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Der Bankrott einer Stadt

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 23. September 2012

Die Stadt, die nicht mehr kann

Downtown Stockton's waterfront in June 2013.

Am Beispiel der amerikanischen Stadt Stockton zeigt der folgende Bericht den Werdegang einer Stadt in die Pleite. Höchst Aktuell zur Zeit, da auch hier im Land viele Städte schon morgen dem Beispiel folgen könnten.

Die Leute in Stockton sagen, dass es mehrere Ursachen für die Pleite ihrer Stadt gibt und dass Dwane Milnes eine davon ist.

Dwane Milnes ist 67 Jahre alt, er lebt in einer dieser amerikanischen Straßen, deren Häuser sich vor allem im Ton des Graus unterscheiden, mit dem die Holzfassaden gestrichen sind, und im Namen der Alarmanlagenfirma, der auf dem Warnschild im Vorgarten steht. Wenn Dwane Milnes in seinem weinroten Sessel sitzt, kann er draußen die Blumen blühen sehen.

Von 1991 bis 2001 war Dwane Milnes Verwaltungschef der kalifornischen Stadt Stockton. Stockton hat mehr als 290.000 Einwohner. Und mehr als 700 Millionen Dollar Schulden, wenn man alles zusammenrechnet. Am 28. Juni hat die Stadt Insolvenz angemeldet. Ein Gericht muss jetzt entscheiden, ob sie endgültig pleitegehen darf. Die Ratingagentur Moody’s stufte Anleihen von Stockton auf Caa3 herunter, zwei Stufen über Griechenland, eine unter Ecuador. Damit ist Stockton eine Stadt mit Ramschstatus. Die größte Ramschstadt der USA.

In Stockton kann man einiges darüber lernen, wie die größte Finanzkrise der vergangenen Jahrzehnte zustande gekommen ist. Und wie ihre Folgen heute in den Alltag hineinschwappen.

Wenn man nach dem sucht, was die Menschen damals geleitet hat, muss man wohl sagen: Es ist auch der Optimismus gewesen, der Stockton ruiniert hat.

Stocktons Stadträtinnen und Manager haben so sehr und so lange an eine bessere Zukunft geglaubt, an die unbegrenzten Möglichkeiten der Finanzmärkte, dass sie immer noch mehr Schulden aufnahmen und am Ende, kurz vor dem Crash, sogar auf die Berater einer Bank vertrauten, die heute für diesen Kollaps steht: Lehman Brothers.

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Kommentar

Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in der Bundesrepublik stehen Kommunen am Rande der Pleite. Ebenfalls kein US-amerikanisches Phänomen ist der geradezu kindlich naive Glaube an die unbegrenzten Möglichkeiten der Finanzmärkte, der so manchen städtischen Kämmerer dazu brachte, hochspekulative Anlageprodukte für einen genialen Ausweg aus seinen Haushaltsnöten zu halten.

Zinswetten, sogenannte CMS Spread Ladder Swaps, waren lange Zeit der große Renner. Hunderte von deutschen Städten und Gemeinden setzten darauf – und verloren Unsummen, wie das bei einer Wette im Spielkasino nun mal passieren kann. Hätten sie solide gewirtschaftet, statt Millionensummen zu verzocken, müssten Städte wie Remscheid und Solingen jetzt nicht darüber streiten, ob sie sich noch ein Symphonieorchester leisten können. Stockton ist überall.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :    Downtown Stockton’s waterfront

3 Kommentare zu “Der Bankrott einer Stadt”

  1. Thomas A. Bolle sagt:

    Die Gier einzelner „Mitmenschen“ gepaart mit verbrecherischer Energie. Wenn ich gläubig wäre würde ich sagen -fahrt zum Teufel-. Aber eines Tages werden sie ebenso nackt auf einer Trage liegen und in einer Kiste verschwinden. Und das ist gut so. Bis dahin kann man es eigentlich nur zu Ko…n finden.

  2. Dr. Schiwago sagt:

    Es ist zu tiefst traurig, wie viele Städte und Gemeinden heute noch unter der Bevölkerung Optimissmus verbreiten. Zum Heulen wenn man in die Kassen der Öffentlichen Hand hineinschaut, und wie man die Bevölkerung immer noch bewusst dumm hält. Hauptsache ist die Regierenden haben sich das Säckel prall gefüllt, und die Allgemeinheit muss darunter leiden, da sie für die Schulden aufkommen müssen.
    Es ist bereits fünf Minuten nach zwölf, und das Volk bemerkt es nicht einmal. Und keiner will Schuld gewesen sein

    BÜRGER VON DEUTSCHLAND WERDET ENDLICH WACH UND LASST EUCH NICHT WEITER VON DEN OBEREN VERARSCHEN

  3. Gabriel van Helsing sagt:

    700.000.000 Mill. Dollar Schulden hat diese Stadt mit ihren 290000 EW.

    Das sind ja noch rosige Aussichten zu meiner Heimatstadt.

    Z.Zt. ca. 186000 EW. Tendenz nach unten.

    1.200.000.000 Euro setze ich dagegen.

    Achso, von Politik und Verwaltung wird unter sich so getan, als ob man noch im Schlaraffenland leben würde.
    Gerade hat man für eine Tochter der Gemeinde, 5 neue Mittelklassewagen zur Freien Benutzung ihrer Abteilungsleiter angeschaft.
    Der OB eingekauft von der Stärksten Fraktion im Rat,
    hat noch in der Nacht nach der Wahl, einen pers. Referenten (Spusi) ) und eine neue E-Klasse bestellt.
    Da es keine Residenzpflicht gibt, wird ER, jeden Tag per Dienstfahrzeug ca. 70km hin- und her gefahren.

    Noch etwas, öffentl. Bäder, Schulen und Kitas werden bei dieser Selbstbedienungsmentalität geschlossen. Dafür leistet man sich 18 Töchter mit ihren Geschäftsführern, die AT bezahlt werden.
    Selbstredend alle mit Dienstfahrzeug bestückt.

    Da vieles dem Sparzwang geopfert wird,
    gibt es immerhin noch 7 Museen und ein Stadttheater.
    Auch unter Führung von verdienten Parteisoldaten.

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