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Deutsche und Juden

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 6. März 2010

Juden und Deutsche –
Zwischen aufgeklärter und verklärter Symbiose!

Heute erreichete uns eine Stellungnahme von Bernd Wittich zu der Absage von Rosalux an Finkelstein, welche wir hier wiedergeben. Im Anschluss daran ein Bericht von Reuven Moskowitz aus Jerusalem.

Ingo Engbert

Liebe Freunde,

ich bin entsetzt. Was ist die Lehre aus dem Holocaust? Mit Ralph Giordano: Die ungeteilte Humanitas. Wozu verpflichtet die Deutschen das Verbrechen an den Juden?

Ich meine: Zur Solidarität mit den Friedensbewegten in Israel und Palästina. Das jüdische Volk in Israel hat nur eine Zukunft, wenn es in Palästina zwei Staaten gibt, Friedens- und Diualogbereitschaft und gleiche Rechte für Araber in Israel.

Die deutsche Kanzlerin Merkel kann nicht die Leitfigur der deutschen Linken sein, wenn sie in der deutschen Politik Blindheit oder Einäugigkeit gegenüber der Politik Israels durchsetzt.

Gysi und Genossen sind auf dem falschen Weg, wenn sie den jüdischen Menschen nicht behilflich sind, die Gefahren der gegenwärtigen israelischen Politik aufzuzeigen. Die UN hat berechtigt bestimmt, dass die Staatsgründung Israels den Palästinensern die Geltung der Menschenrechte und der eigenen Nationbildung und Staatlichkeit zugesichert hat.

Die Partei, solid (shalom) und die Rosalux haben mit dem Hickhack um den Auftritt von Finkelstein in der Rosalux dem Frieden und der Zukunft der Völker in isreal und Palästina einen denkbar schlechten Dienst erwiesen.

Wie mir ein heutiges Telefonat nach Isreael zeigte, sind die Friedensaktivisten tief enttäuscht von der Partei DIE LINKE. Gysi irrt., wenn er glaubt, die Aufgabe der demokratischen und friedlichen Lösung der Probleme könnte auf zukünftige Generationen verschoben werden.

Die Partei DIE LINKE. ist schlecht beraten, wenn sie sich zur Stimme der Antideutschen macht und ihre Regierungsfähigkeit durch Anerkennung der Pro-Israelischen Staatsräson zu erwerben hofft.

Bernd Wittich
Ludwigshafen, 5. März 2010

Uni-Kassel

Steinbergrecherche

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Juden und Deutsche – Zwischen aufgeklärter und verklärter Symbiose!

von Reuven Moskovitz, Jerusalem
Die Gemeinsamkeiten zwischen Juden und Deutschen über Generationen hinweg sind offensichtlich. Umstritten bleibt bis heute die Frage der symbiotischen Verhältnisse seit der Blüte der Aufklärung sowie die Emanzipierung der deutschen Juden im neunzehnten Jahrhundert mit einem Höhepunkt in der Weimarer Republik und einem Tiefpunkt mit ihrem Untergang.
Typisch für Menschen und Wissenschaftler, die oft umsteigen von einer Position zu einer anderen unter dem Einfluss von politischen Umwälzungen und ideologischen Enttäuschungen, ist der Streit über die Frage, ob eine Symbiose tatsächlich existiert hat. So glaubte zum Beispiel Martin Buber, trotz Zeitgenosse der NS-Schreckenherrschaft, bis an sein letztes Lebensjahr, unerschüttert, nicht nur an die Existenz der Symbiose, sondern an ihre schöpferische gegenseitige Wirkung und Befruchtung. Gershon Sholem, hingegen, hat einen „flick–flack Sprung“ gemacht von begeisternder Aufklärung zur Verschanzung in der oft okkultischen Kabala. Der zeitgenössische Reporter, Schriftsteller und Forscher Amos Eylon hat über die obengenannte Symbiose eine glänzende Studie geschrieben. Seiner Meinung nach ist diese Symbiose nicht erst mit dem Nationalsozialismus zu einem Ende gekommen, sondern zeigte sich schon lange zuvor als einseitige Liebe. Es mag stimmen, wenn man automatische Gegenseitigkeit oder Ergebnisse in der Spanne von zwei oder drei Generationen erwartet. In dem erstaunlichen Übergang des deutschen Judentums von einer verfolgten, benachteiligten und dämonisierten religiösen Minderheit zu einer sich rasch und erfolgreich integrierende Gemeinschaft kam unausweichlich Neid, Angst und Empörung über eine verachtete Minderheit, die sich in der Wirtschaft, Wissenschaft, Literatur und Politik auszeichnete. Die Bereitschaft der deutschen Aristokratie und des aufsteigenden Bürgertums, Juden gesellschaftlich zu integrieren, konnte mit der Integrationsbereitschaft der aufsteigenden Juden nicht Schritt halten. Diese Tatsache aber bedeutet nicht, dass es nicht einen strukturellen Prozess zur Symbiose gab.
Mit dem Übergang Europas von der universalen Aufklärung zu nationaler Engstirnigkeit, kolonialer Machtgier und finanzieller Habgier, schließlich mit dem Untergang der Weimarer Republik und der Ausrottung des europäischen Judentums und jüdischer Kultur, musste auch die Symbiose untergehen.

Heute fast kriminelle Symbiose
Oft kommt es darauf an, von welchem Blickpunkt man eine Erscheinung betrachtet. Mit Recht behauptet Antoine de Saint Exupery: „Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung“. Das symbiotische Verhältnis zwischen Juden und Deutschen nur aus der Blickrichtung des Nationalsozialismus oder des Holocausts, kann irreführen. Das kann sogar zu gefährlichen Pervertierungen führen. Ich finde, dass man durchaus von einer zeitgenössischen deutsch-jüdischen Symbiose sprechen kann. Diese Symbiose pervertiert allerdings die unter Hitler untergegangene Symbiose, die eigentlich sehr hoffnungsvoll und erfolgreich hätte sein können. Heute kann man von einer fast kriminellen deutsch-jüdischen Symbiose sprechen.
Diese entstand aus der Tragik der Geschichte. Das führte dazu, dass die meisten Juden sich als ultimative Opfer fühlen und darstellen, auch wenn sie eigentlich schon Täter geworden sind.
Dagegen nehmen die Deutschen eine Schuldidentität an, auch wenn sie schon keine Täter mehr sind. Die Folgen zeigen sich als katastrophal. Die deutsche Außenpolitik hat sich seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Israel total der israelischen „Sicherheitspolitik“ unterworfen. Wegen des „besonderen Verhältnisses“,das Deutschland mit Israel verbindet, solidarisiert sich Deutschland fortwährend und undifferenziert mit der Politik Israels, die sich schon seit der Staatsgründung als friedenswidrig zeigt.

Durch Annabelung an die US-Politik
Allerdings bleibt es eine Tatsache, dass Deutschland bis zum Ende der Ära von Willy Brandt konsequent eine Friedenspolitik betrieben hat, die zur Versöhnung mit allen ehemaligen Feinden führte. Mit dem kritiklosen Einlenken auf die neue konservative und neoliberale Politik der USA hat die Führung der Bundesrepublik jedoch eine gefährliche Grenze überschritten. Die deutsche Außenpolitik schließt den Krieg oder die Kriegsbeteiligung als Fortsetzung der Politik nicht mehr aus. Diese gefährliche Grenze hat nicht nur die SPD überschritten, sondern auch Joschka Fischer als Außenminister. Der Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Erklärung der Bundeskanzlerin Merkel, dass bedingungslose Solidarität mit Israel deutsche Staatsraison ist.
Tatsache für jeden nüchternen und gut informierten Beobachter ist auch, dass Israel Krieg, Gewalt, Verletzungen von Menschen- und Völkerrecht als einzige Staatsraison in die Beziehungen zu den palästinensischen Nachbarn eingeführt hat. Eine weitere Tatsache ist, dass wenn Israel mit Ägypten und Jordanien Frieden hat, das nur auf die ausdrückliche Mitwirkung der USA zurückzuführen ist. In den Londoner Verträgen, die über die Nürnberger Prozesse zur Verurteilung der Nazi-Führer führten, heißt es, dass ein Verbrechen gegen den Frieden das größte Verbrechen gegen die Menschheit bedeutet!
Auch wenn es ungewöhnlich ist für einen Israeli, der den Staat Israel bejaht, so muss ich doch bekennen, dass Israel sich dieses Verbrechens schuldig gemacht und in den vergangenen 60 Jahren keine aufrichtige Friedenspolitik betrieben hat. Man begrüßt sich mit „Shalom“ und beteuert leidenschaftlich den Friedenswillen, während man sich nie wirklich mit einem jüdischen Staat in den Grenzen abgefunden hat, die von den Vereinten Nationen am 29. November 1947 entschieden wurden.

Lippenbekenntnisse
Diese Tatsachen bedeuten auf keinen Fall, dass die arabische Welt und die Palästinenser nicht aktiv zur Schaffung und Eskalierung dieser Tragödie beigetragen haben. Mit einem wesentlichen Unterschied: die verständliche Empörung über das Wagnis der Vereinten Nationen, einen Teil von Palästina den Juden zu geben, war es, die in der arabischen Welt und bei den Palästinensern eine hassvolle antijüdische Hetze entfachte – mit Vernichtungsdrohungen, die nicht weit vom Nazi-Antisemitismus entfernt waren.
Während sich die israelischen Staatsgründer nach außen um ein demokratisches und friedfertiges Gesicht bemühten und dafür keine Lippenbekenntnisse scheuten, wurden fleißig Tatsachen geschaffen. Diese sollten nicht nur den von der UNO zugeteilten Teil Palästinas legitimieren, sondern zugleich auch den Anspruch der Palästinenser und der arabischen Welt auf einen Teil Palästinas delegitimieren. Diese Hetze und die hartnäckige Verweigerung des Existenzrechtes Israels dienten letztendlich mehr der israelischen Politik als der palästinensischen.
Diese Tatsachen und die erfolgreiche Entwicklung Israels sowohl zu einer erstaunlich leistungsfähigen Wirtschaftsmacht als auch zur „einzigen Demokratie im Nahen Osten“ hat zu einer verklärten Bewunderung geführt.
Diese wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Teilen der westlichen Welt noch durch Israels geniale Fähigkeit erhöht, Millionen Menschen aufzunehmen und die meisten wohlhabend zu machen.

„Auschwitz-Trumpfkarte“
Bestimmt von der furchtbaren Vergangenheit und dem Trauma beider Völker, Juden und Deutsche, hat sich meiner Meinung nach die oben erwähnte pervertierte Symbiose entwickelt.
Die Benutzung der „Auschwitz-Trumpfkarte“ (Idith Zertal) durch Israel und viele deutsche Juden nimmt oft Formen von geistiger Erpressung an. Dadurch werden viele anständige und sensible Deutsche traumatisiert. Sie haben Angst, als Antisemiten verunglimpft zu werden. So haben sie sich abgefunden, Israel als sakrosankt zu betrachten.
Mit dem Umlenken der deutschen Politik auf die neoliberale Schiene wird ihre Haltung zur israelischen Politik nicht nur von einem unkritischen Ethos und Gewissen bestimmt, sondern auch durch macht- und wirtschaftspoltische Überlegungen.
Wenn die symbiotische Beziehung offensichtlich zu einer verharmlosenden Beurteilung der israelischen Unrechtspolitik führt, ist dies aber nicht nur ein moralisches Versäumnis, sondern auch ein realpolitischer Fehler. Deutschland kann als politisch und wirtschaftlich wichtigste Macht Europas viel durch die Verschärfung des Konfliktes mit der islamischen und der „Dritten Welt“ einbüßen. Anstatt sich aktiv an den aussichtslosen Kriegen und Konflikten – als Anti- Terror-Kriege bezeichnet – zu beteiligen, würde Deutschland als Export – Weltmeister und ehrlicher Vermittler viel besser fahren.
An dieser Stelle muss endlich der Begriff „Terror“ differenziert werden: palästinensischer Widerstand kann nicht mit Al Qaida-Terror gleichgesetzt werden, auch wenn die Widerstandsformen der palästinensischen Hamas oder der libanesischen Hisbollah nicht zu rechtfertigen sind.
Auch den Iran betreffend sollte Deutschland aus der pervertierten symbiotischen Beziehung mit Israel aussteigen. Es kann dem Weltfrieden und dem Frieden im Nahen Osten nichts Gutes bringen, wenn es als selbstverständlich hingenommen wird, dass Israel die einzige atomare Macht im Nahen Osten ist. Was hindert ein friedenssuchendes Deutschland und Europa daran, darauf zu bestehen, dass der Nahe Osten eine atomfreie Zone wird? Schliesslich ist Israel nicht nur der Staat, der dutzende Angriffskriege und –aktionen verantworten muss, sondern auch der einzige Staat im Nahen Osten, der mit der atomaren Überlegenheit fuchtelt und droht, sie gegen den Iran einzusetzen.

Kultur der Grenzenlosigkeit
Wenn man meine Meinung zu hart formuliert findet, muss man bedenken, dass die verklärte Symbiose mit Israel auch die Ursache dafür ist, dass die meisten Deutschen über die Geschehnisse in Israel schlecht informiert sind.
Israel mangelt es nicht nur an politisch anerkannten geografischen Grenzen, auch moralisch hat es jedes Maß verloren, zum Entsetzen einer sensiblen, immer neu erschreckten Minderheit.
In meiner Studie über deutsch-jüdische Gemeinsamkeiten mit dem Titel „Juden und Deutsche zwischen Macht des Geistes und Ohnmacht der Gewalt“ spielt die Grenzenlosigkeit eine Rolle.
Ich wurde beeindruckt von vielen deutschen Historikern, die behaupten, dass hauptsächlich die Maßlosigkeit Deutschlands das Land zu den zwei verheerenden Niederlagen im 20. Jahrhundert geführt hat. Diese Maßlosigkeit zeigt sich in der israelischen Politik und Gesellschaft.
Deutschland sollte einen Weg finden, sich von diesem maßlosen poltischen Israel zu distanzieren, ansonsten könnte es eines Tages in die Verantwortung genommen werden – nicht nur für die schreckliche Vergangenheit, sondern auch für das Akzeptierenunserer gegenwärtigen Maßlosigkeit! Eine Maßlosigkeit, die Israel mit einem schrecklichen Untergang bedroht.
Jerusalem im November 2009 (In Absprache mit dem Autor leicht veränderte Fassung)
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Reuven Moskovitz wurde am 27.11.1928 in dem Schtetl Frumucica im Norden Rumäniens geboren. Er überlebte den Holocaust trotz Verfolgung und Vertreibung. 1947 wanderte er nach Palästina aus, wo er zum Mitbegründer des Kibbuz Misgav-Am an der libanesischen Grenze wurde. Nach dem Studium der Geschichte und der hebräischen Literatur an der Universität Tel Aviv und der Hebräischen Universität in Jerusalem war er lange Zeit als Geschichtslehrer tätig. 1974 verbrachte er ein Forschungsjahr in Berlin, um seine Promotion zum Thema „Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt“ zu schreiben.
Er engagierte sich von Anfang an in der israelischen Friedensbewegung und wurde nach dem
Sechstagekrieg  Sekretär der neu entstandenen Bewegung für Frieden und Sicherheit, die sich gegen die Annexion der besetzten Gebiete und für eine sofortige Lösung des Flüchtlingsproblems, die gegenseitige Anerkennung Israels und der arabischen Staaten sowie das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung einsetzte.
Als Mitgründer Neve Shaloms, eines Dorfes, in dem israelische Juden und Palästinenser
zusammenleben, und als Organisator von Studienreisen durch Israel bemüht er sich nicht nur seit vielen Jahren um die jüdisch-palästinensische Aussöhnung, sondern auch um die deutsch-israelische Versöhnung. Zu diesem Zweck hat er viele Artikel in Deutschland und Israel veröffentlicht, kommentiert das aktuelle Geschehen regelmäßig in Radio und Fernsehen und hält Vorträge.
Kontakt: Reuven Moskovitz, 96100 Jerusalem, Zeev Vilnai Str., Postfach 3686 , Zim.721.
Tel. 00972 2 653 51 03, vardamos@hotmail.com

Passend zu diesem Bericht : Auschwitzer Pilgerfahrt

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Fotoquelle : Landeszentrale für Politische Bildung des SaarlandesLandeszentrale für Politische Bildung des Saarlandes

Alex Deutsch, die eintätowierte KZ-Nummer auf seinem linken Unterarm vorzeigend

Alex Deutsch, seine eintätowierte KZ-Nummer auf dem Arm vorzeigend (Ort: Gedenkstätte „Gestapo-Lager Neue Bremm“, Saarbrücken)

Ein Kommentar zu “Deutsche und Juden”

  1. UP. sagt:

    Nachfolgend eine kleine Betrachtung des Offenen Briefes gegen Jelpke MdB. Originalpassagen aus dem oben zitierten Brief des BAK Shalom sind kursiv gesetzt.

    Ich muss gestehen, die Ulla Jelpke ’schmeckt‘ mir nicht immer. Aber wo sie recht hat, mag sie recht haben. Das Judentum wie das Christentum ist zunächst als Religion zu definieren. Und Religionen kreissen oft Extremismus. Das hatten wir in Irland und haben es teilweise noch. Das haben wir in der islamischen Welt und im Judentum sind es die Zionisten, die teilweise unter dem Deckmantel ihrer Religion, die von den Nazis verfolgt wurde, Dinge tun, die menschlich verwerflich sind.
    Bereits die Überschriften Deutsche und Juden oder Juden und Deutsche sind im Ansatz falsch; denn man kann Äpfel nicht mit Birnen mischen. Oder um es klar zu sagen: Eine Staatsangehörigkeit oder Nation kann nicht mit einer Glaubenszugehörigkeit verglichen werden.

    Damit reiht sich Jelpke gnadenlos in den Nazisprech einer angeblichen »Holocaust-Industrie« alter und neuer Nazis ein, nach der der Holocaust lediglich Instrument der Juden sei, um die nichtjüdische Bevölkerung zu unterdrücken.]
    Das ist eigentlich eine ungeheurliche Unterstellung, wenn man Jelpkes Vita ein wenig kennt, entbehrt das jeder Grundlage. Und ich kann nicht erkennen, dass Jelpke unterstellt, Judenverfolgung im sogenannten ‚Dritten Reich‘ werde heute von den Zionisten instrumentalisiert. Nicht einmal indirekt. Aber handeln Zionisten dieses nicht eigennützig um des Freibriefes der Rechtfertigung eigenen Handelns willen in Nahost? Das Fatale dabei ist, dass deutsche Politiker uneingeschränkt die aggressive Politik gewisser Zionisten im Staat Israel akzeptieren. Das mag etwas mit der Geschichte zu tun haben, die über 60 Jahre vorbei ist, was nicht bedeuten soll, dass man das Geschehene vergessen darf.

    Allerdings zeitigt das Umgehen mit der Geschichte und scheinbar „ungeschriebenen Gesetzen“ der geschriebenen Zeilen und der gesprochenen Worte oft seltsame Blüten.
    Beim Starkbieranstich der Paulaner in München hatte sich der Kabarettist Michael Lerchenberg heftige Kritik eingefangen, weil er auf die NS-Parole „Arbeit macht frei“ angespielt hatte, als er die Hartz-IV-Äußerungen von FDP-Chef Guido Westerwelle aufs Korn nahm. Die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, hatte daraufhin erklärt, in der Rede sei eine Grenze überschritten worden, „die nicht hinnehmbar ist“.
    Ich frage: Welche Grenze? Sind bei dieser Rede Menschen jüdischen Glaubens verunglimpft worden? Ist der Zentralrat der Juden in seinem Ansehen hinsichtlich des „Alleinvertretungsanspruchs“ und Wächter der Vergangenheit beschädigt worden?

    Mit dem Satz »für den Kampf gegen den Antisemitismus« hätten »die deutschen Zionisten mit ihrem Maulkorberlaß für antizionistische Juden jedenfalls einen Bärendienst erwiesen« sagt Jelpke. Das kann richtig sein. Aber das muss jeder Mensch jüdischen Glaubens für sich selber entscheiden, wie er damit umgeht. Es gibt genügend Stimmen – auch in Israel – die sich gegen die zionistischen Besetzungen auf dem Golan wenden, in denen der fanatische Rabbi mit der Uzi zum Strassenbild gehört.

    Die Äußerungen Ulla Jelpkes, welche Beispielhaft für den modernen Antisemitismus sind und ebenso von der neuen Rechten gebraucht werden, sind unserer Meinung nach untragbar für eine Linke. DIE LINKE hat den den Anspruch, die universelle Gleichheit und Freiheit der Menschen gegen jedwedes ökonomisches und ideologisches Prinzip durchzusetzen.

    Das ist wohl wahr! Das muss jedoch auch für die Palästinenser gelten: Gleichheit und Freiheit und Recht. Und gewisse Leute sollten Anti-Zionismus nicht mit Antisemitismus leichtfertig gleichsetzen.

    Mir liegen eine Vielzahl von Foto vor, die nach Angriffen der israelischen ‚airforce‘ gemacht wurden – nur etwas für starke Nerven; und die letzte Liquidierung durch den Mossad ist noch nicht lange her.

    Um noch einmal den Nockerberg zu reflektieren: In den KZ der NS-Schergen waren nicht nur Menschen jüdischen Glaubens eingekerkert! Das darf kein Tabu-Thema sein.

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