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Coronapolitik der Union

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 11. März 2021

Konservativ ist zu langsam

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Eine Kolumne von Sascha Lobo

Was ist wirklich schlecht gelaufen bei der Bekämpfung der Coronapandemie, was entspricht einfach nur dem Regierungsstil der Union – und wo ist der Unterschied? Ein Untersuchungsausschuss könnte es aufklären.

Die Union möchte nicht mehr, dass man wegen ihrer Regierungsleistung während der Pandemie von Versagen spricht und wütend ist, und ich kann sie gut verstehen, so im Superwahljahr. Nicht, dass die SPD glorreiche Coronapolitik machte oder einen Lauf hätte, aber die Union hat schon das Gegenteil eines Laufs, beinahe möchte ich von Einlauf sprechen.

Es ist leider auch so, dass Wutenergie nur bis zu einem bestimmten Grad politisch konstruktiv gewendet werden kann. Wut verpufft, wenn die Adressaten sie kalt abtropfen lassen, und es gibt wenig, was die Merkel’sche Union besser kann als genau das (außer von rechts, aber das ist ein anderes Thema). Deshalb braucht der politische Diskurs in diesem Land eine nächste Stufe nach der Wut. Ich hätte da eine Idee.

Es häufen sich die konservativen Schmierlappigkeiten von Nüßlein (Maskengate 1) und Löbel (Maskengate 2) bis zu Spahn (überteuerte Masken) und Laschet (Maskenkauf bei Auftraggebern seines Sohns). Noch relevanter aber sind die verschiedenen, noch nicht vollkommen aufgeklärten Dimensionen der Fehlplanung, des möglichen Versagens und der Hybris, was die Coronapolitik und die dazugehörige Kommunikation angeht. Deshalb gibt es neben den Wahltagen einen Weg aus dem berechtigten Groll der Bevölkerung: einen Corona-Untersuchungsausschuss des Parlaments.

Auch harsch Kritisierende müssen natürlich beachten, dass Pauschalisierungen des Versagens oder Unterstellungen nicht weiterhelfen. Und es ist wahr, dass nicht alles schlecht gelaufen ist, sich vielleicht durch bisher stille Vorarbeiten sogar deutlich verbessern wird. Aber genau darin sehe ich durch einen solchen Untersuchungsausschuss die Möglichkeit einer sachlichen Klärung. Gerade auch um herauszufinden: Was ist schlecht gelaufen und was geschah einfach im konservativen Geist des Regierens? Das ist für Nichtkonservative ja manchmal kaum zu unterscheiden.

Laschet möchte jetzt bitte reinen Tisch machen

Parlamentarische Untersuchungsausschüsse sind kein Gerichtsverfahren und sollten auch keinen Tribunal-Charakter haben. Sie dienen, wenn sie richtig geführt werden, vor allem der Klärung, der Erklärung und damit dem öffentlichen Verständnis des Geschehens.

Mehrere Bundestagsabgeordnete der Union haben die Wirren und Nöte der Pandemie für sich genutzt, Georg Nüßlein (CSU) und Nikolas Löbel (CDU) haben offenbar umfangreiche Provisionen für Maskenverkäufe erhalten. Nach Recherchen des SPIEGEL haben sich fast zwei Dutzend weitere Abgeordnete an unterschiedlichen, bestimmt auch lieb gemeinten Maskengeschäften beteiligt, ob und wie dabei Provisionen in welcher Höhe geflossen sind, ist bisher nicht öffentlich bekannt. Deshalb ist es mindestens interessant, dass Parteichef Laschet in den Tagesthemen die Unionsabgeordneten explizit auffordert, jetzt »reinen Tisch zu machen«, falls da noch mehr solcher Geschäfte im Raum stehen sollten.

Dass jetzt konservative Führungskräfte empört tun, ist aber scheinheilig. Die Union verhindert seit vielen Jahren größere Transparenz der Abgeordneten, hat zum Beispiel das Lobbyregister zu einem Gesetz mit der Bedrohlichkeit eines unterzuckerten Goldhamsters gemacht. Dieser Zusammenhang zwischen dem politischen Handeln der Union und dem Missbrauch durch eine Reihe von Unionspolitikern beweist: Es geht um ein systemisches Problem der deutschen Konservativen.

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Wenn mit der Unionsfraktionsvizevorsitzenden Gitta Connemann (CDU) eine maßgebliche Politikerin die Union in der »schwersten Krise seit der Spendenaffäre« sieht, dann ist das ein starkes Zeichen für parlamentarischen Aufklärungsbedarf. Auch in der von Connemann erwähnten Spendenaffäre gab es einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Und der sollte nicht nur den verschiedenen Aspekten der Maskenaffäre auf den Grund gehen, sondern sich den Unzulänglichkeiten der Coronapolitik insgesamt widmen. Denn die vom Bundesverfassungsgericht inspirierte Definition auf Wikipedia bringt hier die Möglichkeiten dieses parlamentarischen Instruments präzise auf den Punkt: »Aufgabe des Untersuchungsausschusses ist es, Sachverhalte, deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegt, zu untersuchen und dem Bundestag darüber Bericht zu erstatten.«

Quelle        :          Spiegel        >>>>>     weiterlesen

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Grafikquellen         :

Oben          —       Angela Merkel

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