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Die Aufsteher liegen flach

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 2. September 2019

Der vergeigte Aufbruch

Bunte Westen 03.jpg

Von Rainer Balcerowiak

Vor allem mangelte es aber an durchschaubaren demokratisch legitimierten Strukturen. Vielmehr gab es ein undurchsichtiges Geflecht aus Trägerverein, Vorstand und Arbeitsausschuss mit entsprechenden Grabenkämpfen. Diese führten im Dezember unter anderem zur Abschaltung der Webpräsenz auf Bundes- und Landesebene und erbitterten Streitereien um Geld. Zudem wurde offensichtlich, dass einige bei „Aufstehen“ aktive Funktionäre der Linken die Bewegung vor allem als Schwungmasse für ihre innerparteilichen Ambitionen nutzen wollten und keinerlei Interesse am Entstehen einer überparteilichen Basisbewegung hatten. Als Sahra Wagenknecht, die im Dezember 2018 bereits eine Art Burgfrieden im internen Streit vereinbart hatte, im März 2019 ihren Rückzug aus der „Aufstehen“-Führung verkündete, war das Ende der Bewegung faktisch besiegelt. Einige prominente Unterstützer zogen sich zurück, die meisten Ortsgruppen lösten sich auf. Wagenknecht meldet sich seitdem nur noch aus dem digitalen Off mit seltsam entrückt wirkenden Statements und Durchhalteappellen zu Wort.or einem Jahr, am 4. September 2018, verkündete Sahra Wagenknecht in Berlin, begleitet von großem Medieninteresse, den offiziellen Start der neuen Sammlungsbewegung „Aufstehen“. Für viele Menschen war dies ein Aufbruchssignal. Mit ursozialdemokratischen Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit sollte gesellschaftlicher Druck auf die drei bestehenden Parteien des „linken Lagers“ entwickelt werden, um diese zu entsprechenden Kurskorrekturen und zur Entwicklung einer gemeinsamen Machtperspektive für eine umfassende so­ziale Reformpolitik zu drängen. Gleichzeitig sollte „Aufstehen“ als linkspopulistische Bewegung ein Gegengewicht zum Vormarsch der Rechtspopulisten darstellen.

Eine wesentliche Triebkraft war der Flügelkampf innerhalb der Partei Die Linke, wo sich Wagenknecht und ihre Anhänger mit der unter anderen von der Vorsitzenden Katja Kipping repräsentierten „postmodernen“ Strömung, die sich vor allem an identitätspolitischen Themen der urbanen Mittelschichten orientiert, einen erbitterten Machtkampf lieferten. Besonders zugespitzt war diese Auseinandersetzung bei der Migrationspolitik, Wagenknecht lehnte die von Teilen der Partei vertretene Forderung nach „offenen Grenzen und Bleiberecht für alle“ strikt ab – und musste sich dafür als „Rassistin“ beschimpfen lassen.

Die neue Bewegung schien einen Nerv getroffen zu haben. Die Zahl der registrierten Unterstützer wuchs binnen kurzer Zeit auf mehr als 160.000, quer durch die Republik entstanden in kürzester zeit Orts- und Regionalgruppen, zeitweise waren es rund 200. Auch der Autor dieser Zeilen beteiligte sich in einer Berliner Bezirksgruppe. In repräsentativen Umfragen erklärten über 30 Prozent der Befragten, sich die Wahl einer „Aufstehen“-Partei vorstellen zu können.

Ein Jahr später ist „Aufstehen“ nahezu vollständig von der Bildfläche verschwunden. Die ausschlaggebenden Gründe können hier nur kurz skizziert werden. Statt die anfängliche Euphorie für eine identitätsstiftende, bundesweite Kampagne zu sozialen Kernthemen zu nutzen, verläpperten sich die meisten Ortsgruppen wochenlang in wenig beachteten „Friedensmanifestationen“, die den verblichenen Bewegungscharme des vergangenen Jahrhunderts versprühten und kaum geeignet waren, die anvisierten Zielgruppen zu erreichen. Kalt erwischt wurde „Aufstehen“ bereits wenige Wochen nach der Gründung von dem großen, moralisch geprägten Polithappening „Unteilbar“, zu dem man sich sehr widersprüchlich positionierte.

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Wir bleiben liegen

Vor allem mangelte es aber an durchschaubaren demokratisch legitimierten Strukturen. Vielmehr gab es ein undurchsichtiges Geflecht aus Trägerverein, Vorstand und Arbeitsausschuss mit entsprechenden Grabenkämpfen. Diese führten im Dezember unter anderem zur Abschaltung der Webpräsenz auf Bundes- und Landesebene und erbitterten Streitereien um Geld. Zudem wurde offensichtlich, dass einige bei „Aufstehen“ aktive Funktionäre der Linken die Bewegung vor allem als Schwungmasse für ihre innerparteilichen Ambitionen nutzen wollten und keinerlei Interesse am Entstehen einer überparteilichen Basisbewegung hatten. Als Sahra Wagenknecht, die im Dezember 2018 bereits eine Art Burgfrieden im internen Streit vereinbart hatte, im März 2019 ihren Rückzug aus der „Aufstehen“-Führung verkündete, war das Ende der Bewegung faktisch besiegelt. Einige prominente Unterstützer zogen sich zurück, die meisten Ortsgruppen lösten sich auf. Wagenknecht meldet sich seitdem nur noch aus dem digitalen Off mit seltsam entrückt wirkenden Statements und Durchhalteappellen zu Wort.

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Grafikquellen        :

Oben       —       „Bunte Westen“ protest in Hanover, 16th february 2019

9 Kommentare zu “Die Aufsteher liegen flach”

  1. Peter Pinkelpott sagt:

    Oskar Lafontaine: »Aufstehen« bleibt aktuell
    LINKE-Politiker verweist auf 150.000 registrierte Mitglieder und »mehrere hundert Ortsgruppen«
    29.08.2019

    Aktuell nur auf dem Papier!

  2. Beedener Holzkopp sagt:

    Die Wahlschlappen in Brandenburg und Sachsen sind die Aufhänger für die Spaltpilze sich nochmals in Szene zu setzen.

    https://scontent-lga3-1.xx.fbcdn.net/v/t1.0-9/69845994_374971626505020_7273146246666125312_n.jpg?_nc_cat=105&_nc_oc=AQkdXkhfM5QCAZmufm_Kv8eu38AywyMnxkcLCMDrB8hETmGkSCiwA1rwde5sa0Yc9Uk&_nc_ht=scontent-lga3-1.xx&oh=9fe0e7b662b9ecb284b177537eab10e1&oe=5DFBDBC0

  3. Harry Hirsch sagt:

    Ulrich R
    Aus dem Elfenbeinturm der Wagenknecht/Lafontaines kommt das also…Lächerlich!
    Da bekommt die Metapher mit dem Glashaus sofort wieder Stoff!

    Sahra Wagenknecht
    1. September um 20:58 ·
    Nicht nur erneut eine Klatsche für die Große Koalition, sondern auch eine dramatische Niederlage für DIE LINKE. Das machen bereits die ersten Hochrechnungen aus Sachsen und Brandenburg deutlich. Offensichtlich wird DIE LINKE von vielen ihrer früheren Wähler nicht mehr als Kraft wahrgenommen, die ihre Interessen ernst nimmt und ihr Leben zum Besseren verändern will. Ich finde das schlimm und das muss sich ändern. DIE LINKE muss wieder zu einer Alternative für all diejenigen werden, die von der herrschenden Politik seit Jahren im Stich gelassen werden. Für diejenigen, die zu Niedriglöhnen schuften, die unter fehlender sozialer Infrastruktur leiden und die Angst vor Altersarmut haben. Wenn wir von diesen Menschen als grünliberale Lifestyle-Partei statt als ihre Stimme wahrgenommen werden, wenn sie das Gefühl bekommen, dass wir auf sie herabsehen, weil sie nicht den hippen Großstadt-Code beherrschen, dann ist es nur normal, dass sie sich von uns abwenden. Das dürfen wir nicht länger zulassen!

  4. Anonymous sagt:

    ab 04:29 Min.
    https://www.sr.de/sr/fernsehen/sendungen_a_-_z/uebersicht/aktuell/index.html

    Wo war Addy L. ?

    1700 Mitglieder hat Aufstehen Saarland.

  5. Dengmerter sagt:

    Die Stadtratsabgeordnete Schaan vor Wochen: Meinungsvielfalt erweitert den Horizont…

    Es kommt noch besser.
    Vor wenigen Tagen schreibt Schaan, „Anhängerin“ von Aufstehen auf FB:

    Die Linke hat nicht vor, die AfD zu bekämpfen.
    Welchen Sinn sollte das haben, außer dass sie weiter in ihre Opferrolle fällt und die Tatsachen so verdreht, bis es in ihr Weltbild passt.
    Falls die AfD Vorschläge macht, die wir auch als gut befinden, werden wir doch nicht dagegen stimmen, nur weil der Vorschlag von der AfD kam.
    Man muss sich mit den Wähler*innen der AfD beschäftigen, um herauszufinden, warum sie die AfD gewählt haben.
    Das ist die Herausforderung für alle anderen Parteien.
    Zitatende.

    Die Wähler*Innen haben nicht DIE LINKE gewählt, damit die später mit der AfD das Kopfkissen teilt.

    Will Frau Schaan wie Wagenknecht im rechten Becken fischen?

  6. Felix Wasserstrahl sagt:

    Die Linken Pfeiffen im Rat sind mal gerade in EINEM Ausschuss. In keinem Aufsichtsrat, Beirat oder sonstigem… Erbärmlich!

  7. Wer Ner sagt:

    Gerd Heisel
    Der SR wird für einen Beitrag im Aktuellen Bericht mit einem Team anwesend sein. Wäre schön wenn viiele Aufsteher*innen den Weg nach Dillingen finden
    4 Tag(e)
    Von den angeblich 1700 Aufstehen-Fans im Saarland haben höchstens 12 Personen den Weg ins Gasth. Hector-Leinen gefunden 😉

  8. Sterntaler sagt:

    Wer ist diese Schaan? Wo bleibt der Aufschrei der so selbstgerechten Solid? Hier ist ein Parteiausschluß fällig.

  9. Saarlänner sagt:

    Das ist ja ein Ding der Linken im St. Ingberter Stadtrat. Schaan sollte sich hinter die Ohren schreiben, was Gysi zur AfD geäußert hat.

    „Zudem sprach sich Gysi dagegen aus, auf die AfD zuzugehen. «Wir dürfen nie der AfD ein Stück entgegen kommen», sagte er. Wenn man der Partei nur ein bisschen entgegen komme, verliere die Linke Wähler, die klar gegen die AfD seien, aber gewinne keine der AfD hinzu.“

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