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Der nützliche Herr Gauck

Erstellt von IE am Mittwoch 12. März 2014

Ein nützlicher Gauck – ist ein armer Clown

Am 18. März wird es zwei Jahre her sein, dass Joachim Gauck im zweiten Anlauf zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Lange hat er sein Thema als erster Mann im Staate gesucht. Doch seit Beginn dieses Jahres wird man sagen können, dass er es gefunden hat – als nützlicher Gehilfe einer konservativen Deutungselite, die versucht, Deutschland einen neuen Standort in der Welt zu verschaffen.

Den Anfang machte Gaucks Grundsatzrede auf der Festveranstaltung des Walter-Eucken-Instituts am 16. Januar. Der Bundespräsident verteidigte dort den Begriff des Neoliberalismus, allerdings jenen der ordoliberalen Freiburger Schule um Franz Böhm und Walter Eucken. Seine Verteidigung des bundesrepublikanischen Wohlstandsmodells – durchaus mit Verweis auf notwendige Beschränkungen der Macht von Staat und Kapital – wäre eigentlich nicht weiter bemerkenswert, da sie längst auch von Grünen und Linkspartei geteilt wird.[1] Gauck wäre jedoch nicht Gauck, wenn er nicht grundsätzlicher und zensierender würde. So kritisiert er all jene, die „die marktwirtschaftliche Ordnung zwar für effizient, nicht aber für gerecht“ halten. Anstatt darin das Ergebnis speziell jüngerer Erfahrungen zu erkennen, sieht Gauck hier unter Rückgriff auf ein Zitat seines Amtsvorgängers Theodor Heuss den „gefühlsbetonten Antikapitalismus“ der Deutschen am Werke, den schon Heuss „zu Recht“, so Gauck, „für einen ‚unreflektierten Antiliberalismus’ hielt“. Hier zeigt sich zweierlei. Erstens: Gaucks Tendenz zu erstaunlich ahistorischen Vergleichen. Das Heuss-Zitat stammt aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Gauck lässt völlig außer Acht, dass sich insbesondere die westdeutsche Bevölkerung in den letzten bald 70 Jahren in hohem Maße mit dem Kapitalismus arrangiert, wenn nicht gar angefreundet hat.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber blu-news.org

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Ein Kommentar zu “Der nützliche Herr Gauck”

  1. commandante owl sagt:

    Diese Mischung aus DDR-Sozialisation, protestantischer Frömmelei und Kapitalismus im Schloss Bellevue überschreitet mit geradezu spielender Leichtigkeit jede Schmerzgrenze.Aber wirkliche jede.
    Was W1 angeht bin ich mir nicht mehr so sicher, ob die Alleinschuld wirklich bei Deutschland lag. Sicher Fischers „Griff nach der Weltmacht“ lässt dies vermuten. Auf der einen Seite sträfliche Leichtfertigkeit der Diplomatie verbunden mit Gier nach Einfluss und Rohstoffen. Auch die nationalistische Deutschtümelei, die sich u.a. im Bau von Denkmälern ( Niederwald, Hermann, usw.)ausdrückte, sprechen für Fischers Thesen.
    Gerade der Australier Clark hat in seinem Preußenbuch doch auf Fakten hingewiesen, die Deutschland etwas „entlasten“. Russland strebte nach der Demütigung 1905 nach Westen, erfand sich als Schutzherr aller Slawen neu. Es fühlte sich auch durch die deutsche Zollgesetzgebung in Sachen landwirtschaftlicher Produkte herausgefordert.. Die innenpolitische Situation in R schrie nach Verbesserung oder Ablenkung und Einigkeit nach außen.
    In Frankreich war man auf Revanche für 70//71 aus. In gab es unter der Bevölkerung ähnliche Veranstaltungen wie in D.Flottenvereine, patriotische Vereine, die stark militaristisch-nationalistisch ausgerichtet waren.
    Die Kolonialfrage tat ihrb übriges.

    Wenn Clark jetzt mit neuen Thesen aufwartet-ich habe es noch nicht gelesen- frage ich mich: warum er als Angelsachse Deutschland entlasten?
    „Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ sagt Clausewitz. Diese „Weisheit“ war für Regierungen und auch Völker eine kaum bezweifelte Tatsache.
    Dies kann man beispielhaft an den Balkankriegen, die W1 vorangingen. Auch wir sollten dies zur Kenntnis nehmen, Nicht in Bausch und Bogen ablehnen, weils nicht in unser politisches Bild passt.
    Es kommt auf deutscher Seite hinzu, dass man sich als „Verspätete Nation“ empfand. Der Krieg 1618/48 war ein europ. Krieg, der zum gröten Teil auf deutschen Boden susgetragen wurde, entsetzliche Verwüstungen hinterließ. Manche Städte waren in Brandenburg menschenleer. In einigen Gegenden dauerte es bis zu 100 Jahre bis der Bevölkerungsverlust wieder aufgeholt war Dies zu einer Zeit, als die Produktivität so gut wie ausschließlich von der Anzahl der Menschen abhing. Hinzu kam die territoriale Aufsplitterung.Ringsherum gab es Länder mit starken Zentralregierungen, die sich nach außen(Kolonien)orientierten und reich wurden.
    Der 16/48 Kriegbwar bis zum beginnenden 20. Jahrhundert im kollektiven Bewusstsein der Deutschen vorhanden. Welche Gefühle damit verbunden waren, kann man sich vorstellen.Meiner Meinung nach ist dieser Krieg für D. erst 1990 beendet worden. Zum ersten Mal seit 1648 gibt es keine nennenswerte Gruppe in D.mehr, die eine Revision der bestehenden Grenzen unseres Landes fordert.

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