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Der Gewerkschafter

Erstellt von Gast-Autor am Montag 20. September 2010

…oder die Gewerkschafterin

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Eine nicht ganz ernst gemeinte Selbstbetrachtung.

Definition Gewerkschafter: Gegen Werke die ein anderer schafft.
Definition Arbeitgeberverband: Gewerkschafter werden von Arbeitgebern verband.

Der Gewerkschafter oder die Gewerkschafterin kommen in der ganzen Bundesrepublik vor. Ihre bevorzugten Verbreitungsgebiete sind die großen Städte und Ballungsräume. Aber auch in den kleineren Kreisen und Gemeinden kann man sie beobachten. Eher selten ist ihr Vorkommen im ländlichen Raum oder auf freier Wildbahn, wo sie nur vereinzelt anzutreffen sind. Ihre Reviere sind die großen Unternehmen, Handwerksbetriebe, kommunale Institutionen, Dienstleistungsbereiche, Banken und der Handel.

Allerdings müssen sie sich diese Gebiete mit den Arbeitgebern teilen, so das es immer wieder zu Revierkämpfen kommt. Dabei erleiden sie manchmal Niederlagen nach denen sich der/die Gewerkschafter/in beleidigt in seine/ihre Privatsphäre zurück zieht.

Die Schuld wird natürlich immer bei den Anderen gesucht, gefunden und ihnen dann auch zugeschoben. Der/die gemeine Gewerkschafter/in hält sich aber die meiste Zeit bedeckt und lebt seine Zugehörigkeit zur Gewerkschaft im Verborgenen aus.

Die von sich selbst überzeugten Führer unter ihnen, testen immer wieder die Grenzen ihrer Reviere aus. Dazu rufen sie dann alle anderen zu ihrer Unterstützung zusammen. Nur mit der geballten Macht ihrer großen Herde im Rücken werden sie mutig und fühlen sie sich stark.

Besonders deutlich wird dies wenn wieder einmal die Notwendigkeit von unverschämten Lohnerhöhungen oder rigorosen Arbeitszeitverkürzungen propagiert wird. Dazu werden Arbeitskreise, sogenannte Tarifkommissionen gegründet die in erstklassigen Hotels schon einmal ausprobieren was man sich hinterher mit so einer Erhöhung leisten kann.

Dann kann man als interessierter Beobachter das Rudelverhalten studieren und die sonst so scheuen Gewerkschafter/innen auch mal aus nächster Nähe zu Gesicht bekommen.

Meisten jedoch findet man sie in den Hinterzimmern einschlägiger Örtlichkeiten, wo darüber palavert wird wie man sich am besten darstellen und damit unentberlich machen kann. Manchmal trauen sie sich auch nach draußen, um mit markigen Sprüchen zu verkünden wie gut sie doch seien und das sie alles besser können würden.

Dieses wird immer wieder auch durch die schamlose Ausnutzung der Pressefreiheit versucht. Ab und zu erscheint ein eigenes Machwerk in schriftlicher Form, welches aber von den meisten Mitgliedern nicht gelesen und von noch wenigern verstanden wird. Aber dadurch ist jede/r Gewerkschafter/in hinreichend aufgeklärt, weis wovon er/sie spricht und was er/sie zu tun hat.

Für diese Vorteile ist jedes Mitglied freudig bereit, Unsummen seines/ihres schwer verdienten Arbeitsentgeltes als Beiträge abzutreten um den Mutigsten unter ihnen ein angenehmes Leben zu ermöglichen.

Um unzufriedene Mitglieder von der Wichtigkeit der Gewerkschaft, dem Tun ihrer Patriarchen zu überzeugen und sie bei der Stange zu halten werden horrende Summen sinnvoll für nützliche Büroartikel ausgegeben. Qualitativ hochwertige Kugelschreiber, Anstecknadeln, Sticker und bunte Kalender überzeugen wankelmütige Kollegen/innen von ihrem Austritt abzusehen. So kann schließlich jeder selbst kontrollieren wann es mal einen Feiertag gegeben hat oder ein Wochenende sein sollte.

Um das zu unterstreichen hat man extra den „Tag der Arbeit“ erfunden und den 1. Mai dazu auserkoren. Schließlich ist die Gewerkschaft genau so wichtig wie die Kirchen. Und deswegen braucht man seinen eigenen Feiertag.

Natürlich würden die meisten Mitglieder gerne an den zahlreichen Veranstaltungen teilnehmen. Aber schließlich ist ja Feiertag. Den kann man doch nicht mit solchen Dingen wie Demos oder Kundgebungen verplempern. Und man muss sich ja auch nach dem Wetter richten. Deswegen greifen die Gewerkschaften zu einem Trick. Denjenigen unter ihnen, die durch langjährige Erfahrung in Fussballstadien qualifiziert sind, wird eine der wertvollen Fahnen oder Banner zum lang anhaltendem Schwenken anvertraut. Dadurch ragen sie aus der Masse heraus und freuen sich darauf am folgenden Tag ihr Gesicht in der Zeitung zu sehen. Außerdem kann man so zeigen, die Hände werden nicht nur in der Tasche getragen.

Zu diesen Aktivitäten werden auch noch wohlgesonnene Funktionäre anderer Organisationen eingeladen die dann mit vielen Lobhudeleien die Existenz und Wichtigkeit der Gewerkschaften herauskehren. Es sieht ja nicht so gut aus sich selbst dauernd auf die Schulter zu klopfen.

Jedes Mitglied freut sich wie ein Kleinkind wenn es für ein Jubiläum von seiner Organisation durch einen hochrangigen Funktionär geehrt wird. Dann kann sich solch ein Mitglied auch mal damit brüsten wichtige Leute getroffen zu haben obwohl er/sie meistens gar nicht weis wer der oder die eigentlich ist.

Natürlich sind die Funktionäre immer bestrebt den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren. Denn zu ihrem Verdruss müssen sie sich von Zeit zu Zeit einer so leidigen Prozedur wie der einer Wahl stellen.

Deswegen werden unter zu Hilfenahme von großen Geburtstagen oder Ehejubiläen Zusammenhalt und Miteinander propagiert. Damit die Ehefrau Verständnis für die notwendige Kürzung des Haushaltsgeldes aufbringt. Schließlich müssen ja auch die eigenen Beiträge mal erhöht werden. Die Lohnerhöhungen fallen auch nicht immer sehr üppig aus. Als Dankeschön gibt es dann einen teuer aussehenden Blumenstrauß oder Präsentkorb.

Die Führungsspitzen haben natürlich eigene Unterkünfte, von denen aus sie die Reviergrenzen besser überblicken können. Dort schließen sie sich dann ein um nicht von der unüberschaubaren Menge der übrigen Mitglieder, gestört zu werden. Ihre schwierige Tätigkeit z.B. Vorbereitung von konspirativen Treffen mit den Gegnern (als Tarifverhandlungen getarnt) fordert schließlich ein hohes Maß an Konzentration Dafür haben natürlich alle sehr großes Verständnis.

Ab und zu leistet sich ein/e Gewerkschafter/in auch mal kritische Bewertungen seiner  bevorzugten Lieblingspartei, natürlich nur hinter vorgehaltener Hand. Offen geht das ja nicht, da ihm sonst ein beleidigter Parteiführer mit Liebesentzug droht und die mögliche Karriereleiter absägt. So ist eben Demokratie.

Es soll aber tatsächlich vorkommen das sich Jemand heraus traut um Anderen bei unlösbaren Problemen erste Hilfe zu leisten. Und es wird gemunkelt das diese Kollegen/innen doch wirklich qualifiziert dazu sind.

Diese vielen Vorteile haben natürlich nur Mitglieder/innen einer Gewerkschaft, alle Anderen gucken in die Röhre und sind deswegen sehr traurig.

Montag, 20/ September 2010
Thomas A. Bolle
Weißdornweg 21

59229 Ahlen

Alle Rechte vorbehalten.

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Grafikquelle :Friedemann Wagner, der Urheberrechtsinhaber dieses Werkes, veröffentlicht es hiermit unter der folgenden Lizenz:

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Namensnennung: Friedemann Wagner

Ein Kommentar zu “Der Gewerkschafter”

  1. Jörg Riss sagt:

    „Diese vielen Vorteile haben natürlich nur Mitglieder/innen einer Gewerkschaft, alle Anderen gucken in die Röhre und sind deswegen sehr traurig.“

    In der Tat haben die Mitglieder bei Gewerkschaften viele Vorteile (jede Gewrkschaft gibt darüber gerne Auskunft. Bin selbst Mitglied bei Ver.di). Wer in die Solidargemeinschaft einzahlt, soll auch davon profitieren können! Tarifverträge werden ja auch für Nichtmidglieder ausgehandelt. „Trittbrettfahrer“ bracuehen wir wenige als AktivistInnen!

    Jörg Riss

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