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Der Pisapapst tritt ab !

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 30. Juni 2010

PISA bleibt – Baumert geht

Pisa tower in italy.jpg

Jürgen Baumert, geb. 1941, ist der wichtigste deutsche Erziehungswissenschaftler, vielleicht sogar der bedeutendste deutsche Forscher der vergangenen Jahrzehnts. Baumert leitete den deutschen Teil der ersten Pisastudie, die im Jahr 2000 die Kompetenzen von 15-Jährigen international verglich. Keine andere Studie hat ein derartiges Echo ausgelöst, und Baumert hat ihr eine eigene Prägung gegeben. Baumert verschärfte den Pisaschock mit Begriffen wie „funktionale Analphabeten“ oder „Marienthalschulen“. Damit werden Schüler beziehungsweise Schulen bezeichnet, die minimalste Anforderungen an Bildung nicht erfüllen.

Zugleich gilt Baumert als Meister der verschwurbelten, alles und nichts sagenden Rede. Die taz druckt daher eine ungehaltene Rede des Mannes, der am Freitag emeritiert wird, eine aufrüttelnde Rede, die Baumert so nie gehalten hat, die dennoch ausschließlich aus originalgetreuen Baumert-Sätzen kompiliert wurde. (taz)

Das Skandalon bleibt.

UNGEHALTENE REDE. Der Lebenslauf in modernen Gesellschaften war noch nie so vorgestanzt wie heute. Schuld daran ist eine von Schule produzierte Ungerechtigkeit – die hierzulande besonders groß ist

VON JÜRGEN BAUMERT

In den letzten Tagen haben Zeitungen viel darüber spekuliert, was ich seit der ersten Pisastudie denn nun über die deutsche Schule alles gesagt oder nicht gesagt hätte. Man nannte mich gar eine Sphinx. Dieser göttliche Vergleich schmeichelt mir natürlich. Aber er ist leider nicht ganz richtig. Ich habe mich viel klarer ausgedrückt, als dies immer behauptet wird. Und ich will gerne noch mal auf den Punkt bringen, was die zentralen Probleme des deutschen Bildungssystems sind, ehe ich in den Ruhestand gehe.

Über die Frage der sozialen Disparitäten im Kompetenzerwerb, wird letztlich im Unterricht entschieden. Das ist die erste Botschaft, die man nach den Pisastudien in unserem Land und in den Schulen verbreiten muss. Das bedeutet aber auch: Es gibt Wechselwirkungen und Zusammenhänge zwischen Schulsystem, Unterrichtsgestaltung und schulischer Ungerechtigkeit, die bislang kaum erkannt oder sogar negiert werden. Entscheidend ist, ob ich intelligent unterrichte und mit Unterschieden umgehen kann.

Ganz allgemein gesagt: Wir brauchen einen Unterricht, der Verständnis vermittelt, zu Deutsch: Guter Unterricht setzt darauf, dass Schüler selbst geistig tätig werden. Verstehen erreicht man mit keiner Stoffhuberei. Da haben wir leider noch großen Aufklärungsbedarf.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : pisa tower in italy

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