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DER ROTE FADEN

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 3. Oktober 2019

Mit Wutantrieb ruckzuck das Klima retten

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Durch die Woche mit Nina Apin

Es war die Woche der ganz großen Gefühle: Zu Hause erregte ein in Plastikfolie verpacktes Fladenbrot, von der berufstätigen Mutter eilig auf dem Heimweg aufgegabelt, die Wut der Tochter. Plastikfolie – how dare you, Mama?! Sämtliche Einwände (ist eine Ausnahme, Schatz, du weißt, dass ich sonst immer einen Leinenbeutel dabei habe und im Bioladen einkaufe, außerdem hatte ich einen Laptop in der Tasche, der soll nicht vollgekrümelt werden) werden ungnädig beiseite gewischt: Mutti hat’s verkackt.

Ungebremst alles rauslassen, die Wut, den Frust, die Verzweiflung über die Erwachsenengeneration, die es einfach nicht hinkriegt mit der Klimawende: Diese Herangehensweise hat auch Greta Thunberg, immerhin sechs Jahre älter als meine Tochter, für ihre Rede vor den Vereinten Nationen gewählt. Viele, vor allem diejenigen, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten für den Umweltschutz kämpfen, fanden das großartig: Endlich kommt mal Schwung in die festgefahrene Debatte! Und wer lässt sich nicht zum Umdenken bringen von den Tränen eines jungen Mädchens?

Nun, zum Beispiel Donald Trump. Der Klimaleugner ist einer geblieben, auch nach seinem Überraschungsbesuch beim Klimagipfel. Für die Trägerin des alternativen Nobelpreises hat er nur Sarkasmus übrig. „Sie scheint mir ein sehr glückliches junges Mädchen zu sein, das sich auf eine fröhliche, wunderbare Zukunft freut. Das ist so schön zu sehen!“, twitterte er. Widerlich, klar. Aber die Tränen der G. waren für D. T. und seine Freunde im Geiste eben auch eine Steilvorlage: Seht, wie hysterisch diese ganze Klimabewegung ist!

Faschingsumzug Heidelberg - Angela Merkel - 2017-02-28 15-51-19.jpg

Prima – gutes Klima. Ein Narr welcher sich nicht mit fremden Federn schückt.

Leider ist sie das auch in Teilen. Wer auch nur ansatzweise Kritik übt an der Angst-und Verzichtsrhetorik der Klimaretterbewegung, kriegt gleich sein Fett ab: Alles Penner bei der taz, die „gar nichts verstanden“ hätten – so reagierten LeserInnen Mitte der Woche auf eine Seite, auf der taz-RedakteurInnen persönlich Stellung bezogen zum Thunberg-Hype. Einer wollte gar seine langjährige „Beziehung“ zur taz beenden – nur weil drei von sieben Beiträgen kritische Töne anschlugen. Wenn nicht mal mehr Menschen, die einander im Grunde zugetan sind, eine abweichende Sichtweise aushalten können, dann ist die Debattenfähigkeit im Keller.

Quelle         :          TAZ            >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben    —    Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs

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