken haben im Vergleich zu anderen Präventionsmassnahmen aber den Vorteil, dass sie lediglich lästig sind, doch weder das Arbeiten behindern noch soziale Kontakte wirklich erschweren.

FREIE NUTZUNGSRECHTE

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Grafikquellen       :

Oben      —        新工會「醫管局員工陣線」公布將參與罷工人數及未來行動

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Unten        —          Food-Court am Wiener Hauptbahnhof

Date
Source Own work
Author Linie29
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