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RENTENANGST

Das rote Kaninchen

Erstellt von Gast-Autor am Donnerstag 14. November 2013

Sigmar Gabriels Zauberhut

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/35/Sachsengold1.jpg/1280px-Sachsengold1.jpg

Autor: U. Gellermann

Rationalgalerie

Datum: 13. November 2013

Angst breitet sich aus. Bei Oppermann, Schwesig & Co. Die Verhandlungsführer der SPD-Koalitionäre hatten schon gut gepolsterte Ministersessel vor Augen. Sie konnten die Ledersitze der Dienstwagen fast schon riechen, die bedeutenden TV-Talkrunden beinahe hören, die reichlichen Pensionen zählen. Da gab es böse Nachrichten aus der SPD-Basis. Die Genossen finden, so entnahm man dem Murren in der Mitgliedschaft, die bisherigen Koalitions-Verhandlungsergebnisse als schlichtweg unzureichend. Aber es ist die Basis, die irgendwann im Dezember über den Koalitionsvertrag richten soll. Sie könnte die Blütenträume vom Macht-Zipfelchen zunichte machen. Denn die Liste der jetzt schon gebrochenen SPD-Wahlversprechen ist lang.

Hatte sich die SPD doch vor den Bundestagswahlen geradezu als eine Art Anti-Agenda-2010-Partei dargestellt: Gerechtigkeit hieß der Schlachtruf, jetzt wolle man aber mal die Millionäre zur Kasse bitten, aber hallo! Jetzt würde man aber nicht schon wieder als Zustimmungsmaschine im Bankenrettungsfach auftreten. So nicht, Frau Kanzler! Und vornedran der kühne Oppermann, der die Kanzlerin in der NSA-Abhöraffäre vor sich hertrieb: „Heuchelei, Nichtinformation, Desinformation“, Worte wie Steinwürfe in Richtung Kanzleramt. Sigmar Gabriel hatte sogar mal kurzzeitig ein Zeugenschutzprogramm für Edward Snowden gefordert. Jawoll! Und jetzt? Jetzt warnt der Herr Oppermann im Zusammenhang mit Snowden vor „emotionalen und moralischen Höhenflügen“.

Die SPD-Mitglieder gehören zu den Weltmeistern im Krötenschlucken. Man war einst schon mal gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, gegen die NATO, gegen die Notstandsgesetze. Natürlich immer vor einer Regierungsbeteiligung. Danach gingen die SPD-Chefs dann immer in die Ortsvereine und riefen ihre Waren aus: „Kröten, leckere Kröten, einmal schlucken und schon ist alles ganz anders.“ – Doch Zeiten ändern sich. Nach dem Agenda-2010-Anschlag auf die soziale Marktwirtschaft warfen nicht wenige Sozialdemokraten ihr Parteibuch hin. Noch mehr SPD-Wähler wählten nicht mehr oder was anderes. Was, so dachte sich der Gabriel, wenn die 470.000 SPD-Mitglieder plötzlich von einem moralischen Höhenflug gepackt würden und den Koalitionsvertrag ablehnten?

Flugs guckte der schlaue Siggi in seinen Zylinder, sah das rote Linkspartei-Kaninchen, holte es heraus und schwenkte es vor dem Leipziger Parteitag in der Luft: Huhuh, in vier Jahren, hinter den sieben Bergen und wenn die sieben Brücken nicht brechen, dann sind wir vielleicht bereit, äh, oder so, äh, mit der Linkspartei zu koalieren. Siggi hält die Genossen für doof. Er denkt, die merken nicht, dass wir den Mindestlohn auch ohne Koalition schon erreicht hätten, wenn wir die knappe Mehrheit der SPD, der GRÜNEN und der LINKEN im Bundestag genutzt hätten. Dass mit der selben Mehrheit längst das Asyl für Edward Snowden durchgesetzt wäre. Ja, es wäre sogar eine rot-rot-grüne Regierungskoalition möglich gewesen. Aber was in vier Jahren ist, ob die SPD nach der üblichen Schrumpfkur in einer großen Koalition noch genug Stimmen für einen ordentlichen Gesangverein bekommen wird, das weiß keiner.

Der SPD-Parteitag in Leipzig präsentiert statt eines irgendwie inhaltlichen Slogans ein „Hashtag“ auf dem Bühnentransparent: #spdbpt. Hashtags sind jene Computer-Doppelkreuze, die einer Zeichenkette vorangestellt werden, wenn besonders Wichtiges markiert werden soll, wenn man mit einem Meta-Tag, also einer Über-Markierung, die Suche erleichtern will. Such´s Original-Sozialdemokratische ruft das Tag den Delegierten und Mitgliedern zu, und wenn ihr´s nicht in den Koalitionsverhandlungen findet, dann eben in Gabriels Zylinder. So doof kann die SPD-Basis nicht sein, oder?


Grafikquelle    :   Sachsengoldkaninchen

2 Kommentare zu “Das rote Kaninchen”

  1. Dorle sagt:

    Die „Mehrheit“ besteht aus zwei Stimmen.
    DieLinke ist mehr als nur ein Wackelkandidat, weil die „Steinzeit-Kommunisten“ aus dem Westen vermutlich beim geringsten Anlass eine Rot-Rot-Grüne Koalition platzen lassen, wenn sie ihre kommunistischen Enteignungsprogramme nicht gegen die SPD und Grüne durchsetzen können.
    Die Alles-oder-Nichts-Strategie aus dem Westen können unmöglich zu einer stabilen Regierung führen. Die Abschaffungsforderung St. Martin aus NRW lässt auch herzlich grüßen.

  2. Klara Korn sagt:

    SPD-Öffnung ist richtig und überfällig. Sie würde sich selbstverständlich beschleunigen, wenn die gegenwärtigen Koalitionsverhandlungen scheitern würden, aber ist dies wirklich wünschenswert? Ich bin mir da nicht so sicher.

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