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Den Rechtstsaat kritisieren, damit er bleibt

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 9. März 2013

Den Rechtstsaat kritisieren, damit er bleibt

Die neue Generalsekretärin von Amnesty International spricht in diesen über ihre Herkunft aus konservativem Elternhaus in Nordrhein-Westfalen, über verpasste Chancen in Afghanistan und die kommende UNO-Abstimmung zur Kontrolle des Waffenhandels

taz: Frau Çaliskan, welchen Akzent werden Sie als neue Deutschland-Chefin von Amnesty International setzen?

Selmin Çal¦skan: Ich möchte Amnesty gern noch internationaler machen. Die zweite und dritte Generation Einwanderer soll sich von Amnesty auch vertreten fühlen und bei uns vorkommen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Anscheinend funktioniere ich als Vorbild – das wurde mir erst jüngst bewusst. Meine Tochter erzählte mir, wie stolz die Mütter ihrer Freundinnen – Frauen aus der gleichen Einwanderergeneration wie ich – darauf seien, dass eine Deutschtürkin an der Spitze einer solch angesehenen Organisation steht. Außerdem werde ich bald auch in türkischsprachigen Medien auftreten und über Menschenrechte sprechen.

Auf Themen wie Kurdenrechte oder auf Kritik an Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan reagiert auch die türkische Gemeinschaft in Deutschland empfindlich.

Die türkische Gemeinschaft ist kein einheitlicher Block. Wenn überhaupt, kann man von der Mehrheit der Türken in Deutschland sagen, dass sie wertkonservativ sind – ein Potenzial, das übrigens CDU und CSU schon seit Jahrzehnten nicht nutzen. Ich hoffe, dass wir von denen, die weniger türkeiorientiert oder nationalistisch denken, manchen für Amnesty gewinnen können.

Sie sagen, die Diskriminierung als türkisches Mädchen habe Sie zur Menschenrechtsarbeit gebracht. Wenn dies bei allen so funktionierte, wäre die Republik eine andere. Was gab Ihnen den Zusatzimpuls?

Es war die Kombination aus Ablehnung und Kampf einerseits, Förderung und Verständnis andererseits. Als türkisches Mädchen aus konservativem Elternhaus im nordrhein-westfälischen Düren war ich den Erwartungen und Zumutungen sowohl der deutschen als auch der türkischen Gesellschaft ausgesetzt. Doch haben mich etwa meine deutschen Lehrerinnen und Lehrer stark gefördert, gerade auch als ich mit 16 Jahren von zu Hause weggelaufen bin. Ich hatte damals schon Simone de Beauvoir und Bert Brecht gelesen. Ich war nicht damit einverstanden, wie in türkischen Familien über Mädchen und junge Frauen verfügt wird. Doch meine Eltern haben trotz meines Eigensinns und meines rebellischen Verhaltens bald wieder zu mir gestanden.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia

Author Ceresnet

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